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Ben Chananja · 1866-05-02 · 18 (2.5.1866) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
18 (2.5.1866)
Date
1866-05-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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343 344 nach Scharr Chal. 1, 51. den Namen Talmud, — erhielt, womit früher die Schriftforschnng bezeichnet worden war, begnügten sich die regsameren Geister nicht mehr mit dem einfachen Bortrage derselben; viel» mehr entstand eine neue Disziplin, welche stch zu der Mischna ungefähr jo verhielt, wie Midrasch zu Mikra. So wurde die Mischna Gegenstand vielfacher Erörterungen, welche man הכמה (B. Mez. 33, a) und Talm u d im enger« Sinne oder Gemara (Studium) nannte. Immer gab eS aber noch solche, die beim einfachen Mischna-Studium blieben, dafür aber von den Talmndisten oder Gemaristen als Zeitververber verhöhnt wurden (Sota 22, a). Manche 'dieser Mischnaiten mögen auch ihr Slu» dium ziemlich gedankenlos betrieben haben. Tine Barajtha, welche die verschiedenen Studien nach ihrem Werihe charakteristrt, läßt merkwür» diger Weise den Midrasch gänzlich fallen, und spricht stch folgendermaßen auü: ״DaS Lesen der Schrift, Mikra, ist ein Berdienst und kein Verdienst; die Beschäftigung mit der Mischna ist ein Verdienst. daS belohnt wird; bas höchste Verdienst bietet die Gemara (jer. Sabb. 16. 1. babl. B. Mez. 33, a)." Im Widerspruche mit dieser Charakteristik fügt ste hinzu: ״Und immer eile mehr zur Mischna als zur Gemara", was nach dem Bablt R. Jochanan damit erklärt, daß R. Jehuda I. sich ver» anlaßt sah. das einfache Mischna-Stubium besonders zu empfehlen, weil es der Gemara nachgesetzt wurde. S. 9. sagt Herr Dr. St.: ״DaS Streite» selbst wird im Talmud ironisirt. So heißt es Grub. 13, t). SymmachoS, ein Schüler de« R. Mei'r hätte für jeden Gegenstand, die Unreinheit betreffend, mit 48 Gründen beweisen können, er sei unrein und mit ebenso vielen, er sei rein." Der Herr Vrs. har die angeführte Taltmudstelle so aufgefaßt, als spräche dieselbe von einem und d em se l b en Gegenstände, was jedoch nicht der Fall ist. Der Talmud sagt aber: SymmachoS habe die Befähigung gehabt, die Reinsprechung reiner, sowie die Unreinerklärung unreiner Gegenstände mit 48 Motiven zu begründen*). Nichtsdestoweniger ist es wahr, daß der Talmud sich selbst ironisirt: das von R.JeremiaS ausgestellte NechtSproblem von der Taube, die mit einem Fuße innerhalb und mit einem Fuße außerhalb der 50 Ellen des Taubenschlages steht, ist nichts Anderes, als eine sarkastische Ironie, die ihrem Urheber das consisilium abeuncli znzog (B. Bathra 23, b), welches jedoch später aufgehoben wurde (Das. 165, b). Daß N. ZereunaS ironische Fragen ausgeworfen habe, um 91. Sera zu erheitern, wirb im Talmud ausdrücklich berichtet (Nidda 23, a). Auf die Irrwege des Pilpuls in der tatmudischen Zeit hat übrigens schon Rapoport hingewiesen (K. Chem. 1, 84) und seine späteren mildernden Aeußerungen (M. CH. 3, 52) find wol kaum geerguel, seine früheren Nachweise zu entkräften. Wir beschränken uns auf diese Andeutungen, welche wir den Freunden wissenschaftlich-talmudischer Forschung mit der ergebenen Bitte empfehlen, nnS ihre Berichtigungen und Grgänzuugen nicht voreuthalten zu wollen. Der Studiengang der talmudischen Zeit verdient sorgfältig untersucht zu werden. Was Zunz hierüber zusammengestellt hat, (G. V. 43. Anm. a), ist, wie schon ans dem oben Beigrbrachten zu ersehen ist, nicht befriedigend. Die nnS hierüber zukommenden Aufsätze und Bemerkuugcn werben in den ״Forschungen des wiffenschastlich-talmudischen Vereins" erscheinen. Aber auch die praktische Seite der Frage verdient die reiflichste Erwägung. Die Schwierigkeiten, welche in der talmuuischen Zeit mit dem Leseunterrichte unpunktirtcr Texte verbunden war. schwanden vor den Pünktchen und Strichlei». mit denen die Bibel versehen wurde. Dieses Mittel kann bei der talmudischen, Literatur nicht angewendet werden. Hier muß also die methodische Kunst das Problem lösen helfen. Höhere Lehranstalten für die jüdische Theologie sind in unserer Zeit in Italien, Frankreich, Holland, Rußland und Deutschland ins Leben gerufen worden. Für Süddeutschland wird in diesem Augenblicke