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Ben Chananja · 1864-11-09 · 45 (9.11.1864) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
45 (9.11.1864)
Date
1864-11-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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911 912 merkwürdige Aktenstück hin, welches sich in den RGA. Ohel Jakob in Betreff der 1679 erfolgten Vertreibung der Juden aus Wien findet. Auf dieses Aktenstück, welches ein Schreiben der Wiener Gemeinde an den Residenten der Königin Christine von Schweden, Isaak Senior Teireira (nicht Tigira, wie Herr Rubin schreibt) in Hamburg und dessen Antwort an jene enthält, habe ich in dem Hamagid Jahrgang VI, Nro. 6-—8 nicht allein aufmerksam gemacht, sondern eS auch seiner Wichtigkeit wegen nochmals zublizirt. Es ist aus demselben ersichtlich, daß die Wiener Gemeinde, nachdem daS Verbannungsdekret gegen sie erlassen war, sich am 23. März des gedachten Jahres °) in ihrer Noth an den gedachten Minister - Residenten mit der Bitte wendete, seine hochgestellten und einflußreichen Bekannten schriftlich zu^ersuchM, innerhalb der ihr noch von dem Kaiser vergönnten dreimonatlichen Frist an höchster Stelle für sie ihre Zürsprache eintreten zu lassen. Sie theilte ihm bei dieser Gelegenheit mit, daß der Kaiser durch seine von ihrem, hier immer Confessor genannten Beichtvater, dem Bischof Kollonicz, beeinflußte Gemahlin Margarethe dazu bewogen worden sei, den Befehl zur Verbannung zu ertheilen und daß die Kaiserin hierbei das Beispiel ihrer Mutter ^) befolgt habe, welche die Juden ebenfalls aus Oran vertrieben hätte, so daß letztere sich nunmehr unter Savoyischer Herrschaft in Nizza und Villafranka anfhielten. Von Glaubensgenossen in Altona hätten aber die Israeliten in Wien gehört, mit welcher schmerzlichen Theilnahme er den kaiserlichen Befehl vernommen und wie er sich sofort bereit erklärt hätte, seine Verwendung bei angesehenen Personen für sie eintreten zu lassen; demnach bäten sie ihn dringend, sich an den Kurfürsten von Sachsen und an den Beichtvater der Königin von Spanien zu wenden, damit diese so bald wie möglich für sie ein gutes Wort bei dem Kaiser, der Kaiserin und deren Beichtvater einlegen, denn, nachdem sie bereits alle Hebel, jedoch vergebens, in Bewegung gesetzt hätten, um den Befehl rückgängig zu machen, bleibe ihnen im Vertrauen auf Gott nur noch die Hoffnung auf auswärtige, תולדה יעקב verfaßt und oas Werk היכל הקודש edirt hat. Unrichtig ist die Angabe, daß SaSportaS sich erst 1654 nach Amsterdam geflüchtet habe, da das Werk?׳תולדת יעקב ein Inder zu sämmtlichen im Talmud jerufchalmi vorkommenden Erläuterungen der Bibelverse, der aber nicht bloS aus acht Blättchen besteht, wie Wolf irrig angibt, dort bereis im Jahre 1652, als er sich daselbst als Flüchtling aufhielt, auf Kosten Menaffe ben Israels erschien. Aus dem Vorworte zu diesem Buche ist auch zu ersehen, daß SaSportaS, welcher, wie er selbst angibt, früher in Oran wohnte, damals, wo sein Vater Ahron noch lebte, in Amsterdam in zwei Jeschibolh lehrte und bereits ein seine an jedem Sabbath öffentlich gehaltenen Vorträge enthaltendes Werk קול מ(קב fast druckfcrtig hatte; es scheinen jedoch diese Vorträge niemals erschienen zu sein. *) Das Schreiben ist batikt von ׳יוםח׳ב׳ניסן שנתודתל was aber rin Druckfehler ist, da 1670 der zweite Nisan. ans Samstag siel, es muß demnach entweder heißen ווםא׳ב׳ניסן oder יוםה׳ו׳ניסן waö der 27. März wäre. Auch noch ein anderer Druckfehler findet sich in jenem Schreiben, indem eö שגרש□ איראן Patt לק״ק אוראן heißen muß. ') Die Mutter der Kaiserin war Maria Anna, die Königin von Spanien und Witwe des