Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 9 (1.3.1865)
- Date
- 1865-03-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ionSlehrer brr hiesigen israelitischen Gymnasial» und Präparandiejugeud. ernannt. Auch geht unsere Schule unter dem gegenwärtigen für alle» Gute begeisterten!Vorstände einer Neugestaltung entgegen.?. Moor, 18. Februar. Die hirfige jütische Gemeinde hat ihre schönst, Zierde verloren. Herr Josef Rofenthal, ein Bieder» mann in de« Worte« vollster Dedentoug ist gestern mit Tode abgegangen. Sr war rin Enkel de« in weiten Kreisen verehrten Naftbali Rosevthal, der mit Mendelssohn in Briefwechsel stand. Herr Joses Rosenlhal war ein gebildeter Mann, und gleich seinem Baker Solomon und seinem Großvater Nasihali ein Kenner und Freund der hebräischen Literatur. Er erreichte da« 74. Lebensjahr. Sein Andenken wird ein gesegnete« bleiben. Friede seiner Aschei Graz, im Februar. Die hiefigen israelitischen Einwohner haben folgenden Aufruf an alle Menschenfreunde, insbesondere an alle israelitischen KnItuSgemeinden versendet: Die in Graz sich aufhaltendeu und Erwerb suchenden Israeliten haben sich korporativ vereinigt, einen Friedhof zu errichten. — Die Erlangung scheiterte an dem von Marmilian L im Jahre 1496 ertheilten Privilegium, nach welchem Juden nicht ein 24stülldiger Auf« enthalt in der Steiermark gestattet wurde. Nahe au vier Jahrhunderte hat ein Gesetz aufrecht bestanden, Welche« ollen menschlicheu Gefühlen Hohu sprechend, in der LeidenSge« schichte de« Judenlhunis mit einem eisernen Griffel tief und blutend eingegraben ist. — WaS historisch zu Recht bestanden hat, — dieses alle Privilkginm ist gefallen, und mußte dem jetzt anerkannten Menschenrechte unier Aegide unsere« glorreichen erhabenen Monarchen Platz machen. Herr Leopold Ritter, ein alter, streng religiöser, rechtlicher Kaufmann, ergriff zuerst die Initiative, beim hohen StaatSministerium unter ausführlicher Begründung der Dringlichkeit und Nolhwrntigkeir, in Graz eine» Friedhof zu errichten, und der Umstand, daß SauitälSrücknchien. ebenso wie die entehiende Behandlnug. nach Polizei-Voeschristen jüdische Leichname über die Grenze nach Ungarn und dort einer frcm« den Gemeinde der Willkür zur Bestattung zu übrranlworlrn, siegte, und das Prinzip der Hnmauiläl und Philantropie wurde beim hohe» StatS« milusterium zur Wahrheit. Seit Jänner 1664 ist Herr Ritter im Besitze de« hohen Erlaffe«, wornach der hiesigen Judenkorporation gestattet ist — einen jüdischen Friedhof z» errichten. Diesen hier in Rede stehenden Friedhof zu errichten, scheiicrie an den materiellen Mitteln der in Graz wohnenden Israeliten. — Kaum 200 Seelen stark, ist diesen nach dem VoranSgeschickien bis jetzt kaum möglich gewesen, sich hier eine Halbweg« gesicherte Eristenz zu schaffen, zumal der Handel eben wegen der früher berührten Beschränkungen keinen festen Fuß fassen konnte. Zur Errichtung de« Friedhöfe« nach dem behördlich vorgelrgten Bauplane, mit Inbegriff der zwei Joch Feld, bedarf e« nach dem vom Ba׳.׳a:rister vorgelegten Uebirschlag einer Summe von mehr als 9000 fl. r. W., eine Summe, die für die hier ansäßigen Jude» unerschwinglich ist. — In dieser Bedrängniß sieht sich die Grazer Judeuschast durch da« hier gewählte und hier gefertigte Komilü veranlaßt, au alle Men» scheosreunde, namentlich an die Bertretung israelitischer Kultusgemein» den, die freundlichste Bitte zu stellen: Milde Beiträge au da« hier gefertigte Komitü zu leisten (die gesammelten Beträge sind an den Kassier Herrn Jos. Wechsler gefälligst rinzusende»), und jede noch so geringe Gabe wird durch die Presse veröffentlicht, sowie alle gesammelten Bei« träge unter Autorität verbucht. und die Berwendung zu Jedermann« Einsicht in Evidenz gehalten werden wird. Schließlich solgrn nebenbei Subskription«»Bögen zur Namhaftmachung der Wohlthäter zur Veröffentlichung in der Presse. Graz, im Jänner 186S. Da« Komitü der Friedhos-Berwaliung: Ignaz Rrchoitzer. Moriz Lidlitz. B. Butler. Jakob Triisch. Leopold Ritter, Bcrsteher. Josef Wechsler. Kaffier. Anton Schwarz. Obigen Ausruf empfehle ich auf« Wärmste. Dir einfache That» fache, daß Israeliten in Graz wohnen, rede» laut genug und fordert jeden Bekenner de« Judevthum« i» Namen de« Glauben« und der H^ wanilä» auf, daß rr dir ersten jüdischen Anfiedler in Graz kräftigst unterstütze. Wien. 3. Jänner 1865. Dr. Jellinrk. Prediger. 