Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 33 (17.8.1864)
- Date
- 1864-08-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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689 690 frrundlichkeit einen Platz in Ihrem geschätztem Blatte, und wir lassen dirselbe daher hier tm Anszuge folgen. Unserer Ansicht nach, sagt der geehrte Verfasser, zeigt der Aontert des obcrwähnten Lustspieles von einem gewaltigen sittlichen Unsinn. H. verkauft dem Juden D. sein Haus nicht, und das aus welchem Grunde? Also wahrscheinlich, weil dieser Jude und kein Christ. Daraus folgt die Lehre für die Heranwachsende Jugend: Mit dem Juden lasse dich in keinerlei Geschäftsverkehr ein, er ist kein Mensch, wie du, verachte ihn, denn er besitzt keine Menschenwürde . . . Hentzuiage der ler- »enden Jugend derartige Ansichten einimpfen, in ihren Herzen den Religions- und Racenhaß wieder wach rufen, diese zur Verachtnng anderer Menschen und zur öffentlichen Verspottung aufmuntern, — ob das wol eine zu billigende, eine vernünftige Handlungsweise sei, beurtheile der geehrte Leser. Ich meinerseits halte es weder für eine patriotische Tugend, noch für einen politisch klugen und einen mit den erhabene» Grundsätzen unserer heiligen Ncligion zu verciubarenden Gedanken, der Jugend solche geistige Leckerbissen zu reichen. Ein Grundsatz unserer heiligeu Religion lautet: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ich frage, wie soll nun der christliche Schüler seinen jüdischen Mitschüler lieben, den öffentlich verspotten, den verachten ihn sein Lehrer gelehrt und aufgemuntert hat? Die Judenfcindlichkeit des Verfassers steht im grellen Widerspruche zu den Ansichten unserer Vorfahren, die durch Privilegien, die sie den sich im Lande niederlassenden Fremden ertheilren, dieselben für die Sache des Vaterlandes zu gewinnen suchten; sein Judenhaß widerspricht den mcnschlichenfreundlichen patriotischen Kundgebungen unserer geistlichen und weltlichen Großen. Se. Grzelleiiz der Csanüder Bischof sagt Herr Boja, ladrte bei seinem jüngsten Aufenthalte in Szegedin den jüdischen Nabbine» zur Tafel, und Herr Johann Scharenbeck gestattet selbst aus der Bühne dem Juden den Häuserankauf nicht. Der Judenhaß des Verfassers, fährt Herr Büja fort, widerspricht dem Geiste der Zivilisation, der Toleranz, die sich in Europa allenthalben kundgibt; er widerspricht jenen Aufordernnge» , die das Vaterland, das als Grundlage seines Wohles ein brüderliches Verhältniß zwischen seinen Völkern verlangt, mit lauter Stimme stellt. Herr Büja tadelt die ganze Anlage des Stückes und zeigt, wie die Rolle des Juden, der in seiner Karrikatnr mit seiner jargonisirten Sprache der Jugend nur ein Gegenstand des WitzelnS und SpötrelnS sein soll, und sagt weiter: Ein großer Theil der Juden Ungarns gehört in die gebildete Doksklasse, und find dieselben bemüht, sowol durch den Geist, der in ihren Schulen herrscht, als durch ihren patriotischen Eifer die Achtung des Vaterlandes zu verdienen. Wenn auch Klagen Vorkommen, daß Juden niederer Klaffe durch Kunstgriffe den Unwissenden zu Übervortheilen suchen, wissen wir nicht auch. daß sich Bekenner anderer Konfessionen ähnlicher Kunstgriffe bedienen? Und ist es nicht Unbilligkeit, Ungerechtigkeit, Engherzigkeit, eine ganze Volksklaffe für die Uebertrctnngen Einzelner anzuklagen und zu vcrnrthellcn? Der Verfaffer schließt mit dem Wunsche, daß Gott die ungarische Literatur vor gleichen Produkten von so gemeiner Schreibweise und so schädlichem Geiste behüte, und wir mit dem herzlichen Danke, den wir Herrn Georg Büja für sein freies und freundliches Wort recht gern zollen. אכלה ואכלו״ן Nach einer in der kaiserl. Bibliothek zu Paris befindlichen Handschrift. Herausgegeben von Dr. L. Frcnsdorff. Hannover 1814. Hahn'sche Buchhandlung gr. 4. 