Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 38 (21.9.1864)
- Date
- 1864-09-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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773 Nach Absiugung mehrerer Psalmen hielt der hiesige Lokalrabkiner, Herr MoseS Schiffmann, eine, die hohe Bedeutung dieses Festes darlegende, ergreifende Gelegenheitsrede. Beim Schluffe derselben sprach er den Segen über den erhabenen Monarchen, über das geliebte Herrscherhaus, über die k. k. Beamten und über alle Bewohner des KaiserstaateS aus. Dann begab sich die ganze Versammlung unter Vorantritt des k. k. Bezirksamtmannes und der k. k. Beamten und Ehrengäste in daS Schulgebäude, um neuerdings Worte der Weihe, welche vom Herrn Rabbiner Schiffmann gesprochen, und Dankesworte, welche von einer Schülerin mit wahrer innerer Empfindung vorgetragen wurden, zu vernehmen. Segensworte für Se. k. k. Majestät und alle Gönner dieser Anstalt und die Abfingung der Volkshymne, wie früher in der Synagoge, schloffen dieses doppelte Fest. Körmend, 12. September. Ermuthigt durch Ihre Aufforderung, über die jüdischen Zustände im Gisenburgec Komitate eine kleine Skizze zu entwerfen, erlaube ich mir nun, diesem Wunsche uachzukommen, und den geehrten Lesern Ihres Blattes eine treue Schilderung unserer Zustände mitzutheilen. Bei der sprüchwörtlich gewordenen Klage über Materialismus und Mangel an Theiluahme für geistige und religiöse Interessen bietet sich dem Auge des unbefangenen Beobachters ein wahrhaft erfreuliches Bild dar. so er die Zustände der jüdischen Gemeinden des Eisenburger KomitateS einer nähern Beachtung würdigt. Die Gemeinde zu Körmend hat seit ungefähr zwei Dezennien eine förmliche Metamorphose durchgemacht so daß, wer mit den Verhältniffen nicht von jeher vertraut ist, es kaum glauben würde, daß da, wo vor ungefähr zwei Dezennien noch dunkle finstere Nacht herrschte, das SchöpsungSwort ״Es werde Licht" sich so schnell Bahn gebrochen habe. Diese erfreuliche und wohlthuende Erscheinung ist einerseits dem, für wahrhafte Religiösität stets empfänglichen Sinn der hiesigen Gemeindeglieder zuzuschreiben, da die Gemeinde viele achtbare und intelligente Mitglieder zählt; anderseits hingegen ist es nicht zu verkennen, daß zu diesem Fortschritte der hiesigen Gemeinde auch noch außer dem angeführten Grunde andere Einflüsse ihr Scherflein beigctragen haben. Als Zeichen dieses erfreulichen Fortschrittes möge vor allen andern Dingen der vor wenigen Jahren renovirte Tempel dienen, wobei allen gerechten Anforderungen der Gegenwart Rechnung getragen wurde. Ja man löste sogar die brennende Gitterfrage, wie sie gewöhnlich heute bei Erbauung und Renovirung jüdischer Synagogen vorkömmt (so z. B. jüngst in Losonz) trotz mannigfacher Einwendungen, Protestationen und von verschiedenen Seiten eingeholter Gutachten, doch durch Entfernung und Beseitigung des bisher bestandenen Gitters. Es ist wol leicht denkbar, daß es auch hier nicht an kleinlichen Demonstrationen fehlte, trotzdem ging die Gemeindevertretung, die auf Beseitigung des Gitters, und hiermit auf völlige Frauen-Emanzipation drang, aus jenem heißen Gitterkampfe als Sieger hervor. Schließlich kann ich nicht umhin, auch den allgemein herrschenden WohlthätigkeitSsinn der hiesigen Gemeinde hervorzuheben, und obwol dies als Charaktcrzeichen des gesammten Israels schon seit ältester Zeit gilt ישראל רחמנים גומלי הסריס: so findet dieser Spruch hier besonders seine Anwendung, wovon die häufig hieher kommenden