Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 16 (18.4.1866)
- Date
- 1866-04-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543191--4753-2548780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
311 312 Abravanel folgt letzterer Auffassung und gibt dem Bache sogar eine symbolische Bedeutung. Doch kehren wir zu dem Hrn. Berf. zurück. Derselbe wird sich bei einer zweiten Auflage seines gemeinnützigen Buches wol entschließen, auch dem sachlichen, namentlich archäologischen Momente Rechnung zu tragen, was er in der vorliegenden Auflage nur in äußerst bescheidenem Maße gethan hat. Wenn dieses Buch ein Hilfsbuch für Lehrer sein soll — und dazu ist es wol zunächst bestimmt, — so muß eS sich auf Alles ansdehnen, was dem Lehrer bei Erklärung der Thora zu wissen erforderlich ist. Gerade das reinsprachliche Element könnte kürzer bedacht werden, da Grammatik nnd Wörterbuch jedem Lehrer zngänglich find. Die auf das Thargum bezügliche Distinktion S. 81 ist weder an ihrem Orte, noch überhaupt stichhaltlg. da auch der Posaunenschall des ZubeljahreS an einen gewissen Tag gebunden war. Napoport's Sendschreiben ist besonders wegen der Freiheit bemerkenSwerth, welche der ehrw. Vrf. den Punktatoren gegenüber be« hauptet. 2a, er nimmt sogar keinen Anstand, Ps. 87, 6. eine ganze Zeile einznschiebe», welche er allerdings aus dem 5. Verse holt, und an welcher er eine Modifikation vornimmt. Noch viel gewagter, als diese Konjektur, scheint uns aber die Erklärung der Worte: כל מעיני בך ״Alle Quellen sind in dir!" Was mit folgenden Worten erläutert wird; אל כל מעלות טובות נמצאו המעינים והמקורי־ בך ורק ממך התפשטו בעמים כי שאבי כולם מהם Der ehrw. Rapoport fügt hinzu, daß dies im buchstäblicheu Sinnne genau die Wahrheit enthalte; also מל מעלות טובות!! Die grammatischen Bemerkungen über die mask. Pluralbildung ohne 2 verdienen trotz der Einsprache Ewald's Beachtung. Sehr beachtenswerth scheint uns auch das über Hadadrimmon Gesagte. Wir empfehlen das Buch des Herr» Freund wiederholt allen Bibellehrern, die es mit vielem Nutzen gebrauchen werden. Die Ausflattung läßt nichts zu wünschen übrig. Abhandlung über den ersten Unterricht im Talmud nach den didaktischen Grundsätzen unserer Zeit. Von Dr. A. Stein, Rabbiner und Prediger an der Meiselsynagoge in Prag. IV. 19. Diese dem Berichte der Prager Talmud-Thora-Kommisfion vora,!geschickte Abhandlung zerfällt in zwei Theile, deren erster: ״Inhalt und Form des Talmuds", welcher den größern Theil bildet (1—13) eigentlich nicht unter den Hanptitel subsumirt werden kann. Dieser erste Tbeil allein ist mit einer besonder» Ueberschrifr versehen, so daß das Didaktische als bloßer Anhang der historischen Darstelluug erscheint. In letzterer liegt der Schwerpunkt der ganzen Abhandlung. Der Herr Vrf. zeigt sich durchwegs als einen selbstständigen und gründlichen Forscher, der seinen Gegenstand vollkommen beherrscht und daher auch lichtvoll darzustellen versteht. Der Gang seiner Untersuchung ist folgender: Auf eine allgemeine Betrachtung über den Ursprung des Talmuds folgt die Eintkeiknng der Formen, in welchen die talmndische Halacha dargestellt wird: 1. Zeugnisse über die Aussprüche Anderer; 2. Persönliche Ansichten; 3. Anonyme Aussprüche (3—8). Daran schließt sich eine Belrachtung über die Natur der talmndischen Streitigkeiten und ihre B e- Ziehung zur religiösen Praxis (8—13). Was nun zuvörderst den Ursprung des Talmuds betrifft, so find hierüber in unserer Zeit fast ebenso viele Anschauungen vorhanden, als es selbstständige Forscher auf dem Gebiete des Talmuds gibt. An sich ist dies auch sicherlich nicht zu tadeln; wer die Quellen gewissenhaft erforscht, ist berechtigt, sich ein Urtheil darüber zu bilden. Bedauerlich ist aber die Gewohnheit vieler jüdischer Gelehrten, ihre Meinung als apodiktische Wahrheit