Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 29 (18.7.1866)
- Date
- 1866-07-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 2» tontet Jahrgang. Szegedin, tien 18. Jttfi!866. Arscheint jeden Mittwoch 1—2 Bogen stark. krLümnsrktlonsxrols: Ganzjährig 8 fl.,—5 TSlr. 10 8gr., balbj. 4st. — 2 Thlr. 20 Sgr., viertelj. 2fl. öst. W. «t HlMMjil. Wochenbkatt für jüdijche Theologie Herausgeber und Redakteur: Man abonnirt im Znnland'- bei allen Postämtern; im Ans- '! Oberrabbiner zu Szegedin. lande bei Herrn Franz Wagner v ' n Leipzig; in Wien bei Herrn Mit besonderen homiletischen, didaktischen und wissenschaftlich Herz seid L Lauer lPraterstr.) talMUdischtN SeilagtN Inserate, welche in das Fach des Blat« tes einschlagen, werden an, genommen. Die 4spaltige Petitzeile wird bet mehrmaliger Insertion mit 6 kr.,. bei einmaliger mit 8 kr. betechNet. Stempelgebühr besonders 30 kr. Inserate übernehmen im Anslande Franz Wagner in Leipzig; in Wien Herzjeld LSaners Buchhandlung. Inhalt. ' Der Selbstmord nach rabbinischen Grundsätzen II. — Ein Wort über jüdische Kanzeleregese. Don Rabbiner Dr. Simon Nascher. (Schluß.) — Auch ein Wort über d e Pesnchoth und Seiumoth sowol, als auch über die neuere Kapiteleinlheiluug der h. Schrift. Don Prof. M. Stöffel. — Korrespondenz. Emanzipation und bürgerliche Veryaltniffe. Szegedin. Wien. Pest. Csaba. Stanislaus. Temesvar. Kultus und Lnltnsgemeinde. Pest. Pest. Rio de Janeiro. New-Uork. Prag. Schulwesen. London. Pest. Abony. S. N. Ujhely. Pest. Literatur. Heidelberg. — Iktekrologie. Wien. Wien- Wien. — Literarische Anzeigen. Predigten von Dr Adolf Jeflinek. Besprochen von Dr. G. H. Sonnesch«». — ראשית הלמוד — •מנחת וברק• von I. Kahn, Obcrrabbiner in Trier. — Abfertigung. Der 8eWmord nach rabbinischen Handsätzen.*) 11. Äede des Flavius Äosefus über den Selbstmord. Jotapat, eine Festung im nördlichen Galiläa, halte sich heldenmüthig gegen die Römer vertheidigt, bis sie eudlich durch Verrath fiel. Die Zahl der bei der Verteidigung und nach der Eroberung Gefallenen belief sich auf 40.000; vie der Gefangenen auf 1200. Dem Festungskommanvanten Josefus, der zugleich Gouverneur von Galiläa war, gelang es, sich in eine jener Höhlen zu retten, welche in den verschiedenen Epochen der jüdischen Geschichte den Verfolgten ein Asyl gewährten. Hier fand er vierzig angesehene Männer, und diese wollten eS nicht zulasten, daß er sich den Römern ergebe , die von einem Weibe seinen Aufenthaltsort erfahren hatten. JosefuS bemühte sich, sie von dem Gedanken an Selbstmord abzubringen. Als er später in Rom die Geschichte des jüdischen Krieges schrieb, benützte er nach der Weise der alten Geschichtschreiber diese Gelegenheit, um sich folgende, angeblich in der Höhle gehaltene Rede in den Mund zu legen :,**) ״Warum eilen wir so sehr, unser eigenes Blut zu vergießen, lieben Freunde? Warum wollen wir Vas innigste Band gewaltsam zetreißen, das Band zwischen Leib und Seele? Ich sei anders geworden, sagt ihr? Ja, das wissen auch die Römer. ES ist edel im Kriege zu sterben, aber nur nach Kriegsgebrauch, von der Hand des Siegers. Suchte ich dem Schwert der Römer zu entgehen, so verdiente ich in der That durch mein eigenes Schwert, durch meinen Arm zu fallen. Beseelt aber jene der Wunsch, ihre Feinde zu schonen, um wie viel mehr muß uns die Rettung unserer selbst am Herzen liegen. ES wäre widersinnig, wenn wir uns das selbst anthun wollten, wegen dessen wir mit Jenen im Kämpfe liegen. Herrlich ist es für die Freiheit zu sterben, sage auch ich, aber nur im Streite und durch die Arme derer, die sie uns rauben. Nun aber kommen sie uns nicht ') S. oben Nr. 25. 