176 S. Tert 63 S. Anm. Keine Wissenschaft auf jüdischem Gebiete war bis jetzt so sehr vernachlässiget, wie die mafforctischen Studien, obgleich man ihre Wichtigkeit für die biblisch« Kritik und Eregese nicht verkannte. Es mag wol das wenig brauchbare Material, welches uns nur in fehlerhaften verstümmelten mafforetischen Randglossen vorliegt, schuld sein, daß wir nur wenige Gelehrte aus unserer Zsit namhaft machen können, die sich auf diesem unwegsamen Boden Bahn brachen. Es sind dies die in der jüdischen Literatur bekannten Namen Lnzzatto, Geiger, Pinsker, Dr. Frensdorf und Bär. Die beiden letzter« haben besonders das Verdienst, daß sie bei ihrem, anstrengenden Berufe als Lehrer ihre Muße auSschließlich dazu verwenden, das massoretische Material zu bearbeiten und zugänzlich zu machen, aber keinem von beiden ist es noch gelungen, einen Mären zu finden, der die Herausgabe ermöglicht. Der Literaturverein, dem es allerdings obläge, ein solches Werk zu ediren. muß bekanntlich seine geringen, nur 14,000 fl. betragenden AbonnementSgelder, für allgemein brauchbare und ansprechende Schriften verwenden, wie z. B. Religions- und Gebetbücher. Unter diesen Verhältnissen gereicht es sicher Jedem zur doppelten Freude, endlich einmal ein so wichtiges massoretischeS Werk vor sich zu sehen, das noch dazu so splendid auSgestattet ist, wie es jüd. Schriftwerke selten zn sein pflegen. — Vorliegendes Werk war bis jetzt nur aus vesseu Anführung bei Kimchi und Levira und aus ciuem arabischen Fragment in Geigers Zeitschrift bekannt. Nach Levita bildete dasselbe die Grundlage der von R. Jakob b. Chajim in der rabb. Bibel (1525) abgedruckte M assora, wogegen Frensdorf aus einer Stelle beweist (Anm. zu 206) daß die gedruckte Massora dieses Werk nicht gekannt. Jedenfalls ist nicht zu verkennen, daß dasselbe eine große Anzahl mafforetischer Angaben enthält, die sich sonst nicht finden, sowie hier auch die ursprünglichen alten Massoraangabcn treu gegeben sind, während die gedruckte Massora an Zusätzen und Auslassungen, Verstümmlung und Mißverständnissen leidet, worauf der Herausgeber in seinen Nachweisen und Bemerkungen zu jedem Satze hingewiesen hat. Das Werk enthält 374 Rubriken und 24 Zusätze von einem andern, ebenfalls unbekannten Verfasser, die zum Theil verstümmelt und zerstreut in den mafforctischen Randglossen der Bibel verborgen liegen, und man kann sich somit leicht vorstellen, welcher Fleiß und Ausdauer dazu gehörte, auf diese Stellen überall hinzuweisen und sie zu berichtigen. (Schluß folg t.). Bemerkung. Die Fortsetzung der ״Höheren Stimmungen" und die znrückgelegten Korrespondenz-Artikel erscheinen in der nächsten Nummer. Inserat. Konkurs. (2-3) Bei der Debrecziner israelitischen dreiklaffigen Volksschule sind vom , 1. November l. I. folgende drei Lehrerposten zu besetzen: 1. Die Stelle eines geprüften OberlehreS mit einem JahreSgehalte von 600 fl. ö. W. 2. Die Stelle eines geprüften Lehrers mit einem JahreSgehalte von 500 fl. ö. W. 3. Die Stelle einer Erzieherin und Jndustrielehrerin mit einem JahreSgehalte von 400 fl. ö. W. Die vollkommene Kenntniß des Hebräischen, sowie der deutschen und ungarischen Sprache in Wort und Schrift ist unbedingt nothwendig. Verheiratete Lehrer, deren Frauen befähigt sind, den Posten einer Erzieherin zu bekleiden, erhalten den Vorzug. Bewerber um diese Posten wollen ihre wohlinstrnirten Gesuche und Dokumente längstens bis 31. Augnst postfrei einsenden an den Vorstand -er Debrecziner isr. Knllnsgemeinde. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.