Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 49 (7.12.1864)
- Date
- 1864-12-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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989 990 vlesjesy'8 Jubiläum. A Prag, 30. November. In unserer Gemeinde wurde diese Woche ein Fest begangen, das bis jetzt noch niemals begangen wurde, es bildet einen Glanzpunkt in der Geschichte des österreichischen Judenthums und vielleicht kein unbedeutendes Blatt in der Geschichte Oesterreichs, zunächst aber in der Kulturgeschichte dieses Reiches. Vorgestern waren es 25 Jahre, seit Herr Dr. Wessely in das Amt eines öffentlichen Lehrers eingeführt wurde. Am 28. November 1839 erhielt Herr Professor Wessely das Dekret als Lehrer der Religion und Moral an der damaligen israelit., nunmehrigen Josefstädter Hauptschule, er wurde der Nachfolger Veers, und als Eraminator der Brautleute aus dem famosen Bene Zion der Nachfolger Herz Hombergs. Was er seit dieser Zeit dem Judenthume geworden, wurde oft in diesen Blättern gewürdigt; bekanntlich wurde er später außerordentlicher Professor der hebräischen Sprach- Wissenschaft an der hiesigen filosofischen Fakultät, einige Zeit darauf außerordentlicher und endlich ordentlicher Professor des Strafrechts an der juridischen Fakultät. Vorgestern wurden ihm zu diesem Jubelehrentage von Einzelnen sowol, als von Korporationen Glückwünsche und Adressen dargebracht. Der Lehrkörper der Josefstädter Hauptschule mit seinem Direktor, Herrn Utitz an der Spitze, beglückwünschte ihn mit einer kräftigen Ansprache und mit einer Adresse, welche von dem rühmlichst bekannten Lehrer der Kalligraphie an dieser Schule, Herrn Fischet, angefertigt wurde. Eine zweite Adresse wurde ihm im Namen der Gemeinde von ihrer Repräsentanz votirt und in prachtvoller Ausstattung von dem Vorsitzenden der Repräsenranz, Herrn Ernst Wehli, sowie von den Mitgliedern Herrn Leopold von Portheim und Herrn Dr. Wiener, Stadtrath, übergeben. Die Ansprache des letztem wurde, wie ich vernommen, von ihm in besonders inniger Weise erwiedert. Durch einen besonder» Zufall gelangte ich zu einer der von der Repräsentanz Herrn Professor Wessely übergebenen Adresse, die ich hier folgen lasse: Hochverehrtester Herr Professor! Wenn irgend etwas geeignet ist, in uns isr. Glaubensgenossen das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erhöhen, und das uns einigende Band fester und unauflöslicher zu knüpfen, so ist es wol der Antheil und die Freude an der erfolgreichen Arbeit und Ehre eines jeden Einzelnen von uns. Und so beglückwünscheu wir uns und Sie zu dem Ehrentage, den Sie heute am 28. November 1864 feiern, dem Tage der Erinnerung, an welchem Sie vor 25 Jahren ihre Laufbahn als Lehrer begonnen haben. ״Lehrer", zumal Lehrer der ״göttlichen Lehre", der Titel schließt die höchsten Ehren und Würden im Judenthume in sich. Sie aber, hochverehrtester Herr Professor! haben durch geistige Begabung, Eifer und Fleiß auch äußere Ehren und Würden in einem Maße und in einer Weise erworben, daß sie zum Kennzeichen und Maßstabe des Fortschrittes der Humanität, das ist der Moral und deö Rechtes, das Menschenrecht und Gleichberechtigung bedeutet, geworden sind. Von dem Lehrer der Moral sind Sie ausgegangen, um in ruhmvoller Weise der erste Jude, der in Oesterreich als ordentlicher Professor an einer juridischen Fakultät, zumal der ältesten Universität Deutschlands dozirt — die Lehre des Rechts vorzutragen und zu verbreiten. Ein Jude lehrt die Wissenschaft deö Rechts an einer österreichischen Hochschule! Diese einzige Thatsache schließt in der That ein Stück Kulturgeschichte in sich. Und weil Sie es sind, an den sich dieses Stück Geschichte knüpft, weil Sie es sind, der durch den opferwilligsten Fleiß und den unermüdlichsten Eifer diesen Fortschritt gefördert und errungen haben, so fühlt sich vor allem die gefertigte israelitische Kultusgemeinde Prag, innerhalb welcher Sie von der Schule an Ihre Laufbahn begonnen haben und zu einem an Ehren so reichen Ziele gelangt sind, Ihnen — der Sie heute vor 25 Jahren in Ihr Lehramt als Lehrer der Religion und Moral an der Josefftädter, damals israelitischen Hauptschule eingetreten sind und nun als Professor des Strafrechts an der hiesigen Hochschule wirken — die aufrichtigsten Glückwünsche zu Ihrem Jubeltage entgegen zu bringen. Möge der Allmächtige Sie noch lange in voller Manneskraft erhalten, Ihnen bis ins hohe Alter hinein die Frische und Regsamkeit des Geistes, der Sie sich heute erfreuen, bewahren, auf daß Sie noch viele Jahre erfolgreich Mitwirken an der Bildung unserer Jugend, zum Segen des Vaterlandes, zur Ehre unserer Religionsgenossenschaft! Möge er Ihnen ferner den verdienten Lohn verleihen in dem Erfolge Ihrer wissenschaftlichen Thätigkeit, in der dauernden Anerkennung Ihrer Zeitgenossen! Unterzeichnet war diese Adresse von Herrn Ernst Wehli in Vertretung der Prager israelitischen Kultusgemeinde. Moffrner Ädrejse an ilen ,Ma&teut fies ״JS. LH." An Sr. Ehrwürden Herrn Leopold Löw, Oberrabb. zu Szegedin. Ew. Ehrwürden! Der hämische Ausfall auf Ew. Ehrwürden, zu dessen Kenntniß wir durch Veröffentlichung jenes an den löbl. Szegediner Gemeindevorftand mit gefälschter Unterschrift gerichteten Schreibens gelangt sind, hat unö mit Entrüstung erfüllt, und wir beeilen uns zu konstatiren, daß man sich in Kollin mit inniger Freude und größter Hochachtung deS ehemaligen Bachur Lebisch, mit tiefer Wehmuth jedoch jener