Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 34 (23.8.1865)
- Date
- 1865-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 34. Achter Jahrgang. Szegedin, Le« 83. AuM 1863. 11' 3edt0 Mittwoch erschein» eia krLmuuorLtl<m»xrslle Sanzjähriq 7 S..—4 Tbtr. 20 ge.. balbj.S ft. 50 lr..2Tblr. lOSflr., virttelj. 2 ft. oft. W. Einzelne Nummern 15 kr. Mau abonnirt bei alle« Post« Ämtern u. Buchbandlungen de« 3n- und Auslände«. M« chkMMM. wochenklatt für jüdische Theologie. Herausgeber und Redakteur: 1LIE4BI»«!,!# JL.Ä'WV. Oberrabbiner zu Gzegrdia. Insrrate -׳! stab an dir Redaktion in Ezr» -edia. an Heer« LU» N»ilir» in /»Mli *. N. oder an Heren.3g1tj| Jkaiiur <tirin« »okergaffe Ne. 10) in Me» zn senden. Die Apaliige Pelitzrikr wir» mit 10Nkr.7l2Sgr. berechnet. Mer Aeüiilliscenzen m18 dem Fahre!8kl. Das königl. EinberufungSschreiben zur Eröffnung des so heiß ersehnten ungarischen Reichstages soll nach authen׳ tischen Mittheilungen in der nächsten Zukunft erscheinen, und schon seit einigen Wochen nimmt man bezüglich der zu wählenden Abgeordneten allenthalben im Lande die lebhafteste Bewegung wahr. — In Privatkreisen, ja in großen Ver« fammlungeu wird ausschließlich über diese wichtige Angelegenheit berathen. Alle Klaffen der ungarischen Bevölkerung, denen daS Gesetz vom Jahre 1858 daS aktive Wahlrecht einräumt, nehmen daS lebhafteste Interesse an diesen Wahlen; nur wir Israeliten, und nur ausschließlich wir, müssen mit den schii'erzlichsten Einpfindlingen auch bei dieser Angelegenheit muffige Zuschauer abgeben, dürfen unS, wenn auch noch so intelligent, wenn auch noch so warm mitfühlend, an der Wahlbewegung nicht bethriligcn! Wahrlich rin trauriger, ein höchst betrübender Zustand! In solchen Momenten sühlt man erst recht den bitten, Schmerz der Zurücksetzung und der Ausschließung, — und in unserer Zeit um so empfind» licher, weil in früherer Zeit, wo bloS der Adel wählte, wir nicht allein die AitSgeschloffeneii waren, während eS heute der jüdische Gutsbesitzer, der HauSinhaber, der Fabrikant und Großhändler, der Gelehrte und der Beamte, — Manner, die im sozialen Leben eine hervorragende Stellung eiuuehinen, — ruhig mit ausehen muß, daß der untergeordnete Hausmeister hingeht, um sein politisches Stimmrecht anSzuüben — was ihm selbst versagt ist, müssen wir mit schmerzlichen Empfindungen hinüberblicken nach der Residenzstadt. wo die Abgeordneten Kuranda, Winterstein u. a. m. eine geachtete Stellung im NeichSrathe eingeuommen haben. Uiifl ist daS Wahlrecht gesetzlich entzogen. — Wann wird endlich dieser trostlose Zustand auch für unS aufhören? Wann wird die ungarische Gesetzgebung sich ernstlich daran erinnern, wie ungerecht man gegen unS handelt, die wir doch auch mit allen Fasern unseres Lebens im Vaterlande wurzeln und die traurigen Zeiten deS Vorurthcilö und der mittelalterlichen Anschauung doch schon längst überwunden haben sollen? — Man vertröstet nnS von einem Reichstage zum andern, man sieht eS ein, man erkennt eS an, daß nnS Unrecht geschieht, daß wir bei gleichmäßiger Detheiligung an den Pflichten, auch von den Rechten nicht ausgeschlossen werden können. Trotzdem läßt man unS so lange warten! Ja von der etuen Seite fordert man unbedingt die treueste Erfüllung aller patriotischen Pflichten, .die aufopferungsvollste Hingebung zur Förderuug deS Nationalwohles; von der andern Seite sollen wir in Geduld unS alle Zurücksetzung, alle Ausschließung gefallen lassen und warten! — Bei früheren Reichstagen haben eS die ungarischen Juden für rathsam gehalten, eine bevollmächtigte Deputation zu wählen, welche im Namen a!ler Israeliten deS Landes um Verbesserung deS bürgerlichen Zustande-, später um Gleichstellung mit den Nichtadeligen, noch später um vollständige Emanzipation petitionirte. — Jin Jahre 1861 überließ man eS den einzelnen Gemeinden, die in ihrem Kreise gewählten ReichStagS-Abgeordncten zu besuchen, und sie um endliche Lösung unserer Frage zu bitten. — Allenthalben wurden die glänzendsten Versprechungen gemacht; leider trat aber nicht daS Stadium ein, wo eS dem Hause der Abgeordneten möglich gewesen wäre, förmliche Gesetzes» Vorschläge anSzuarbeilen. An Informationen vor dem Reichs» tage fehlte eS natürlich nicht. Auch dem Schreiber dieser Zeilen ward die Ehre zn Theil, die in der Pester Stadt gewählten Abgeordneten zn besuchen und als Sprecher die Geincindedepntation anznsühren; (wenn eS etwa aufsallen sollte, daß nicht Herr Oberrabbiner die Deputation anführte, so diene als Aufschluß, daß man sich natürlich nur der uugarischen Sprache bedienen wollte.) Wir besuchten zuvörderst den gefeierten Denk. Er hörte unS mit gewohnter Ruhe an, und gab zur Antwort: Meine Kinder! Welchen Grundsätzen ich bisher hul» digte — ist allgemein bekannt; ewar überflüssig, mich auf Ihre Angelegenheit aufmerksam zn machen. Ich werde auch in dieser Sache meinen Grundsätzen nicht untreu werden, hoffen Sie daS Beste. Wir gingen dann zum Baron Jos. EötvöS, der, in ganz freundlicher Weise auf seine schon in früher Jugend veröffentlichte Broschüre über die Emanzipation der Inden hinweisend, seine thätigste Mitwirkung zur gewünschten Er» ledigung unserer gerschlen Sache zusagte. Wir besuchten hieraus den jetzt leider nicht mehr am Leben befindlichen Gr. LadiSlauS Tele.ky. So lange ich lebe, wird mir die herzliche Aufnahme unddie edle Sprache dieses ManncS unvergeßlich bleiben. — Wie, sprach er, Sie kommen mich bitten, Ihre gerechte Sache zu unterstsitzeu? Wir Ungarn, wir sind eS, die zu Ihnen kommen müssen, um Verzeihung zu bitten für die große Verzögerung in Ihrer Sache, für daS Unrecht, daß wir an Ihnen begehen. Wi r müssen unS vor Europa schämen, daß wir t» Ihrer Angelegenheit so stehen, wie wir stehe». Nicht Ihre — meine Sache wird eS sein, diese Schmach je eher von unS abzuwälzeo. Wir kamen dann zu dem leider auch gangenen Abgeordneten LadiSlauS Szala