Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 31 (3.8.1864)
- Date
- 1864-08-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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639 640 1 nöthigen Erfahrungen, noch einen liefern Einblick in die Leitung der Gemeindegeschäfte verschaffen können." Ferner, weil die hiesige Gemeinde zu ihrer Wiedergeburt der jüngern Kräfte bedarf. Die jungen Männer haben nach ihrer Aeußerung in der mehrerwähnten Petition die Absicht, ״das, was in unserer Kultusgemeinde verwahrlost und nngeordnei ist, als die herabgekommenen Kinderschulen und die gesunkene Andacht im Tempel, kräftig aufzurichten, wie dies in anderen Gemeinden auf fo lobenSwerthe Weise ausgeführt wurde." Die Jugend ist aufrichtig; sie trägt das Herz auf der Zunge. Diese Aufrichtigkeit ist aber der Erreichung ihrer Zwecke nicht immer förderlich. Die hiesige jüdische Jugend hat durch ihr unverholeneS Bekenntniß, Jugendunterricht und Gottesdienst zu heben, das Mißtrauen der Vorsteher gesteigert, ihre Vorsicht geschärft, ihrer! Widerstand unbeugsam gemacht. Die junge Welt suchte Sukkurs beim hiesigen und bei einem benachbarten Rabbiner. Da diese Herren aber sich weigerten, aus ihrer Neutralität zu treten, wendeten sich die fünfzehn Petitionäre an den Rabbiner Löw in Szegedin. von welchem dieser Tage ein Gutachten einlief. Fogaras, (Siebenbürgen) 17. Juli. Ich beehre mich, mit der Anzeige der Besetzung des hiesigen Distrikts-RabbinatSpostenS, den Wortlaut eines diesbezüglichen, in der ״Hermannstädter Zeitnng" vereinigt mit dem ״Siebenbürger Boten" in Nr. 159 erschienenen Korrespondenzartikels buchstäblich mitzutheilen und füge die Bemerkung bei, daß derselbe einen christlichen Advokaten zum Verfasser hat: FogaraS, 14. Juni. Niemals konnte ich mich recht befreunden mit einer jüdischen Synagoge und mit dem jüdischen Gottesdienste überhaupt. Bei unbefangener Anschauung aber muß man dem Juden das Lob zuerkennen, daß er im häuslichen Leben, im gesellschaftlichen Verkehr, im Staate, in der Orts- und Kultusgemeinde, sowie in der Synagoge und Religionsschule ein rühriges Vorwärtsschreiten beurkundet, und sich auf gesetzlich zulässigem Wege ohne Scheu vor Geldopsrrn auf eine humane Weise eine Bahn bricht, die ihm allenthalben Ehre macht. Dieß gewahrt man vorzüglich bei der hiesigen Gemeinde. Dieselbe zählt circa 140 Familien und besitzt einen prachtvollen neugebautcn Tempel, eine geregelte vierklassige Hauptschule, deren dirigirender Oberlehrer, Herr Moriz Steiger, ein-Manu von hervorragenden Talenten ist. Am 3. Jäner d. I. verlor diese Gemeinde in ihrem alten, von Jnd und Christ allgemein geachteten, Rabbiner den treuen Seelenhirten. Es gelang aber dieser Gemeinde einen, ihrem kortschreitcnden Geiste entsprechenden Rabbiner in der Person des Herrn Dr. I. Cohne zu wählen. Am 8. Juni hielt derselbe bei dem feierlichsten Empfange von Seite der Israeliten seinen Einzug. — Früh Morgens fuhr die Vertretung der Kultusgemeinde nach Unter-Uesa, und erwartete dort ihren aus Böhmen kommenden Rabbiner. Die israelitischen Gemeindemitglieder und eine zahlreiche Versammlung anderer Konfessionen mit den elirwür- Ligen Geistlichen der katholischen, evangelischen, helvetischen, uuirten und nichruuirten Kirchen an der Spitze, versammelten sich um 3 Uhr Nachmittags in der Synagoge, um der Emfangsfeierlichkeit beizuwohnen. Die Gaffe, in der die Synagoge liegt, war mit Reisern, und der Tempel selbst, bei voller Beleuchtung, mit Blumen und Kränzen schön geschmückt. Die Schuljugend machte Spalier, die Gallerie und das Parterre des Tempels war von Theilnehmern und Neugierigen, erstere von Damen, letzteres von Männern überfüllt. Beim Tempel hielt der Wagenzug um 4 Uhr an, und geführt von der israelitischen Gemeindevertretung trat der neue Rabbiner, ein junger Mann, in den Tempel. Herr Handelsmann Heinrich Situl und nach ihm der Oberlehrer, hielten gehaltvolle Begrüßungsansprachen. Hierauf bestieg Leopold Fleißig, ein ueunjähriger Schulknabe eine Er- Höhung im Tempel vor dem Altäre und deklamirte eine schöne, geist- und schwungvolle Ansprache. Sodann dankte der Herr Rabbiner in kurzen Worten allseitig für den herzlichen Empfang, und nachdem die Schuljugend ein Halleluja unter Leitung des beliebten Oberlehrers abgesungen, wurde das Abendgebet verrichtet. Nach beendigtem kurzen Gottesdienste betrat der Rabbiner die Kanzel und begründete mit inhaltreichen, gediegenen, wahrhaft erhebenden Worten die Pflichten des Rabbiners zur Gemeinde und umgekehrt, und erbat sich