die Gründung, einer jüdisch-theologischen Fakultät in Heidelberg vorgeschlagen. Die systematische Vorbereitung für höhere Lehrinstitute wurde aber bisher sehr wenig beachtet. Und doch fällt in Ansehung des talmud. SchriftlhumS gerade diesen Vorbereitungsschulen der schwerere Theil der Arbeit zu! Ob Schüler, die aus der Volksschule sogleich ins Gymnasium übergehen, überhaupt ans eine erfolgreiche Weise in die Hallen des TalmudS eingeführt werden können, ist sehr fraglich, und wird selbst dann fraglich bleiben, wenn der hebräische Unterricht in der Volksschule eine mehr methodische Gestalt gewonnen haben wird. Viel leichter würde die Aufgabe gelöst, wenn in der VorbereituuqSschnle für'S Seminar auch für den Unterricht in den Gegenständen des Untergymnasiums ge,orgt wäre. *) Herr I. Kohn. pbil Doktorand in Prag, hat dies ebenfalls erkannt und sehr ausführlich auseinandergesetzt, wie wir aus seinem uns zugetommenen gut geschriebenen Aussatze ersehen. Die Gründung uud Erhaltung solcher Anstalten ist mit bedeu tenden Auslagen verbunden, die von einzelnen Gemeinden nicht leicht bestritten werden können. Die im Jahre 1852 in Os-n tagende BerathungSkommisfion, deren Referent ich war. fand es daher angemessen, die Gründung und Erhaltung solcher fünf VorbercitungSschulen aus dem ungarisch-jüdischen Schulsonde vorzuschlagen. Die Ausführung dieses Planes schien damals so nahe bevorstehend, daß der Gottselige Schwab den Entwurf einer talmudischen Chrestomathie ausführlich mit mir besprach, und ich habe Grund zu glauben, daß sich manche hierauf be« zügliche Notiz noch unter seinen Papieren finden werde. Der Plan wurde auf bureaukratischem Wege verworfen, ohne baß dagegen remonstrrrt werden konnte. Im Belagerungszustände galt das Wort des Profeteu: ״Darum schweigt in einer solchen Zeit der Kluge,, denn es ist e ine böse Zeit (Am. 5. 131!" Je mehr sich die allgemeinen Verhältnisse klären, desto klarer werden auch den gebildeten Juden in Ungarn die Aufgaben werden, die sie zu lösen haben. Konkurs. (33־» In der Gemeinde Gr.-Kikinda und den angeschloffenen Dtstrikteu uud Bezirken ist der Rabbinerposten, mit dem ein fixer jährlicher Grhalt von 600 fl. verbunden ist, zu besetzen. Bedingniß ist tadelloser religiöser Lebenswandel, umfassende Kenntniß in allen Branchen des talmudischen und rabbinischen Wissens, sowie ein gediegener Kanzelvortrag. Die Herren Reflektanten, die zu einem Probcvortrage zu erscheinen gedenken, müssen sich vorher schriftlich mit Beifügung der nöthigen Belege an den gefertigten Vorstand wenden, der die Reihenfolge bestimmen wird. Spesen werden nur dem Accevtirlen ersetzt. Gr.-Kikinda. im April 1866. ' Der MeMMe Hultus-VorMit. Konkurs. (>-3> In der Synagoge der gefertigten Gemeinde ist mit 1. August l. I. die Stelle eines VorbeterS (חזן) zu besetzen und wird der Konkurs bis Ende Juni l. I. eröffnet. Die Bewerber haben ihre Gesuche sammt Zeugnissen über ihre Befähigung als Vorbeter (הזנים) über Kenntniß der hebräischen Sprache, unbescholtenen religiösen und moralischen Lebenswandel , bisherige Verwendung, Alter und Familienverhältnisse, an den Vorstand dieser Gemeinde einzusendeu uud sich fabbathlichen Probcvorträgen zu unterzlehen. Mir dieser Stelle ist ein JahreSgehalt von 1000 fl., Wohnungöpauschale von 300 fl. uud sonst übliche Funktionssportel verbunden. — Gesangsgehilfen (משוררים) werden dem הזן beigegeben und von der Gememeinde separat honorirt. Reisespeseu werden nur demjenigen vergütet, der die Stelle erlangen wird. Pest, am 1. März 1866. Der Vorstand der Pester isr. Keligionsgemeindt. מפת ארץ ישראל Von Rabbiner Dr. E. J. Blücher. Auf die eindringlichste Vorstellung des Direktors, Herrn L ederer und des OberrabbincrS Herrn Dr. Meisel, hat der löbliche Vorstand zu Pest durch entsprechenden Geldbeitrag die neue und zwar fünfte Auflage meiner hebräischen und deutschen Karte von Palästina, Riesenformat, angebahnt. — PeänumerationSgelber. vier Gulden ö. W.. sind gefälligst einzusenden an den löblichen israelit. Kultusvorstand in Pest. Blücher. Szegedin, I Leipzig, Srtbßvrrlag -er Ledaktlou. ' Lommiflions-Vrrlag von Franz Wagner. Druck von Slgmuud Burger in Szegedin.

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