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Ben Chananja · 1866-08-08 · 32 (8.8.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
32 (8.8.1866)
Date
1866-08-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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581 582 13. Ugo csaer Komi tat: Mardechai Levi Horowitz, Rabb. in Halmt. 14. Ungher Komi tat: Jak. Ezech. Grünwald, Rabb. in Szerednye; Abr. Jakob Reinitz, Bezirksrabbiner in Kapos. 15. Zempliner Komitat: Abr. Jsak, Rabb. in Tokay; Jesajas Baiern, Bezirksrabbiner in Säros-Patak; Ezechiel Meschulam Teller, Beztrkörabbiner in Mäd; Jakob Tennenbaum, Rabb. in Tälya; Zebi Hirsch, Rabb. in Lißka. 16. Aus Siebenbürgen: Mos. Mayer Panet, Rabb. in Decs; Abraham Jßachar Leichtag, Rabb. in Hunyad; Hillel Pollak, Rabb. in Szäßregen. 17. Aus Galizien: Chajjim Halberstamm, Rabb.in Sandec; Jsak, Rabb. in Sedzißow. 18. Endlich die Rabbinen Pink. Weinberger in Negre St געגרעשט (?)«. Mardechai Inda in Entradam עבתדאד־אם (?) HI. Betrachtungen. Im Ganzen also trägt der Nagy-Mihälyer Peßak — derselbe wurde am 28. November 1865 ausgegeben — sieb enzig Unterschriften. Als im Jahre 1864 gegen die Errichtung eines Rabbinerseminars in Ungarn petitionirt wurde, ward das betreffende Gesuch — mitgetheilt im ״Ben CHananja" 1864 Nr. 45 — von nahe an hundert Rabbinen unterfertigt. Schon dieser, mehr äußere, flüchtige Vergleich verdient wol registrirt zu werden. .Eine gründlichere Vergleichung der an den zwei Dokumenten prangenden Unterschriften läßt aber noch andere, nicht uninteres-- sante Thatsachen iu die Augen springen. Ich will sie der Reihe nach vorführen. 1. Während die Rabbinen, die anno 1864 gegen das Seminar petitionirten, aus einunddreißig verschiedenen Komitaten waren, sind in dem Peßak von den 55 Komitaten des Vaterlandes nur achtzehn Komitate vertreten. ... 2. Während am Peßak von denjenigen Komitaten, die in der 1864er Petition nicht figurirten, nur drei vorkommen (Gömör und Kövär mit je einer, Kraßna mit zwei Unterschriften), sind von den Petitionskomitalen nicht we- Niger als siebzehn Komitate am Peßak nicht vertreten. Diese Komitate sind: Gran, Jazygien, Komorn, Kumanieu, Mittel-Szolnok, Neograd, Neutra, Oedenburg Pest, Preßburg, Tolna, Torna, Treutschin, Veßprim, Weißenburg, Wieselburg, Zips. 3. Das eben vorgeführte Faktum gewinnt noch mehr an Interesse, wenn man erwägt, daß die aufgezählten Komitate zur Seminardeputation meist sehr zahlreiche Unterschriften lieferten. Ich nenne beispielsweise nur das Preßburger Komitat, das — wie aus Nr. 2 ersichtlich — am Peßak gleichfalls nicht vorkommt, obschon gerade dieses Komitat zur 1864er Petition das größte Kontingent lieferte. 4. Was endlich die Personen betrifft, so sind es kaum dreißig Rabbinen, die beide Schriftstücke fertigten. Ueber sechzig Antiseminaristeu haben den Peßak nicht unterzeichnet, und über vierzig Peßakisten haben gegen das Seminar nicht petitionirt. 5. Während bei der Petition gegen das Seminar weder die Führer der Alt-, noch die der Neuorthodorie fehlten, sind letztere am Peßak gar nicht repräsentirt und von ersteren fehlen gerade die hervorragenderen. Die Rabbinen zu Preßburg, Ujhely, Szerdahely, Großwardein und viele andere Koriphäen der Orthodoxie stützen den Nagy-Mihälyer Peßak nicht. All diese Thatsachen ließen sich trefflich kommentiren. DaS Eine aber wird der Leser auch ohne Kommentar herausfinden: Nicht nur Orthodorie, Romantik und ChaßidäiSmuS befehden sich; die verschiedene Konstellation vom Jahre 1864 und vom Jahre 1865 liefert ganz unwiderlegbar den Beweis, daß selbst im Kreise der Orthodorie ein — wie eö