Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 19 (10.5.1865)
- Date
- 1865-05-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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8L-: TSR Beilage zum ״Wen ChmmnZa" Nr. LS. , Adresse -er Äradcr israelit. Lultusgemeinde an den Herrn Igrmr DeutM bei dessen Rücktritte vom Gemeinde-Präsidium. Euer Wohlgeboren! Hochgeehrter Herr! Nachdem Cie einen Zeitraum von zwölf Jahren der Araber israelit. KultuSgemeinde als Präses vorgestanden sind, und diese sowol, wie auch ihre Kultus-, HumanitätS- und und Dildungo»Anstalten in eben so gewissenhafter alö erfolgreicher Weise geleitet und vertreten haben, haben Sie sich durch Ihre Familienverhältuiffe veranlaßt gefunden, auf diese Ehrensteve zu resigniren. Wir haben bereitin unserer Sitzung vom 5. April l. I., alS Sie uuö diesen Entschluß erössneteu, in unserem Namen sowol, als auch im Namen unserer ganzen Gemeinde unserem tiefen Bedauern über Ihren Rücktritt von der Leitung unserer Gemeinde und ihrer Anstalten Ausdruck verliehen, und obwol durchdrungen von der Ueberzeugung, daß nur Gründe höchst wichtiger Natur Sie hierzu bewegen konnten, versuchten wir eö dennoch, durch eindringliche Vorstcllungen Sie zur Abänderung Ihres Entschlusses zu vermögen, was unS aber leider nicht gelungen ist. Hochgeehrter Herr! Ein Rückblick auf Ihre zwölfjährige ebenso kluge als taktvolle Leitung unserer gemeinsamen Angelegenheiten gewährt unS die erfreuliche Ueberzeugung, daß Sie unser Gemeindewesen über gar manche trübe und schwierige Verhältnisse hinweg, und neuem bessern Gedeihen entgegengesührt, daß Sie manche auS dem Widerstreite per« sönlicher Anschauungen über einzelne Gemcinde-Angelegenheiten entstandene Differenz geschlichtet, die einander entgegenstehenden Ansichten mit weiser Mäßigung versöhnt und so das köstlichste Palladium: Eintracht und Frieden in der Gemeinde erhalten, einträchtiges und friedliches Zusammenwirken Aller zum gemeinsamen Besten, unser theuersteS Erbgut, belebt und gefördert haben. Unter Ihrem Präsidium sind unter dankenöwerther Mil- Wirkung der hierzu berufenen Organe in unserem Kultuswesen mehrere heilsame Einrichtungen inS Leben gerufen worden, die auS den erkannten Bedürfnissen der Gemeinde hervorgegangen, nach den Prinzipien eines wohlbesonnenen Fortschrittes eingeführt, sich in ihrer Wirksamkeit als höchst ersprießlich bewährt haben. Unter Ihrem Präsidium haben wir erst jüngst in der Synagoge zur Verherrlichung unseres Gottesdienstes eine neue Orgel erbaut und mehrere zweckmäßige bauliche Veränderungen vorgenommen. Unter Ihrem Präsidium ist das neue, die Verfassung und Verwaltung unserer Gemeinde regelnde Statut zu Stande gekommen, dessen Sanktionirung wir von der hohen Lande-- stelle im Interesse unserer Gemeinde sehnsuchtsvoll erwarte«.׳ Unter Ihrem Präsidium hat sich unsere Knabenschule bestens entfaltet, und das qllgemeiue Vertrauen, das sie genießt, ist der unwiderleglichke Beweis, daß sie ihrer hohen Aufgabe gerecht zu werden bemüht ist. . Unter Ihrem Präsidium haben wir im Jahre 1855 unsere Mädchenschule gegründet und dadurch eine heilige moralische Verpflichtung, auch unsere weibliche Jugend der Segnungen eines geregelten SchuluuterrichieS theilhastig werden zu lassen, erfüllt. Unter Ihrem Präsidium ist die Verfassung und Verwaltung unserer הברא קדישא, der Brüderschaft für Krankenpflege und Leichenbestattung, im Geiste israelitischer Frömmigkeit den Anforderungen des fortgeschrittenen Zeitgeistes gemäß rcorganisirt, das Spital, das Asyl, welches wir unseren armen kranken Brüdern und Schwestern im Stamme und im Glauben Israels gastlich öffnen, um sie zu warten, zu Pflegen und zu heilen, vergrößert und durch mehrere eine wirksame Krankenpflege ermöglichende Einrichtungen beretchert, der Gottesacker, die letzte Ruhestätte all derjenigen, ( die uns im Leben theuer waren, geregelt und durch ein neues 1ד,די j»-,2-HanS geziert worden. Unter Ihrem Präsidium ist die Armenpflege in unserer 1 Gemeinde geregelt, eine Armenkasse für durchreisende Arme gegründet, die Verfassung und Verwaltung unseres HumauitätS-VereineS, der jederzeit, vorzüglich aber im letzte» tränrigen Jahre deS NothstandeS thatsächliche Beweise seinesegensreichen Wirkenö geliefert hat, rcorganisirt worden und hat sich durch das wohlthätige Zusammenwirken unserer Gemeindcmitglieder und anderer Menschenfreunde zu einem blühenden Institute erhoben, sowie auch der ebenfalls dem Zwecke der Armenpflege gewidmete Frauen-Wohlthätigkeitö- Verein sich jederzeit Ihrer regsten Theilnahme zu erfreuen gehabt hat. 'י Hochgeehrter Herr! Wir können diesen Rückblick auf r Ihre öffentliche Wirtsamkeit in unserer Mitte uicht schließen, יי ohne hierbei auch der materiellen Opfer-zu gedenken, die ° Sie mit seltener Munifizenz unserer Gemeinde, unseren Kul- ' tuS-, WohlthätigkeitS- und BildungS-Anstalten zu jeder Zelt , und bei jeder Gelegenheit gewidmet haben, wodurch Sie s! ebenso, wie durch die Biederkeit und Ehrenhaftigkeit Ihre- Charakters, durch Ihr aufopferungsvolles Wirken für unsere < gemeinsamen Angelegenheiten, durch Ihre maouigfach bethä- ' tigte Theilnahme an dem Aufblühen und Gedeihen unserer ■ Stabt, durch Ihre stets bewährte loyale Anhänglichkeit an Thron und Vaterland der ganzen Gemeinde als leuchtende-, ) Beispiel vorangegangen sind. ׳,׳ Bei Ihrem Rücktritte vom Präsidium ist enuS daher ' nicht nur eine Amtspflicht, sondern ein tiefgefühltes Herzen-- [‘ bedürfniß, Ihnen im Namen unserer ganzen Gemeinde und j, ihrer Anstalten, denen Sie zwölf Jahre hindurch wie el« & liebreicher, sorgsamer HauSvater vorgestandeu sind, für die׳< ׳ umsichtige und gewissenhafte Leitung und Vertretung Ihrer wichtigsten und heiligsten Angelegenheiten und für die den-