Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 30 (26.7.1865)
- Date
- 1865-07-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 30. Ächter AahrMg. Ardeu Mittwoch erscheint ei» krännwornvonnprol»: Ganzjährig 7 fl.,=4 Tblr. 20 Sgr.. balbj. ZA. 50 kr.. 2Tblr. 40 Sgr.» viertrlj. 2 st. öst. W. Linzclne Nummern 15 kr. Man aboonirt bei allen Post» ämtrrn u. Buchhandlungen dr« Za» nnd Auslandes. Hm HlAMM. Vochenklatt für jüdische Theotogie. Herausgeber und Redakteur: jl■ 7iE«1>ip»«n»ai.n» 2L»4k'wv. Oberrabbiner ,0 Szegedin. ZlakkLMslh^lilurgische Jlefonacn.*) Als die Verbesserungen deS synagogalen Gottesdienstes anfingen, sich Bahn zu brechen, von den Wortführern der alten Rechtgläubigkeit aber als religionswidrig zurückgewiesen wurden, waren die Freunde und Vertreter derselben, welche die angestrebten Reformen nicht als antitalmudisch oder antirabbinisch wollten gelten lassen, genöthiget, dieselben von orthodorem Standpunkte zu vertheidigen, und sie durch Hin, Weisung auf rabbinische Vorschriften und Bestiminnngen als unverfänglich, sa als löblich und gottgefällig darzustcllen. Zn diesem Sinne unternahmen eS Schern-Tob in Li» vorno, Jakob Nekanati in Verona, Aaron Chorin in Arad und MoseS Kunitzer in Ofen im Jahre 1813, den Hamburger Tempel mit seiner theilweisen dem, schen Liturgie und seiner Orgel zu rechtfertigen. ') In die, sem Sinne schrieben auch Salomon, Frankfurter und Holdheim, als sie mit gelehrten Gutachten gegen daS In, terdikt deS CH ach am BernayS 1841 in die Schranken traten. Salomon behauptet am Schlüsse seiner Apologie, unwiderleglich bewiesen zu haben, ״daß daö fragliche Gebet, buch auf jüdisch-israelitischem Boden wurzle, allen Anforderungen deö mosaisch-rabbinischen JudenthumS entspreche, und weder mit der Lehre der Mischna und deS Talmuds, noch mit der irgend eines unserer rezipirten Gesetzbücher im Widerspruch stehe." a) — Frankfurter ruft auö: ״Dem StabiliSmuö ist daS ganze Judenthum, ohne alle Unterscheidung von Wesen und Form, und in der letzter» ohne alle Prü, fung ihres WertheS, ihres Alters, ihres Ursprunges ein Convolut von ewig fest Stehendem. Dieser Ansicht stehen wir gegenüber, nicht aber der Synagoge, nicht den Rabbi, nern!"') — Hold he im gibt dem Gebetbuche daS Zeug, niß, ״daß eS im Mittelpunkte der Synagoge und der in ihr geltenden Tradition fest stehen geblieben.") Und auch Gei, qcx nimmt keinen Anstand, daS Interdikt deS Hamburger ChachamS ״als durchaus unbegründet, und im schneiden, den Widerspruche mit dem talmudisch und rabbinisch aufge, stellten Gesetze über daS Gebet zu betrachten, und zu ver, werfen.") In demselben Sinne äußerten sich die Rabbiner -und Prediger: Aub, Auerbach, Chorin, Friedläuder, Gutmann, Kohu, Maier, Mannheimer, Philippson, Stein. Die unbefangene Geschichte wird zwar einerseits einräumen, daß die innerhalb der Grenzen der Hamburger Li- ') Dieser mein Aussatz erschien in dem von Herrn M. Koda t, Wien berauSAegebeueo Munnbeimer-Atbum. Red. 5zegei>i», de» 2K. 31׳fi 1863. Inserate (lab an die Redaktion in Gz» gedia. an Herrn Ml fflklt» in /nuisikl t. ff. oder an Hnru.3q1U| Stllim (klein» «nkergaffe Ne. 10) in Mk» zu sende». Die 2sval1ige Petitzrile wirb mit 10Nkr.^:2Sgr. derechuet. turgie sich bewegenden gottesdienstlichen Reformen mit den talmudischen KultuSnormcn wol in Einklang zu bringen seien; sie wird aber andererseits auch nicht unterlassen, hervorzuheben, daß eS verlorene Mühe wäre, den Geist, der in diesen Normen einen getreuen Ausdruck findet, mit dem Geiste zu versöhnen, der jene Reformen inS Leben rief. Die KultuSreform setzt in denjenigen Gemeinden, denen sie sich empfiehlt, einen gewissen Grad allgemein menschlicher Bildüng voraus, und sie stellt sich im Sinne der Erhaltung'.der väterlichen Religion die Aufgabe, der öffentlichen GotteSverehrung nach Inhalt und Form eine Einrichtung zu geben, welche geeignet ist, einen gebildetern Geist und einen geläuiertern Geschmack zu befriedigen. Nun ist eS aber gerade daS jedes Gelingen einer KultuSreform bedingende Moment der Bildung, welchem die Orthodorie jede Berechtigung absprichl, über die Art und Weise, wie ein religiöse- Dedürfniß zu befriedigen sei, ein Votum abzngeben. Hieraus erklärt sich die merkwürdige Erscheinung deS Widerstandes, welchen die Orthodorie von altem Schrot und Rom der Synagogenreform leißet, während den kabbakkstischen Reformen, die in manchen nicht unwesentlichen Stücken mit den neueren liturgischen Verbesserungen kongruiren, selbst von vielen Koriphäen der talmndischen Halacha aller ^mög, liche Vorschub geleistet wurde. Diese- Räthsel findet seine Lösung nur in dem Umstande, daß die beifällig aufgenommenen Reformen die ehrwürdige Kabbala zur Mutter hatten, vor der man in Demuth daS Haupt beugte, den verketzerte, Neuerungen hingegen die neueuropätsche Bildung zur Quelle diente, die man verstopfen wollte, damit der ihr entspriagende Strom den Garten der Orthodorie nicht überfluth e. Nichtsdestoweniger haben auch die kabbalistisch-liturg ischen Reformen gelehrte Kontroversen nnd leidenschaftliche Streitigkeiten hervorgerufen, welchen trotz ihrer unverkeaubaren Analogie mit der Polemik der neuern Zeit jweder ia jüdischen GeschichtSwerken, noch in den einschlägige» Streitschriften die gebührende Aufmerksamkeit beschenkt wurde. Die Streichung der meisten Pijutim nach dem Vorgänge ״älterer Rabbiner in Polen und Italien" als wünschenSwerth erklärend, crwähnt Zunz, ״daß die Chaßibim ia dieser Deziehung bereits einige Aenderungen getroffen haben"?); und die Reformen in Deutschland - von orthodorem Standpunkte tadelnd, erzählt Pleßn er: ״WaS unsere deutschen Verbesserer jetzt erst fühlen, das fühlte längst ein Theil unserer Mitbrüder in Polen. Auch ihnen war der ganze Betrieb de- Gottesdienstes viel zu mechanisch, zu kalt, zu todt and HerzloS, und auch sie suchten, wenn auch ans anderem, denlhume mehr natürlichen Wege Erbauung zu