Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 21 (23.5.1866)
- Date
- 1866-05-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543196--4812-2548844- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
403 404 niug: Leop. Pick , Reallehrer. Adolf Löwy, Hauptschullehrer. Olsuitz: Moriz Buchwald, Oberlehrer. Ignaz Neumann, öffentlieber Lehrer. Särvär: Moriz Wessely, öffentlicher Lehrer. Ad. Fisbher, öffentlicher Lehrer. Ignaz Granitz , öffentlicher Lehrer. Jäuoshaza: Georg Deutsch, Hauptschullehrer. Adolf L. Götzl, Lehrer. Kis-Zell: Simon Kraus, Ilauptschul- und Sprachenlehrer. Simonyi: Gabriel Waltersdorfer, Lehrer. Nachwort des Nedakteurs. Dem Wunsche der unterzeichueten Biedermänner entsprechend übergebe ich die mich sehr ehrende Adresse der Oeffentlichkeit, und statte denselben für ihre Theilnahme für mich und meine Bestrebungen meinen ergebenen Dank ab. Es wirkt übrigens auch an den in den beiden Adressen (s. Nr. 9) nicht vertretenen Schulen eine ansehnliche Schaar von Schulmännern, die mit dem B. CH. lebhaft und aufrichtig sympathisiren, und nur durch mehr oder minder erhebliche Rücksichten abgehalteu werden, Ihrer Gesinnung Wort und Ausdruck zu geben. Käme es auf einen statistischen Nachweis an, so wäre es mir ein Leichtes mit Ziffern darzuthuu, daß die bei weitem überwiegende Mehrzahl der jüd. Lehrer in Ungarn auf Ben Chananja's Seite steht. Ms Jaflienlbfjn's Rottrag über Disches Sdjttfoefen, gemäßen in Chicago in Amerika. Für den Unterricht in jüdischer Religion und jüdischer Geschichte, für den in jeder Klasse zwei Wochenstunden festzusetzen wären, ließen sich für die sechs Jahresklassen folgende Klassenziele und folgender 'Stufengang bestimmen. 1. Klasse. Geschichten ans der biblischen Geschichte bis zum Tobe Mosis. Sittengesetze, Lehren der jüdischen Religion über Gott und Menschen in katechetisch-eutwickelnder Methode. 2. Klasse. Geschichten aus der biblischen Geschichte bis zum Bau des zweiten Tempels. Erweiterter Neligionsunterricht; Sabbath und Feste. 3. Klasse. Pragmatische biblische Geschichte. Geographie Palästiua's. Lesen historischer Abschnitte aus der Bibel. Systematischer Religionsunterricht nach einem guten Lehrbuch. 4. Klasse. Nachbiblische Geschichte der Juden bis ans die Gegenwart. Lesen von poetischen und prophetischen Abschnitten aus der Bibel. Geschichte des jüdischen Cnltus. 5. Classe. Einleitung in die heiligen Schriften. Umrisse der jüdischen Neligionsgeschichte. Jüdisches Kalenderwesen und die Kunst seiner Berechnung. 6. Klaffe. Jüdische Glaubens- und Sittenlehre in systematischem Zusammenhänge in ihrer im Menschengeiste ruhenden Begründung, mit steter Hinweisung auf die Thaten und Aussprüche aus jüdischer Vergangenheit, die theilS stützend, theils als überwunden abzuweisend in reichlicher Fülle beizubringen sind. Versuchen wir nun eine kurze stufenmäßige Feststellung des Unterrichts im Hebräischen in unserer, vorläufig bloß noch in der Idee eristirenden jüdischen Hochschule. Aber wir haben dieser Skizzirnng eines Stufenganges noch einige Bemerkungen voranzuschicken. Wie bisher das Hebräische gewöhnlich in den jüdischen Schulen betrieben worden ist, war es ein geistloser Mechanismus, und die Masse selbst sogenannter ״frommer" Eltern war zufrieden gestellt, wenn sie sahen, daß ihre Kinder mit einiger Geläufigkeit das Hebräische mechanisch lesen konnten. Dazu kam noch, daß man allzufrühe mit dem Hebräischen begann, und dadurch das Kind ganz mit Unterrichtsmassen erdrückte oder mindestenS uieverdrückte, ein Verfahren, daö wir oben schon genügend beleuchtet haben. Was war und ist die Folge dieser Unterrichtsweise? Antwort: Daß die Mehrzahl der Schüler den hebräischen Unterricht als eine Marter betrachten, zu dem sie von Vornherein Unlust