8m. Prag, 24. .Febr. Da« Hinschkiden de« i» weiten Kreise, bekannten und allgemein geachteten Fabrikanten Przibraw hat i» ganz Prag, ja io ganz Böhmen, die lebhafteste Tbeilnahme erweckt. Da« Leich-nbegängniß veranlaßte einen ganz außerordentlichen Zusammenfluß von Menschen au« allen Klaffen, welche herbrigekomm.u Waren, um fich an dem Leichenzuge zu betheiligea oder denselben wenigsten» »orbeiziehe, zu sehen. Den imposanten Zug eröffneten die Arbeiterinnen au« dr» Pezibram'scheu Fabriken im Sountagsstat; dann kam eine Abtheilung de« bürgerlichen Grenadierkorp« mit der Mufikkapelle, hieraus der Sän» gerchor, Prediger und Rabbiner der israelitischen KultuSgemeiode in ihren AmtSirachten. Dem vierspännigen Todtenwagen zue Seite schritte, die Komvtoiristen de- Dahing,schiedeueu und bürgerliche Grenadier«» Unterosflziere mit Wachskerzen. Dem Todtenwagen folgten die nächsten Berwaudten und eine massenhafte Leichenbegleitung, in welcher Handel und Industrie zwar am meisten, aber auch die Beamten, da« Militär, die Gemcinderepräsrntanzen von Prag und Smichow mit ihren Bor» ständen, verschiedeue Korporationen, sehr zahlreich vertreten waren. Auch katholische Geistliche erwiesen dem Verblichenen die letzte Ehre. Boa dem Smichower Stadthause (der Verstorbene war Mitglied de« dortige» Gcmeinteausschuffesl und von dem Schmichower Schulhause, zu wel» chem der Dahingrschiedene den Baugrund und die innere Einrichtung gespendet hat, wcbtrn Trauerfahnen. Ein andere« Zeichen der Thril» nähme gab die Smichover Besrda, indem sie au« Anlaß de« Todesfalles eine auf diesen Abend bestimmte Unkerhallung absagte. — Przibram hat aber diese Theilnahme auch in hohem Maße verdient. Srineu Sr» beitern, schreibt da« ״Fremdenblatt''. war er ein wahrer Baker. Sr rot» ließ keinen Arbeiter uud beschäftigte jeden׳ selbst zu Zeiten von Geschäft«» stcckunqen. Wurde einem Arbeiter bei vorgerücktem Alter die ihm zuge» wiesene Arbeit 'zu schwer, so erhielt er eine leichtere Beschäsligung. wurde als Wächter verwendet oder mit Gnadrngaben bedacht. Der Hin» terdliebenen seiner Arbeiter nahm er sich in edelster, menschenfreutitlich. ster Weise an. Sein Wohlthätigkeiissinn beschränkte sich jedoch nicht auf seine Arbeiter: jeder Arme, der sich an ihn wandte, fand Hilfe uud Unterstützung. So oft Herr Przibram seine Fabrik in Smichow oder ß sei» Haus in Prag betrat, empfing ihn eine Spalier von Bettelleute» * »»d jeder erhielt eine Gabe, nie ward er des Gebenüberdrüssig. Wir beliebt und geachtet Przibram bei den Fabriksarbeiiern war, bewerft, daß während der Druckerunrnhen im Jahre 1844 seine Fabrik in Smi chow nicht nur ganz unbehelligt blieb, sondern daß die Przibram'sche« Fabriksarbeitcr sich auch freiwillig erboten, da« Etabliffemeut gegen all! fällige Angriffe zu schützen. Da« Andenken diese« wahrhaft edlen Manne« sei ein gesegnete«! & Prag, im Febr. Ich entnehme den Stoff zu meiner heutigen Korrespondeiij einem hier verbreiteten Gerüchte au« Nachod. vermöge welchen der dortige Rabbiner, Herr Jona» WieSner, bekannt durch dir Herausgabe seiner ״Scholien" von der Gemeinde eine.Kündigung er» halten und auch angenommen haben soll. E« ist wol wahr. Laß r« seit der Aufnahme Sr. Ehrwürdrn als Lokalrabbiner in Nachod dort eine Partei gegeben, welche die Wahl in offener Weisr al« eine ihr mißlirbige erklärte, daß e« aber dabei zu einem Bruche komm,» wird, hat man doch nicht gedacht. Wir man sich erzählt, soll dir nächste veranlas« sende Ursache eine kleinliche gewesen sei». E« heißt, daß vermög Bor. standsbeschluß am Montag uud Dooarr«tag nur der Ober» ond Unterkantor vorbeieu sollten; da aber die Schwäger dr« Herrn Rabbiner« in Trauer sind, so haben diese da« DorstaudSgebot umgehen wollen oder umgangen und mit Rabdiiial-zustiwwung al« Dorbeter sungirt. Die« sei die erste Beranlaffung gewesen, daß r« zu einem solche» dedaurrli» chen Schritte in der Gemeinde gekommen. Ich glaube aber, daß e« »och gelingen werde, beide Parteien zu umstimmrn, obzwar man ebenfall« mit Bestimmtheit erzähl«. daß Herr Rabbiner WieSuer demnächst l, | da« von seinem Heuer verstorbenen Schwiegervater geerbte Hau« ziehe, uud die Gemeiudewohnuiig verlass,» werde. Nebenbei sei noch bemerkt, g paß Herr Jona« Wir-ner auch Krei-kabbiner und zwar de« Köllig» grätzer Kr,is«Sd>ift. zn welchem Nachod gehör», so könnte demnach daselbst ״f