Armen Zeugenschaft ablegen mögen- Ucber die übrigen Gemeinden unseres KomitateS berichte ich später. Ludwig Lichten stein, Prediger und ReligionS« lehrer in Körmend. Erklärung. Herr Grünwald, Religionslehrer an der Haupt- und Realschule in Hradisch, ein ebenso charaktervoller und gotteSfürchtiger, als gebildeter Mann, hielt am vergangenen Schabuothfeste dem ehrsamen Hradischer Kultuövereine einen, der Bedeutung des Tages angemessenen religiösen Vortrag, in welchem er vorzüglich die Bedeutung des SabbatheS, ausgehend von den Zehuworten, ebenso klar, als mit geistreicher Eregese hervorhob. Dieser Vortrag brachte bei den Zuhörern einige Jrrilation hervor, führte zu einer Spannung und zu unliebsamen Deutungen und Auslegungen, so daß uns Herr Grünwald die Abschrift des Vortrages mit der Bitte unterbreitete, der Wahrheit gemäß zu cntschei- 774 den, ob der Dortrag.׳ wirklich Persönlichkeiten und verletzende Kundgebungen enhalte; und'im verneinenden Falle unsere Erklärung?עיני כל zu feiner Rechtfertigung auszusprechen. Ich erfülle hiermit als Diener der Wahrheit den Wunsch des Bittstellers, und erkläre, daß der in Rede stehende Vortrag des Religionslehrers Grünwald durchaus nichts Anzügliches und Persönliches zu erkennen gebe, sondern ganz objektiv gehalten sei! Jeder Unbefangene wird meiner Meinung beistimmen. Möge der Geist des Verständnisses unv Einverständuiffes in dieser jungen Gemeinde walten, und diese Ehrenrettung des Lehrers ihrer Zugend zur vollkommenen Aussöhnung beitragen. והיה לכם המורה לצדקה Gaya, den 15. September 1864. Rabb. Dr. M. Duschak. Erklärung. Den Gönnern des ״Beth-El" gegenüber sehe ich mich mit tiefem Bedauern zu der Erklärung veranlaßt, daß das bereits auSgedruckte und zur Versendung fertig gewesene o. Heft desselben wider mein Verschulden einer gänzlich neuen Umarbeitung unterzogen werden mußte. Die hierdurch erfolgten materiellen, wie geistigen Opfer lassen mich somit von Seite meiner Freunde nicht blos eine schonungsvolle Geduld, vielmehr eine gesteigerte Theiluahme gerne anhoffen. Pest, im September 1864. Ägnaz Keich, Verfasser des ״Beth-El." Bemerkungen. Fr kfr t.: DaS Referat über Dozys neueste Schrift wäre uns sehr willkommen. Der eingesandte Artikel erscheint nächste Woche. — Mehrere Korrespondenzen mußten für die künftige Nummer zurückgelegt werden. Inserate. Konkurs. (1-2) Bei der hierortigen israelitischen Kultusgemeinde wird mit dem jetzt beginnenden Schuljahre an der zu errichtenden Klasse für den Unterricht in Realien, merkantilischen Wissenschaften und der französischen Sprache ein verheirateter Lehrer anzustcllen gesucht, dessen Frau in der Mädchcnklasse den Unterricht sowol in den Gegenständen der ersten zwei Volksschulkassen, als anch in den industriellen Handarbeiten zn ertheilen hätte. Gehalt für beide 1000 fl. nebst anständigem freien Quartier. Außerdem stehen bedeutende Nebenverdienste durch Privat- Lektionen in gewisser Aussicht. Bewerber haben sich unter Franko-Eiusendung ihrer beglaubigten Dokumente bis 6. Oktober ac. bei der gefertigten Schulkommiffion zu melden. Isr. Volksschulkominijsion in Knla, Bacser Komitat. Bei einer achtbaren und gebildeten Familie in Szegedin wird ein Knabe in gänzliche Verpflegung genommen; für die sittliche Erziehung und liebevolle Behandlung ist gesorgt. Nähere Auskunft ertheilt die Redaktion dieses Blattes. (1—2) Szegedin, Selbstverlag der Nedaktiou. Leipzig, Loninilsstons-Vertag von Fra») Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.