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Ben Chananja · 1865-03-15 · 11 (15.3.1865) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
11 (15.3.1865)
Date
1865-03-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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.Wer üihrgMz. M II Szegedm, den 15. März 1865. Zedeu Mittwoch erscheint ein Pr&numeratioMpreiJ: Ganzjährig 7 fL,~4 Tblr. 20 Sgr.. balbj.Zfi. SV kr.. 2 Tblr. 10 Sgr., viertel,. 2 fi. oft. W. Linzelnr Nummern 15 kr. Man aboonir' bei allen Post, änitern v. Buchhandlungen de« Zn, und AuSlanve». Kn fipntmnp. UTotfjcnßfaU für Milche Theologie. Herausgeber uud Redakteur: Oberrabbiner zu Szegedin. Inserate find an dt« Redaktion!in Lze» g'diu, an Herrn Sil» tftfitft in /rsaiftrl 1. 1t. oder an H«n» rriina (Nein, Ankergaffe Nr. iO) in Hkt ju senden. Die 2spaltigr Petitzeile wir» mit 10Nkr.^:2Tgr. berechnet. Inhalt Munk'« Eröffnungsrede im E-llöge de France. Dom Herausgeber. — Zur Geschichie der Zuten in Oesterreich. Don Dr. Carmoly. — Korrespondenz. Loslaob. New-Dork. Pari«. Jerusalem. Zolaod. Wien. Wien. Wien. Wien. Pest. Pest. Arad. Szegßitrd. Balaffa.Gyarwath. Prag. Lemberg. — Zurze Nctizen au« dem Gebiete der Literatur — Nachträge zn meinem ״Mnemonotechnik de« Talmud«." Don Rabbiner Jak. Brüll. — Nachträge uud Derbe"-rungell zu meinem Artikel in Nr. 6 de» ״Ben Chananja." Don Dr. M. Wiener. — Bemerkung. - Zoserote. 311111111'8 ErölskMgzMlrag am LoKge de Kanee. Gehalten am 1. Februar 1865. Meine Herren! Indem ich Viesen Lehrstuhl besteige, verhehle ich mir die Schwierigkeiten nicht, welche ich zu überwinden haben werbe, um dem Wohlwollen der gelehrten Körperschaften, die mich mit ihrer Wahl geehrt haben, und dem Vertrauen des erleuchteten Ministers, welcher gegenwärtig der Leitung des öffentlichen Unterrichtes vorsteht, zu entsprechen. Allerlei Umstände vereinigen sich, um meine Ausgäbe zu einer schwierigen zu machen. DaS Andenken deS berühmten Orientalisten (Quatremüre'S), welcher nahe an vierzig Jahre diesen Lehrstuhl einnahin, wird lange unter unS leben; die unvergängliche Erinnerung an seine ebenso auSgebreitete, als tiefe Gelehrsamkeit legt mir Pflichten aus, deren Wichtigkeit ich nicht verkenne. Ich weiß auch, welch lebhaftes und aufrichtiges Bedauern die Zurückziehung deS ausgezeichneten Gelehrten (Renan'ö) begleitete, den ich auf diesem Lehrstuhl ersetzen soll, wo seine Erudition, sein Ta, lent, seine Jugend ihm eine so lange und glänzende Zukunft zu verheißen schienen. Ich th-ile dieses Bedauern, und Niemand kann eS mehr beklagen, als ich, daß die gebieterische Nothwendigkeit der Umstände seine Vorlesungen gleich beim Beginne derselben unterbrach. Waö mich betrifft, meine Herren, so kann ich Ihnen nur bieten, was sich in meinem Gedächtnisse alö Ueberbleibsel erhielt; ich hoffe, daß Sie eS mit Wohlwollen ausnehmen werden. Ich werde von nun an Ihre Nachsicht in Anspruch nehmen müssen. Seit ungefähr zwölf Jahren des Augenlichtes beraubt, kann ich weder lesen noch schreiben; in ganzlicher Zurückgezogenheit von der Welt lebend, habe ich auch die Gewohnheit nicht, zu improvisiren. Darum bin ich auch nicht im Stande, nach dem allgemeinen Gebrauche eine eigentliche Eröffnungsrede an Sie zu richten, d. h. über ein abgegrenzteö Thema zusammenhängend zu Ihnen zu sprechen. Nichtsdestoweniger glaube ich, Sie einige Augenblicke, sei eS auch nur in der Sprache einfacher Konversation, über den Gegenstand meiner Vorlesungen und über einige dahin einschlägige Fragen unterhalten zu müssen. Als Gegenstand meiner Vorlesungen kündigt sich die hebräische, chaldäische und syrische Sprache an. Ich habe eS mit einfachen, grammatischen Vorlesungen zu thuu, welche so zu sagen, dem stofflichen Unterrichte der bezüglichen Spra» chen gewidmet sind, und von dem Nutzen absehen, den die Zuhörer für ihre heiligen oder profane» Studien darauziehen wollen. Sollte aber damit gesagt sein, daß ich, inner« halb der Grenzen dieses Programms strenge eingeschlossen, mich aller und jeder Ereg-se enthalten, und mir, um nur Ein Beispiel anzuführen, jede auf vergleichende Grammatik, Geographie, Geschichte und AlterthumSkuude bezügliche Er« läntcrung versagen werde? DieS ist nicht meine Absicht, kann nicht meine Absicht sein. Die Urkunden, deren Erklärung unS obliegen wird, und die theilwcise die ältesten ge« schriebenen Denkmäler deS menschlichen Geschlechtes sind, bieten oft Schwierigkeiten, weche die grammatische Analyse allein nicht zu lösen vermag, und deren Beleuchtung anderSwo ge« sucht werden muß. Andererseits sind diese Urkunden vermöge ihres hohen Alters zuweilen geeignet, auf die Geschichte der alten Völker, welche den biblischen Schauplatz umgaben und von denen sich kein schriftliches Denkmal erhielt, ein klare- Licht zu werfen. In diesen beiden Rücksichten bietet sich also dem Geiste des AuSlegerö eine Menge nützlicher und in« tereffanter Bemerkungen dar. Eine Art von Eregese wird von unseren Vorlesungen absolut ausgeschlossen bleiben: die dogmatische oder theolo» gische Eregese. Die berühmtesten Lehrer der Kirche und Synagoge erkennen übereinstimmend an, daß gewisse Stellen der Schrift, gewisse Reden der Profeten einen doppelten Sinn haben: einen einfachen, rationellen, und einen typischen und dogmatischen Sinn. ES gibt mithin eine doppelte Art von Schriftauslegung: eine, welche auf die Vernunft und auf philologische und historische Studien basirt ist, und eine au»! dere, welche den Glauben und eine alte Tradition zur Grund« läge hat. Diese beiden Arten der SchrifrauSlegung laufen parallel neben einander, ohne sich gegenseitig zu berühren I oder auSzuschließea. So sagt z. B. der Kirchenvater Hiero« nymuS in seinem Kommentare zum Profeten HoseaS bei Gelegenheit der Erklärung der Worte: ״Und von Aegypten Hab.׳ ich meinen Sohn gerufen" (II, 1) ausdrücklich, daß der Evangelist (Matth. 2, 15) eine Absurdität (״stultitiam et imperitiam“) gesagt hätte, wenn er behauptet haben würde, der Profel Härte nur den typischen Sinn im Auge «Habt. ES ist im Gegentheile evident, sagt Hieronymus,,^M.de< Profet von dem großen geschichtlichen Ereignissss.^^«^

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