mitbringen, in dem sie selbst bei den größten Anstrengungen nur ein sehr niedrig gestelltes Ziel erreichen, und zu dem sie, wenn sie die Schule verlassen haben, gewiß nie wieder zurückkehreu. Wir müssen das Unterrichtsziel höher stecken; wir müssen den hebräischen Unterricht formell und materiell fruchtbar zu machen nnS bemühen. Sowie man mit vollem Rechte bedeutenden Werth legt ans die Kenntniß des klassischen AlterthumS und seiner Sprachen, des Lateinischen und Griechischen, so muß mit noch mehr Nachdruck von israelitischer Seite Werth ans das Studium des hebräischen und jüdischen Alterthums, seiner Sprache und Literatur gelegt werden. Es muß dahin gearbeitet werden, daß die unter ״Orthodoxen" und ״Reformern" herrschende Mißachtung deö Hebräischen aufhöre, und daß man allgemein eine größere oder geringere Kenntniß des Hebräischen in der Bildung des Israeliten als nothwendigen oder mindestes als wünschenswerthen und schönen Bestandtheil ausehe. Wir fordern zu diesem Behufe: a) Beginn des hebräischen Unterrichts nicht vor dem zehnten Jahre; b) Fortsetzung des hebräischen Unterrichts bis zum sechzehnten Jahre; 0) Täglich eine Unterrichtsstunde, in jeder Klasse also fünf Stunden in der Wocheä) Unterricht nicht in herkömmlicher mechanischer Weise; sondern nach den Vorschriften neuerer Methodik und Didaktik. Das Streßen nach Weisheit. Bon Dr. Z. H. Hirsckfeid, Rabbiner tu Augsburg. (S ch l u ß.) All das sind Herzenspflichten, weil sie nicht wie andere sich an die äußere That, sondern an Geist und Herz des Menschen wenden, und all das sind nur wenige Beispiele von den vielen Geboten, die das Gotteswort und die Vernunft in gleicher Weise an das menschliche Herz richten. Und Gebote sind es nicht allein, auch Verbote ergehen von der Doppelstimme der göttlichen Lehre und des eigenen sittlichen Gefühls an das menschliche Herz. Verbote — Wie: daß du kein Gelüste nach fremdem Eigenthum in dir hegest; daß du nie dich wegen zugefügter Beleidigungen rächst; daß du keinen Groll gegen deinen Mitbruder im Herzen bewahrest, daß du deine Seele durch unreine Gedanken nicht befleckst, nach ihrer Vollführuug nie begehrest, geschweige denn den Entschluß hiezu in dir aufkommen lasfest, — und wer wollte sie aufzählen die ganze große Reihe von iunern Handlungen deS Gemüthes, die zu unterlassen eben so viele und hochwichtige Herzenspflichten sind! Diese und ähnliche Gebote und Verbpte unserer heiligen Gotteslehre sind zugleich auch Gebote und Verbote׳ unserer Vernunft, unserS sittlichen Gefühls. Gemeinsam richten sie ihr gebieterisches Wort an dein Gemüth, an dem inneres Seelenleben. Und dringt auch kein sterblich Auge dahin, und bleibt auch die Selbstheiligung oder Selbstent- Würdigung, die auf dem tiefsten Grunde deiner Seele sich aufbaut, dem Menschenblick verborgen — Er schaut esl Er, der durch den Mund seines Propheten*) uns zurief: ״Ich bin der Allerhabene, der den Menschensinn durchforschet und Herz und Nieren prüft!" Gott weiß eS und Du weißt es! Ja, du fühlst es, daß Gott es weiß, fühlst es, wie der Gottesblick in dem Lichtäther des Gewissens der die Menschenseele füllet, dir auf den Grund deines Herzens dringt! fühlst eö, wie wahr die heilige Schrift spricht, so sie sagt: ״Ein Licht Gottes ist deS Mensche» sittlich-empfindliche Seele, mit dem er deS Herzens geheimste Räume forschend durchdringt." Drum halte hoch der Mensch die HerzenSpflichten, die mit der geist-erleuchtenden Gotterkenntniß die hö- Here Weisheit bildete, deren Erreichbarkeit der gütige Schöpfer als höchstes Gut dem Menschen hat verliehen und z» deren Heiligthum die göttliche Gnade ihm einen Doppelweg, hat gegönnt: Die geoffenbarte Gotteslehre und des Geisteeigenkräftige Thätigkeit! *) Irr. 17. 10. Druck von Sigmund Burger in Szegedin 1868.