Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 34 (22.8.1866)
- Date
- 1866-08-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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621 622 vernommen. Die Untersuchung führt der Herr Bizcgespan Baron Barkücy. In Angelegenheit der Spendengelder für das heilige Land witrden von den! Vorsteher der Ehaßidim die verlangten Quittungen vorgczcigt und dürften nach dieser Richtung unsere Aschkcnasim schwerlich rcnssiren. In Betreff des sefardischen Minjanö berufen sich linsere Ehaßidäcr ans den Usus in Tokai, wo bekanntlich in der Hanptsynagoge sefardisch gebetet wird, sowie ans eine Erlaubnis; vom ehemaligen Kultusminister Grafen Thttn. Wie wir vernehmen, wnrde vom löbl. Komitate Sr. Ehrwürden der hiesige Oberrabbi um ein theologisches Gutachten in dieser Angelegenheit angegangen. B. Fi legyhi>za, im August. Die zahlreichen jüdische» Reisenden, welche täglich ans der Eisenbahn an unserer Stadt vorüberfahren, ahnen nicht, welch einen heiligen Wundcrmann die hiesige Gemeinde in ihrem Schoße birgt: ich meine Herrn Süßman Schreiber, den hiesigen ehrwürdige» Rabbiner. Dieser Rabbi weiß zwar in Bibel und Talmud nicht viel Bcschied, und die Erwerbirng profanen Wissens hat er stets sorgfältig vermieden. Dafür rühmt er sich aber, Inspirationen von oben zu erhalten. In Folge einer solchen angeblichen Inspiration hat er erklärt,' die Trannngen fortan nicht mehr in der Shnagoge vornehmen zu können. ״Unser,Nabbincr ist ein närrischer Mensch!" wagte ein Mitglied der hiesigen Gemeinde zu bemerken. O nein, rcplizirte ihm ein Reisender, Ihr seid närrische Menschcn, indem Ihr Euch von Eurem Rabbi an der Nase hernmführcn lasset Frage: wer hat Recht's 8. Prag, 12. Anglist. Es dürfte den wcrthcn Lesern des ״B. Eh." bekannt sein, daß Dr. Adolf Hübsch einen ehrenvollen Ruf nach New- Vork-als Prediger der Ahawath - Ehcscd - Kongregation erhielt; unbekannt dürfte jedoch sein, das; Herr Dr. H. diesem Rufe Folge leistete und sich bcreits am Bord der ״Teutonia" zur Fahrt nach dem. fernen Westen befindet. Herr Dr. Hübsch ist den Lesern des ״B. Eh.", zu dessen eifrigsten Mitarbcitern er zählt, bekannt; über dessen rcsnltatreicheö Leisten im Gebiete der jüdischen Wissenschaft mehr zu sprechen halte ich daher für überflüssig, ich komme jedoch einem allgemeinen Wunsche nach, wenn ich dessen Pastorales Wirken und Leben hervorhcbe. Wie schmerzlich nicht nur die Gemeinde der Nensynagoge, deren Prediger er sechs Jahre hindurch war, sondern nufere Gesammtgemcinde seinen Abgang empfand, gab sich in mannigfacher Weise fnud. Als Herr Dr. Hübsch die Abschiedsrede hielt, war die Synagoge m allen Näumen dicht besetzt und viele mußten sich begnügen , vor der Thüre stehend, den Worten des beliebten Predigers zu lauschen; als derselbe nach Schluß der Predigt kurze aber eindringliche Worte des Abschiedes au die, Versammlung richtete, da übcrmannte die schwerverhaltene Rührung die Zuhörer und ich übertreibe nicht, wenn ich sage : kein Auge blieb thränenleer. Am Tage sei- »er Abreise hatte sich trotz des heftigen Regens vor seiner Wohnung eine zahlreiche Menschenmenge, -darunter Honoratioren unserer Gemeinde, versammelt, um dem geliebten Lehrer Lebewohl zttzurnfen. lind so rufen auch wir ihm innniges herzliches Lebewohl'zn; möge er noch lange glücklich und segensreich wirken, möge er auch drüben tm fernen Amerika die Zahl seiner Verehrer und Freltnde vermehren und möge er/ wenn ihm diese Zeilen ztt Gesichte kommen, sich nnser in Liebe erinnern, wie wir in Liebe sein Audenken ehren und bestrebt sein werden, gleich ihm zu wirken und schaffen — znr Ehre des JndenthninS. Prag , 2. Angnst. Durch die Berufung des Herrn Dr. Hübsch als Prediger nach New-Uork hat die hiesige Gemeinde einen herben Verlust erlitten, lieber den Abgang dieses würdigen Rabbiners und rühnilichst bckannten KauzelrednerS von hier , trauert die ganze Prager Gemeinde, lind dieses mit Recht. Denn abgesehen davon, das; Herr Dr. Hübschj durch sein vorzügliches Nednertalent zu den Koryphäen der israelitischen Prediger Deutschlands gehört; abgesehen ferner, daß Herr Dr. Hübsch wegen seiner vielseitigen Bildung namentlich als Orientalist unter den betreffenden Kapazitäten seinell Platz findet; abgesehen von all diesem ist er wegen!seines streng inoratischen Lebenswandels und seiner Charakterfestigkeit nicht nur ein Liebling der Gemcindcmitglieder der Nensynagoge, der er durch 6 Jahre als Prediger und Rabbiner vorgcstanoen, sondern er wird von .seiner ganzen Zu- Hörerschaft, zu der alle Klassen der Gesamnitgeineinde