Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 17 (26.4.1865)
- Date
- 1865-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 17 Achter 3ahrgang. 5zegedn1, de!» 26. AM 1865. Jeden Mittwoch erscheint »in kiLmunorsvoosproi»: Ganzjährig 7 fl.,—4 Tblr. 20 Sgr.. balbj. 3fl. SO kr.. 2 Tblr. 10 Sgr., vierrelj. 2 fl. öst. W. Einzelne Nummern 15 kr. Man abonniri bei allen Post- Lmtern n. Buchhandlungen de« Zn- und Auslande«. Heil Öffemmp. TOodjenDfalt für jüdische Theologie. Herausgeber und Redakteur: KilßOlPOKiX» X.OW, Lberrabbiner zu Szegedin. Inserate flnd an dl» Redaktion M 8zegedin, an Herrn Oll» D»llle» in Xran&for( 1. As. oder a» Herrn.Ignaz Araanir (klein» Ankergaff» Ne. 10) in Die» zu sende». Die Lspaltige Petilzeile wird mit lO Nkr.—2 Sgr. berechnet. Inhalt. Berliner Kundgebung zu Gunsten der Alliance. — Nekrolog. — Die Zustitution der Berte,ungea bei den Juden de« Alterlhum« Bo» Heinrich Deutsch. - Dir Fabel von dem Konzil der Juden in Nagy.Jda im Jade, 1650. — Aeußekiingeu über die jüdisch.theologischen Gutachten de« Rabbiner« Dr. Hochnädter. Von I. Kahn. — Korrespondenz. Ausland. BreSlau. Rioo Janeiro. Leipzig. Thorn Dordeaur Inland. Wien. Wien. Pest. Au« dem Beregher-Komitat. Waitzen. Makü. Pccseiieukorf. Preßburg. Lemberg. — Literarische Anzeigen. Gedacht^ »ißreden auf Mannheimer. Bom Herausgeber. — Bemerkungen. — Inserat. * JiccRucr taiögcöung zu Hmjleu der ÜCRaucc. Ein Berliner Mitglied der Alliance, Herr Joel Wolf-Meyer, hat an den Vereins-Präsidenten, Herrn Crömieur, nachstehendes Schreiben gerichtet: ״Berlin, 3. März 1865. Herr Präsident! Nachdem ich von dem Berichte der Alliance israelite universelle vom Juli 1864 Kenntniß genommen habe, wünsche ich dem Vereine Glück zu den außerordentlichen Erfolgen, welche derselbe iu so wenigen Jahren erreicht hat, und welche er ohne Zweifel immer mehr erreichen wird. Ich erkenne die großherzigen Bestrebungen deS Vereines an, ich weißderen hohe Wichtigfeit zu würdigen, und ich zolle meine aufrichtige Hochachtung denen, die den Verein leiten. Mögen die beiliegenden Tausend Franks für das Werk Ihrer Schulengründung von einigem Nutzen sein.'" 8 OLLENDORFF. 1 Wir haben dieser Tage einen Verlust erlitten, der iu weiten Kreisen aufrichtig betrauert wird. Der Grammatiker Heinrich Ollendorf ist in seinem 60. Jahre plötzlich mit Tode abgegangcn. Ollendorff war iu Rawitz (Preußen) geboren, und lebte längere Zeit iu England, ehe er iu Paris wohnhaft wurde. Seine Bedeutung als emsiger und intelligenter Vertreter volköthümlicher Sprachkenntniß ist allenthalben anerkannt; seine Hingebung für das Fach, daS er zum Gegenstände seines Wirkungskreises gewählt hatte, war grenzenlos, seine Thäligkeit erstaunlich. Ein kurzer Auszug auö einer Ansprache an seinem Grabe mag seinen Charakter erkeoneu lassen. Seine Leiche wurde Mittwoch, den 5. April, ohne Prunk, doch unter einem zahlreichen Gefolge vorzüglicher Personen aller Stände, Konfessionen und Nationalitäten bestattet. Wir bemerkten Cohn, Präsident deS Konsistorialko׳ miteS; Munk, Professor am College de France; Manuel, Professor am Lycee Bonaparte; Rosenfeld, JnstitutS-Direktor, viele nichtisraelitische Professoren und Beamte am Unterri'chtSministcrium. Der Rabbiner Astruc, ein junger sympa« p thischer Seelsorger, verrichtete am Gottesacker die Zeremonie und hielt eine passende Rede. Der Vönöradle der schottischen Freimaurerloge, welcher Ollendorff angehörte, laS einige gut geschriebene Zeilen, welche das Leben des Verstorbenen und Z sein Wirken in dem Orden hervorhoben, der nur Humanität ל ״nd Fortschritt zum Zwecke hat. Zuletzt sprach Herr Rosen- .׳ seid einige Worte in deutscher Sprache, die Eindruck machten. Wir Deutschen in der Fremde verlernen nichts leichter als I unsere Sprache; doch bei Trauer und bei Freude, im Scherz , wie im Schmerz beivegt unS die Zunge, in der wir stamh mein gelernt haben. Ich zitire einige von den Worten Roj: senseldS, so unvollkommen, wie ich sie auszeichncn konnte: [; ״Im Namen der Deutschen und seiner deutschen Freunde p will ich dem thcuren Dahingeschiedenen ein kurzes, doch tief- Ü gefühltes Lebewohl sagen. Ich bin nicht gefaßt, zu sprechen,» denn die Trauerkunde hat mich tief erschüttert, wie Sie Alle; Z ich wollte einen Freund besuchen, der stets gesund und heiter | war, und ich fand ihn tobt. — OllendorffS Name hat iu Europa und weil über Europa hinaus, einen guten Klang. < Doch hier ist nicht der Ort, sein Verdienst als Grammatiker 5I zu würdigen, seine immense literärische Thäligkeit anzuerkennen. Er hat andere Ansprüche auf die gefühlvollste Theilnähme der Gesellschaft, aus unsere Traner und auf unser»! tiefen Schmerz: Ollendorff war ein redlicher, btederer Charakter im wahrsten, im einfachsten, im ' schönsten Sinne des Wortes. Wir haben an ihm! verloren, was daS Talent nicht gibt, was der Reichthum nicht ersetzt, waS durch Erziehung nicht geschaffen wird: wir . j haben an ihm ein starkes, gutes, biederes Herz 'verloren. | Ollendorff hat etwa im zwölften oder dreizehnten Jahre j| daS väterliche HauS verlassen, um in der Welt sein Unter- | kommen zu suchen. Wer da weiß, waS eS heißt, über Dornen l und Disteln die unabsehbare Strecke einer mühsamen und ל unsichern Laufbahn zu durchrennen, der weiß auch, welchen ל MuthcS und welcher Ausdauer eS bedarf, um an ein Ziel zu gelangen. Ihn haben die Mühen nicht abgeschreckt; keine | schlaue Versuchung hat seine Charakterfestigkeit zu schwächen vermocht: er blieb in England und in Frankreich: dort eia, gentlcman, hier ein honnßte homne. UnS Deutschen war ל er daS Muster eines vollendeten Biedermannes. DaS baden wir an ihm verloren. — WaS die junge, untröstliche Witwe verlor, und die unmündige Tochter und jeder derzivri^