scheint, unheilbares, aber der Sache des Fortschrittes förderlicheS — Zerwürfniß vorhanden ist. Ein österreichischer Me als Täufling in Zkönigsberg. Eine Episode aus der Geschichte der Juden in Königsberg in Pr. Don Dr. H. Iotovtcz, Rabbiner. Romanschreiber und Anekdotensammler erzählen häufig zur Kurzweil des lesenden Publikums lustige Geschichten von verlangten oder empfangenen Doppeltaufen vagabundirender Juden. Was die dichterische Phantasie oft so plausibel und zusammenhängend schildert, das trug sich in Wahrheit in Königsberg im Jahre 1725 zu, wie dies ein Urknndenhefl der hiesigen alten städtischen Registratur bezeugt, welches die Aufschrift führt: ״Acta des Juden Moses Levi wegen Changirung der christlichen Religion betreffend, Nr. 8." Die Lage und Stellung der Juden im preußischen State war bekanntlich unter der damaligen Regierung Friedrich Wilhelms I. keine beneidenswerthe, denn die Verordnung dieses Königs, welche den Juden Berlins die Verpflichtung auflegte, alle in den um Weihnachten angestettten Saujagden erlegten wilden Schweine an sich zu kaufen״ oder wenigstens nach einer festgesetzten Tare zu bezahlen, war natürlich nicht dazu angethau, die noch im Schwünge gewesenen gehässigen und entwürdigenden Anschauungen gegen Juden zu mildern oder gar zu verscheuchen. Darum war es auch möglich, daß am 26. November 1725 der Jude Hirsch zur Richtstätte vor Berlin in Begleitung zweier Rabbiner geführt werden konnte, ihm ״die Zunge aus dem Halse geschnitten, dreimal auf's Maul geschlagen, er daraufgehenkt und ihm die Zunge auf die linke Schulder geheftet wurde." Und diese grausame Erekution geschah, weil der Jude eine falsche Anklage gegen einen königlichen Bedienten angebracht und bei der dafür erlittenen Strafe des Staubbesens Flüche und Gotteslästerungen ausgestoßen hat, (König, Annalen der Juden in den preußischen Staten S. 64 ff.) Daß nach solchen Vorgängen in der ersten Residenz des States das Pfahlbürgerthum in den andern Städten und in Königsberg die besonders bevorrechtete Kaufmannszunft und Malzbräuerzunft ihre Uebermacht die wenigen in ihrer Mitte unter dem Schutze der Behörden wohnenden Juden gerne fühlen ließen durch Beschränkung d'es Handels-, Gewerbe- und Handwerksbetriebes, bedarf nur der leisen Andeutung; der beglaubigten thatsächlichen Belege gibt es hundert für einen. Zu Danzig hatte im Jahre 1723 die dritte Ordnung oder der Rath der Neununddreißiger, welcher zur Zeit die Vertretung der Bürgerschaft gegenüber Bürgermeister und Rath bildete, das ״Gott und Menschen gefällige Werk" geübt, mit Hilfe des anfgehetzten Pöbels die in der Stadt wohnenden neunzehn jüdischen Familien über das Gebiet des FreistateS hinauszutreiben, und erreichte dadurch, daß die Jahrbücher der Stadt für die. nächsten 25 Jahre von Beschwerden über die handeltreibenden Juden schwiegen, aber in desto größere Klagen über die Niederlage des Handels auöbrachen. Und gerade aus dieser patrizischen Freistadt kam im November 1725 der Jude Moses Levi nach Königsberg und begab sich eilenden Fußes zum Magister Lilienthal, dem Diakonuö der Altstadt, um ihm sein Verlangen, ein Bekenner des christlichen Glaubens zu werden, kund zu thnn. Der ehrwürdige Geistliche ging bereitwillig auf den Wunsch des nach der Taufe verlangenden Juden ein, nahm ihn in Unterricht und verwandte sich für ihn beim Magistrate wegen eines zeitweiligen geeigneten LebensunterhalteS. Die ״ehrenfesten und weisen Bürgermeister und Räthe" richteten in Folge dessen am 13. November folgende Bittschrift an die kön. Kriegs- und Domänenkammer (Regierung). 32 *

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