Prags ihr Kontingentt lieferten, mit der größten Achtung uub Würde behandelt. Die Männerwelt verehrt ihn und das zarte Geschlecht vergöttert ihn. Einen kleinen Beweis hierzu möge nachstehender Umstand liefert!. Als er (Schreiber dieses lvar An genzettgc) die letzte Predigt am Sabbath Ehazon in der Nensynagoge hielt-, war eine Stunde vor Beginn der Predigt die große Nensynagoge in allen ihren Räumen zum Erdrücken überküllt und nur mit großer Mühe konnte man noch einen Stehplatz finden. Es kam durch die Ueberfüllung oftnials zu tumultnarischen Auftritten — nur der Beginn der Rede war im Stande, die lautloseste Ruhe herzustcllcn. Der Vortrag war . wie immer sehr geistreich, und die sanften und lieblichen Worte des Redners wurden mit der gespanntestcn Aufmerksamkeit gehört —denn sic gingen vom Herzen zum Herzen. Als endlich am Schlüße der Redner bemerkte, daß diese Predigt mnthmaß׳ lich die letzte in Prag sein dürfte, da ertönte ein allgemeines lautes Wehklagen, wie man es hierorts, in einer Synagoge an! Sabbath nie gehört — Männer und Frauen, Jüttglingc und Greise, alles war tief bewegt und zn Thräncn gerührt, und der Redner selbst war genvthigt, feine Abschicdsworte abzukürzen. Die Mehrzahl der Zuhörer, die sonst an jedem Sabbath gleich nach Beendigung der Predigt die Synagoge zn verlassen pflegt, harrte diesmal ans ihrem beengten Standplatz ruhig ans, um ihren geliebten Prediger nach Vollendung des Mußafgebetcs auf der freien Straße beim Ansgang aus der Synagoge, wo eine zahllose Menge den Gefeierten erwartete, ein herzliches Lebewohl znzttrllfen. Mittwoch, am 1. August, als am Tage der Abreise, hatten sich alle Gönner und Freunde des Scheidenden, an der Spitze dessen würdiger Kollege Herr Dr. Stein , Prediger der Meisclsynagoge, vor der Wohnung des Herrn Dr. Hübsch versammelt, um demselben das Ehrengclcitc zu geben. Möge dieser edle Mann in seinem jetzigen Bcftimmttugsortc eine ebenso freundliche Aufnahme finden, in dem Maße, als ihm hierorts ein allgemeines herzliches Lebewohl zu Thcil wurde. "ברוך אתה בצאהך ברוך אתה בבואך." W. Wr. Schulwesen. Ht. Pest, 19, August. Ein aus den Herren Obcrstndicndirektor Dr. Lutter, Stadtschnlendircktor Dr. Krieglcr und Präparandieprofessor Bäräriy bestehendes Komitö hatte neulich die Aufgabe, die Lehrer unserer Mustcrhanptschule bezüglich ihrer Vortragöfähigkcit in ungarischer Sprache zu prüfen, wobei, wie,wir dies voransgesehen, die Befähigung nicht eines, einzigen der Herren Lehrer für genügend erkannt wurde. Nachdem nun die Mufterhauptschule lediglich ans Beistencrung nnga risch er Gemeinden gegründet worden; da ferner die Kenntnis; der ungarischen Sprache eine unumgängliche Bedingung znr weiteren Fortbildung der Schüler in den Gymnasial- und Realschulen ist, und es sich nun herauögestcllt hat, daß-die bisherigen Lehrkräfte durchaus nicht derart, beschaffen sind, um solcher .Ansgäbe zu genügen: so glauben wir mit Bcstiimiitheit voranssetzen zu dürfen, daß der k. Statkhaltereirath ehestens darauf, bedacht sein wird, den Schulunterricht ungarischen Lehrern anznvertraucn und so einem dringenden Bedürfnisse Rechnung zu tragen. Wir setzen desto mehr Vertrauen in die Entscheidung der hohen Stelle, als sie bisher diese Schritte ganz auf eigene Verantwortung gethän, so daß weder Gemeindcvorftand noch Schulsektion von. der vorzunehmenden Prüfung unterrichtet waren. B, Fnnfkirchen, im Angnst. Die hiesige Gemeinde ist dem Lehrervercine als gründendes Mitglied beigetreten. Die Szigeter Gemeinde versah einen ihrer Lehrer, mit den Spesen einer Badekur. B. HoldrMezv-Nüslivhely, im Angnst. Es ist in der Thar unbegreiflich! So lauge die Knaben die Volksschule besnchen, .sind die Väter kann; zufrieden zn stellen. Insbesondere pflegen sich dieselben in Klagen über die Mangelhaftigkeit des hebräischen Unterrichtes zu erschöpfen. Dieselben Väter sind aber ,licht zu erkennen, sobald ihre Söhne das Gymnasiiim besuchen. Da bekümmern sie sich um die Fortsetzung des ReligionSniiterrichtes gar nicht mehr! In unserer Gemeinde liegt dieser Unterricht sehr im Argen, oder er ist eigentlich gar nicht vorhanden. Den» was in dieser Rücksicht geleistet wird, verdient wol kattin den Namen des Nnterrichtes. Da die hiesige Gemeinde Gottlob an gebildeten und einsichtsvolien Mitgliedern .keinen Mangel hat, so steht wol nnt Zuversicht zu erwarten, daß diesem Uebelstande schon in nächster Zttkunft abgeholfen werden wird. An Lehrkräften fehlt cs uns nicht. I?. Ketskembt, 14. August. Da die Lebensmittel auch bei Nils theurer sind׳, als in anderen Jahren, und die Lehrer also jedenfalls mit