462-464. **) Bom jüdischen Kriege III. 8, fl; zum Kampfe entgegen und tödten uns nicht. Ein Feigling ist, wer nicht sterben will, wenn er soll, aber auch wer es will, wenn er nicht soll. Was fürchten wir denn, daß wir nicht zu den Römern hinaufgehen? den Tod — nicht so? Was wir fürchten, weil es unS vielleicht bei den Feinden droht, das sollten wir uns selbst zufügen? Nein, die Knechtschaft fürchten wir! mögt ihr sagen. Ja, jetzt sind wir wol recht frei! Oder ist eure Meinung: ein edler Mann tobtet sich selbst? Keineswegs, sondern nur. ein Feiger thut das; wie ich einen Steuermann für einen Elenden halte, der aus Furcht vor dem Sturme, noch ehe er ausbricht, sein Schiff freiwillig versenkt. Ist doch der Selbstmord überall in der ganzen Natur, Allem, was lebet, fremd und ein Frevel gegen Gott, unfern Schöpfer. Es gibt kein Thier, welches absichtlich sich selbst tödtet. Denn das Naturgesetz, der Lebenstrieb, waltet mächtig in allen. Darum halten wir für einen Feind, wer uns offen daS Leben zu nehmen sucht und wer es heimlch anficht, den strafen wir. Und Gott würde nicht zürnen, meinet ihr>-wenn der Menfch-übermüthig sein Geschenk wegwirft? Von ihm habdn wir unser Dasein, ihm wollen wir auch die Vernichtung desselben überlassen. Unsere Leiber zwar sind sterblich und aus vergänglichem Stoffe gebildet, aber ein Theil der Gottheit , eine unsterbliche Seele, wohnt in dem sterblichen Körper. Wenn Jemand, was ein Mensch ihm anvertraut hat, verdirbt oder schlecht verwaltet, so gilt er für einen treulosen und schlechten Menschen. Wenn aber ein Mensch daö Pfand des Himmels aus dem Leibe gewaltsam entfernt, der sollte dem rächenden Arme Gottes entgehen? Flüchtige Sklaven zu bestrafen/ hält man für recht, auch wenn sie schlimme ׳.Herren verlassen haben. Und wir dächten nicht einen Frevel zu begehen, wenn wir dem besten Heren, Gott entlaufen.!? ,Ihr wisset doch, daß wer nach der Ordnung der Natur dM'Leben verläßt, und die von Gott geliehene Schuld heMzahlt, wann der Darleiher sie forden, ewigen Ruhm, ein bleibendes Hans und Geschlecht haben wird, daß seine Seele wegen ihres Gehorsams den heiligsten Ort im Himmel erlangt, von wo aus sie wieder nach dem Ablauf der Zeiten in einen andern Leib wandern soll. Die Seelen derer hingegen, deren Hände gegen sie selbst gewüthet haben, nimmt die finstere Unterwelt auf, und Gott, ihr Vater, wird an ihren Nachkommen den Frevel gegen Leib nnd Seele heimsuchen. Darum haßt Gott den Selbstmord und der weiseste Gesetzgeber straft ihn. ES ist ja Gesetz bei uns, die Leichname der Selbstmörder bis zu Sonnen- Untergang unbeerdigt hinzuwerfen, während wir selbst die Feinde bestatten müssen; die Gesetze anderer Völker verlangen sogar, daß diesem Leichnam die rechte Hand, mit welcher sie gegen sich selbst gewüthet, abgehauen werde; die Hand soll vom Leibe getrennt werden, weil sie die Seele vom Leibe getrennt hat. Es ist also gut, lieben Freunde, wenn wir auf das, was recht ist, denken, und nicht daö Maß des Unglücks, das unS durch Menschenhand betroffen, durch Frevel gegen Gott erschweren. Können wir daS Leben retten, so laßt eS uns retten. Ohne Schmach können wir daö Leben