das Zutrauen und die Achtung seiner Gemeinde. Sodann nahm Herr Dr. CohnS in seinem Wagen den Platz neben seiner jugendlich anmuthigen Gattin, welcher unzählige Blumenkränze gespendet wurden, ein; der Zug setzte sich in Bewegung und Alles strömte nach der bestellten Wohnung des neuen Rabbiners; diese war von der DrstriktSgemeinde im Vorhinein vollkommen eingerichtet. Von da schied Alles mit den herzlichsten Wünschen erfüllt, und vom Hoffen beseelt, daß nunmehr das religiöse Wohl der Gemeinde begründet sei. Am Abend brachte die israelitische Jugend dem Rabbiner einen Fackelzug. Am 10. Juni hielt Dr. C0H116 seine Antrittsrede und stellte als Hauptaufgabe der Religion die Jugenderziehung und begründete dies aus dem Terte der Gesetzgebung. Die Rede muß als sehr gelungen gepriesen werden. Dieselbe beurkundete einen hohen Bildungsgrad und ausgezeichnetes Rednertalent und hat das zahlreiche Auditorium auch anderer Konfessionen aufs höchste befriedigt. Unter den geladenen Gästen befanden sich ver eben attwcsende Landeskommissär und Gubernialrath, die Vertretung des DistriktsamtcS, der Stadtmagistrat, die hochwürdigen Geistlichen, der Guardian der Franziskanerkirche, der Pfarrer der evangelisch-kalvinischen, der Pfarrer der evangeltsch-lukherischen, der Erzpriester und Prediger der orientalische» und der Vikar der griechisch-unirten Kirche und zahlreiche andere Notabilitäten der Stadt und des Distriktes. Am 28. Juni, Nachmittags um 3 Uhr, erschienen beim Rabbiner zwei Deputirte des hiesigen Lesevereins und überbrachten demselben folgendes Dekret: Nr. 8. 1864. Aus der General-Sitzung des Fogaraser Lesevereins. An Seine Hochwürden den Herrn Distrikts-Rabbiner Dr. Jos. Jgn. Cohns Hier. Euer Hochwürden sind in Folge Protokoll-Beschlusses zum Ehrenmitgliede unseres Vereins ernannt. Die ergebenst Gefertigten unterstützen diesen Verein zur Hebung und Belebung des geistigen und geselligen Verkehrs und kennen bei unserm Wahlspruche ״Eintracht und Brüderlichkeit" keinen Glaubensunterschied, und da wir vorzüglich im geistbildenden Vorwärtsschreiten eines sichern Führers bedürfen, so haben die Gefertigten gleichzeitig mit Bezuguahme des erwähnten Protokolls Folio G ad 2 Cw. Hochwürdcn znm steten Präsidenten des genannten Vereins mit einem stürmischen dreimallgen Hoch erwält. Wir beehren uns Ew. Hochwürden dieses für uns freudige Ereigniß in Form eines Dekretes, das auch sub Folio protokollirt ist, bekannt zu geben. Mit der Nebrereichung des Dekretes find zwei Vereins-Vorstands- Mitglieder betraut. Wir bitten schließlich Ew. Hochwürden, dieselben wollen sofort in Begleitung dieser Herren den Präsidentensitz im Ver« einslokale einnehmen, wo alle Vereinsmitglieder Ihrem Kommen sehnsuchlövoll entgegensehen. FogaraS, am 28. Juni 1864. Der Vereinsvorstand: Heinrich Stcttner, Dr. der Medizin, Vizepräsident. Vereins-Sekretär: M. Steger. Ausschußmänner: Szäß, Advokat, Dauiel Schul, Josef Fleißig, A. Schweizer. M. Wachspreß. Gaya, 20. Znli. Von der Konferenz, welche die mährischen israelitischen Lehrer unter Vorsitz des k. k. SchulratheS Prausek im Oktober 1663 in Brünn, ohne vorausgegangene ,Besprechung mit Gemeinde und Rabbinat abhielten, erhielten Sie wol seiner Zeit Kunde. Sie werden auch aus dem Inhalte und Schluffe des geschlossenen Protokolls ersehen haben, daß die Versammlung der konferirenden Lehrer nichtsweniger anstrebte, als die völlige Autonomie und Unabhängigkeit des Lehrstandcs von Gemeinde und Rabbinat, nicht nur wie bisher, als Vvlksschnllehrer, sondern auch als Lehrer iu dkdrniois für diejenigen, die für diesen Unterricht geeignet und ihn zu ertheilen gewillt sind. Dagegen soll das Konkordat in seiner Glorie, soweit es das Schulfach betrifft, fortbestehen, und die Lehrer unter den schützenden Flügeln der katholischen Geistlichkeit eine Garantie gegen eventuelle Anfechtungen haben. Zum Glück ist unsere weise Negierung nicht so rasch mit der Ertheilung solcher Standesprivilegien auf Unkosten der Gemeinden und des JugenduntcrrichteS. Die hohe k. k. Statthalterei legte das Elaborat dem hohen k. k. Ministerium vor. Ich beeile mich, Ihnen den Inhalt meines diesbezüglichen heute erhaltenen Schreibens von dem mährischen LandeSrabbinate mitzutheilen: ״Euer Ehrwürden! In Folge hoher Weisnng des hohen k. k. Staatsministeriums vom 11. Jäner d. I., Z. 12966, wurde ich von der hohen k.k. Statthalterei aufgefordert, über das Protvkoll der am 14. Oktober 1862 abgehaltenen Konferenz der israelitischeu Lehrer Mährens bezüglich der darin enthaltenen Anträge meine