Königs Philipp IV.; sie stand ebenfalls unter dem Einflüsse ihres Beichtvaters, des von ihr zum Großinquisitor er« nannten Pater Neidhard, eines Deutschen- " einflußreiche Männer, die bei den Großen etwas vermögen, und so möge er diese veranlassen, sich zu ihren Gunsten zu verwenden, da ihre Noth in Folge der verflossenen drückenden Jahre so groß sei, daß sie, von allen Mitteln entblößt, weder Nahrung noch Kleidung anzuschaffen vermöchten, geschweige denn Vorrath und Zehrung auf den Weg für viele hundert Personen, die nicht wüßten, wohin sie sich in ihrer Armuth wenden sollten. Unterzeichnet ist dieses Schreiben außer von dem Rabbiner Gerson Aschkenasi noch von fölgenden 7 Personen: Jehuda Loew Arzt, Mordechai Marsilius, Jehuda ben Simon, Jechiel Kohen איש פורט דפא (Rapoport?), Joseph ben Jakob, Na statt Herz Levi, Chanoch halevi aus Prag. In der vom 2. Mai datirten und durch SaSportaS übermittelten Antwort erwiderte Teireira, tief ergriffen von dem Unglück, welches der Gemeinde durch das Dekret des seiner Gemahlin willfahrenden Kaisers bevorstehe, daß er zuvörderst zu dem Mittel seine Zuflucht genommen habe, das unsere Väter in ihrer Noth stets angewendet, indem er mit seinen Glaubensgenossen einen Bet- und Fastag abgehalten hätte, um Gottes Erbarmen zu erflehen. Alsdann habe er reiflich erwogen, wen er wohl um Verwendung bei dem Kaiser und den diesem nahe Stehenden, wie ins Besondere bei der Kaiserin und deren Mutter, angehen könnte und sodann mit den Vorstehern der Altonaer Gemeinde darüber berathen, welche Personen sich wohl als Vermittler am besten eignen möchten, und wenn gleich die Verschiedenheit des Bekenntnisses im Wege stehe und t wenig Aussicht auf Erfolg verspreche, so hoffe er doch im" Vertrauen auf Gott, daß, wenn jene Personen ihn auch nicht unterstützen sollten, sie doch wenigstens seinen Worten beibflichtelk und die Billigkeit der Sache, um derentwillen er sich verwende, anerkennen würden. Wäre es doch schon ein Gewinn , wenn sie nur bewirkten, daß es bei dem Befehle, wie er Anfangs lautete, bliebe. Hierauf habe er in aufrichtiger Theilnahme an dem Mißgeschicke seiner Glaubensbrüder verschiedene Schreiben an einzelne spanische Granden gerichtet, von denen einige ihm die Versicherung gegeben hätten, durch einem bei den Beichtvater der Kaiserin sehr angesehenen Fürsten auf eine Verlängerung der Frist wirken zu wollen, während welcher Gott ihnen vielleicht seine Gnade zuwenden würde. Auch an den bei Hofe viel vermögenden Grafen Montekukuli habe er geschrieben, seinen Einfluß zur Beschwichtigung der judenfeindlichen Stimmung geltend zu machen und möchten ste ihn, falls dieser Brief von Erfolg gewesen, davon in Kenntniß setzen, damit er Veranlassung nehmen könnte, dem General für seine erfolgreiche Freundlichkeit seine Anerkennung auszudrücken. Ferner habe er sich an den Kardinal Asolino in Rom gewendet und ihn flehentlich um seinen Beistand gebeten; allein wegen der dort (nach dem Tode des Pabstes Clemens IX) in Folge der bevorstehenden Pabstwahl herrschenden Aufregung hätte man für den Wehernf der Juden im Kaiserstaate kein Ohr, obwohl der von ihm mit dieser Angelegenheit betraute Bote ihm die Versicherung gegeben hätte, den Kardinal, der jetzt mit seinen Kollegen in der. Klausur sei, bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit von der Sache in Kenntniß zu setzen. Von dem Sekretär der in Rom weilenden Königin von Schweden, an die er ebenfalls geschrieben, hätte er in dieser Woche ein Schreiben erhalten, in welchem die günstigsten Aussichten eröffnet wurden und ihm mitgetheilt wor-

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