Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 27 (3.7.1866)
- Date
- 1866-07-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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511 512 hingestreckt und erblaßt zu Boden. Donnerstag den 28. wurdi er ehrenvoll z» Grabe getragen. Schade, daß Herr Dr. Duschak a״S Goya seine ergreifende Leichenrede durchaus nicht in der Synagoge halten wollte, welche der Hingeschiedene erbaute. Was nun aus unserer Ge- . meinde werden wird, weiß Gott. Das Radbinat ist noch nicht besetzt. Herr Prediger Herzl hatte die Sympathien des Verblichenen , nun ist sein einflußreicher Gönner nicht mehr. Noch mag erwähnt werden, daß »er Verstorbene 200 fl. für die Verwundeten spendete. Einige offene Zeilen an den Autor der EMlyutcai levelek. Mein Herr! Von der Ansicht ausgehend, dass es besser sei, nichts zu wollen, als Gutes wollend, etwas ganz Anderes zu erzielen, habe ich' meine Bemerkungen Uber ihre Briefe aus der Königsgasse dem ״Ben Chananja“ übergeben. Ich muss gestehen, dass ich den möglichen Nutzen, den diese Briefe Ihrer geschätzten Ansicht nach geschaffen, stets für geringer angeschlagen habe, als jeneö handgreiflichen Schaden, der uns durch die Karrikatur unser selbst nothwendigerweise erwachsen muss. Ich war der unmassgeblichen Meinung, dass wir des ungarisch-jüdischen Jargons, des genügsam verpönten Mauscheins, uns viel zu sehr zu schämen hätten, als dass wir denselben noch aus freien Stücken dem Publikum zur Kurzweg aufdringen sollten. Bei dieser Ansicht konnte ich natürlich auch Kneipeles und Zwickauerri nicht sehr hold sein, obwol diesen Persönlichkeiten desshalb leichter eine Lebensberechtigung zugesprochen werden darf, weil deren Typen faktisch existiren, und mitten um ter uns mit Haut und Bein wandeln. Itzig Spitzig aber existirt nicht und musste erst geschaffen werden. Es ist doch ein, gewiss auch Ihnen, mein Herr, genügend bekanntes Faktum, dass der ungarische Landesjude, selbst wenn er im Deutschen durch den Accent momentan seine Abstammung verräth, in der Aussprache des Ungarischen doch fehlerfrei ist, und so durch den Jargon fast nie sein Nationale zu erkennen gibt. Fügt man sich nun, wenn auch freilich ungerne, den bestehenden Uebeln und duldet die Figuren des ״Figaro״ und ״Kladderadatschs“; so finde ich es desto weniger gerechtfertigt, ein nicht bestehendes zu schaffen, um uns solchergestalt ärger zu geben, als wir eigentlich sind. Die Bei igi 0nsgenossenschaft der Juden hat der besonderen isolirenden Stamm eigenthümlichkeiten, die ein Volk von dem andern unterscheidet, nicht nüthig. Wir haben daher, und mit Recht, stufenweise abzustreifen gesucht, was uns von den Völkern, unter denen wir leben, unterscheidet; wir wollen keinStat im State sein, und fügten uns daher den Sitten und Gebräuchen unserer Nachbarn, tragen deren Kleidung, sprechen die Sprache des Landes, in dem wir wohnen, ja wir verändern sogar unsere spezifisch jüdischen Namen gegen nationaler klingende, um nur nicht von der Menge abzustechen, und ich bin überzeugt, dass, wenn der Autor der Kinilyutcai levelek wirklich Itzig Spitzig wäre, er diesen Namen schon längst akklimatisirt ~ magyarisirthätte. Warum also unsern Ruf ärger machen, als wir faktisch sind; warum das Unnatürliche der ungarischen Mauscheies mit Gewalt heraufbeschwören? . Möglich, dass ich mich irre, und dass es ein Grad zu grossor Sensivität ist, wenn ich beim Hören eines zu harten ״eh" oder ״kh“ etwas wie Scham!öthe im Gesichte fühle. Mögen Sie mir dann, mein Herr, es zu Gute halten, wenn ich Ihrer wohlmeinen־ den Absicht mit zu strenger Kritik entgegengetreten. Erlauben Sie mir jedoch die Bemerkung, dass ich nie auch nur im Entferntesten daran gedacht, an der Lauterkeit Ihres Zwekes zu zweifein. Für dieselbe bürgen uns ja vor Allem (wenn wir nämlich, die pseudönime Maske richtig erriethen) die Ehrenhaftigkeit Ihres Charakters und die löbliche Tendenz, die alle bisherigen Briefe durchwehte. Was ich perhorreszirte, war nur das Mittel, dessen Sie sich bedienten. Doch überlassen wir ja den Händen des geschickten Arztes vertrauensvoll das stärkste Gift und so wollen wir denn auch Spitzig Itzig in Gottes Namen walten lassen, hoffend, dass sein oft bethätigter Patriotismus und die leidenschaftliehe Beschäftigung mit der ungarischen Sprache ihn derselben auch bald besser mächtig werde sein lassen, und so der Stein des- Anstosses von selbst behoben sein wird. Ich bin übrigens der festen• Ueberzeugung, dass die gewandte Feder des geistreichen Autorsdas Gefährliche dieser Manier zu paralysiren wissen, und die zweischneidige Waffe handhaben wird, ohne den zu Vertheidigenden damit zu verletzen. In diesem Sinne ist auch unleugbar der in der heutigen Nummer des ״Bolond Miska“ erschienene Brief gehalten, der nicht anders als wohlthuend auf uns rückwirken kann und wofür ich Ihnen, grollender Kollege, dankbar die Hand drücke. Pest, 1. Juli 1866. Hf. Bemerkungen. Aus Mangel an »Kaum mußten mehrere Korrespondenzen, auch׳ die von Baden, Eperies, Füred.', Krakau, für die nächste Nummer zurückgelegt werben. Berichtigungen. In Nr. 25 Beil. 2 statt Cheroniden lies Chroniden; statt: PhädroS (2 mal) lies PhädruS; statt als so lies also; 2 Merkmale als Krebse lies 2 Merkmale vom Krebse; statt סרט rothsein röehen lies סרט ähnlich שךך rothsein, röchen. Ei» Manuskript der Jbn Tabou'schen Uebersetzung des- Maimonidischen Morel) MS dem Jahre 1396 und ein Handschriftlicher Pentateuch sammt den fünf Megilloth aus dem: Jahre 1427 werden zum Kaufe angeboten. Näheres ist bei der Redaktion dieses Blattes zu erfahren. Im Kommissions-Verlage von Änstus Wallis in Thorir: ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Das Targmn M Lhranik mit Varianten und Anmerkungen- Nebst einem Anhänge: Ein lateinischer Kommentar zur Chronik aus dem IX. Jahrhundert. ' K r i t i s ch v e r g l i ch e n v o n Dr. A-toralb. am ]Elalmier. Thorn, 1866. Groß-Oktav'— Preis: 1 Gulden ö. SD. 20 Sgr». preuß. (9—b) Leipzig, Lommisflons-Veriag von irnt» wagurr. Tzegedin, Selbüvrrlag der tte&aitUou. Druck vou Sigmund Burger in Szegedin.