yinzustellen, ohne ihren Lesern, auf deren Belehrung sie es abgesehen haben, die Gründe nahe zu legen, weshalb eben diese Meinung vor der Anderer den Vorzug verdiene. So glaubt der geehrte Hr. Vrf., die Pharisäer hätten eine Vorahnung gehabt, daß Zeiten ein- Szegedin, Selbstverlag der Redaktion. treten werden, in denen die ganze Schrift dem Wortlaute nach unau«- sührbar sein würde, wodurch die Religion vom Untergänge bedroht wäre, weshalb sie sich genöthigt sahen, den freien Gedanken, die mündliche Lehre durch das schützende Gewand des festen Wortes zu sichern (S. 3>. Wie hat aber der freie Gedanke oder dir mündliche Lehre vor dieser Operation eristirt? Ein wortloser Gedanke ist eben kein Gedanke, und und eine wortlose Lehre ist kein e Lehre! Wir haben die Frage über den Ursprung der talmndischen Richtung aus Verschwommenheit zu ziehen, und zu zeigen gesucht, daß dieselbe mit der haSmonäischen Restanration genau zusammenhängt (B. Eh. I. 295). Wir glauben noch imwer, daß unsere Anschauung in den Quellen ihre volle Rechtfertigung findet und das Problem des UebergangeS aus der bibl. in die talmudische Zeit auch psychologisch befriedigend löst. Jedenfalls verdient diese in konkreter Form auftretende Lösung eine unbefangene Würdigung und Widerlegung, bevor man zu neueu Hypothesen seine Zuflucht nimmt. Die vorgetragene Eiutheilung der talmudischen Halacha scheint uns nicht so sehr der Form, als der Quelle zu gelten, und dürfte schwerlich ein wesentlicher Unterschied darin liegen, ob ein Schriftgelehrter eine Entscheidung in seinem eigenen oder im Namen eines Andern wittheilt. Paffender dürfte vielleicht die talmudische, namentlich die mischnische Halacha in Ansehung der Form in die re lat arische und nnd legislatorische Halacha eingetheilt werden. (Fortsetzung folgt.) Berichtigung. Ung. Brod , 10. April. Herr Oberrabb. Fasset fühlt sich in einem Erpoiä ״Neuzeit" Nr. 14 auf das unangenehmste berührt, daß gewisse Umstände den Schein der Liebäugelei mit Dr. Hildesheimer ans ihn geladen haben. Gr rüttelt deshalb an der morschen Gittersrage und läßt schließlich dem Dr. Hildesheimer die Wahl, entweder als Ignorant oder empörender Heuchler dazustehen, aut Scylla aut charybdis. Alle Achtung vor der KombinationSgabe und dem logischen Jdeengange des Herrn Oberrabb. Fasset. Wir fühlen uns am allerwenigsten dazu berufen, uuS als Anwalt Dr. Hildesheimers zu genren, möge er selbst sehen, sich aus dieser Alternative zu ziehen, aber dem Herrn F. möchten wir den Rath geben, künftig in seiner Polemik sich auf Thatsachen zu stützen, die gegründeter find, als die ibm gemachte Mittheilung des Herrn Valentin Engländer. Zufälliger Weise sind wir in der Lage, dieselbe zu berichtigen und entnehmen wir den Sachverhalt dem glaubwürdigen Munde eines Sohnes des sei. Rabbi Perls, daß bei der Einweihung der Synagoge zu Eisenstadt die Fraucngallerie mit einem Gitter bereits versehen war. Rabbi Perls, dem dasselbe nicht genügte, verlangte noch Vorhänge, die auch mit der Zeit angeschaffl wurden, und seitdem bestehen- 8. K. 011 & u r s. ll-s> In der Gemeinde Gr.-Kikinda und den angeschloffenen Distrikten »ud Bezirken ist der Rabbinerposten, mit dem ein firer jährlicher Gehalt von 600 fl. verbunden ist, zu besetzen. Bedingniß ist tadelloser religiöser Lebenswandel, umfassende Kenniniß in allen Branchen des talmudischen und rabbinischen Wissens, sowie ein gediegener Kanzelvortrag. Die Herren Reflektanten, die zu einem Probevortrage zu erscheinen gedenken, müssen sich vorher schriftlich mit Beifügung der uöthigen Belege an den gefertigten Vorstand wenden, der die Reihenfolge bestimmen wird. Spesen werden nur dem Aeceptirten ersetzt. Gr.-Kikind a, im April 1866. Der LjsrrreliiiMe Julius-VorDnul. Leipzig, ' Lommisfious-Vrrlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.