Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 30 (27.7.1864)
- Date
- 1864-07-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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609 610 ein hat sich in allen Gegenden, wo er bekannt ist, erweitert und befestiget. Er hat aber auch in solchen Gegenden Verbreitnng gefunden, wo er bisher unbekannt war: wir wollen von den muselmännischen Staaten und von Zentral-Amerika sprechen. Ein Zentral-Komits für die Türkei hat sich in Konstantinopel gebildet, welches, unter die Leitung der Vorzuglichsten Männer des Landes gestellt, schnell die allgemeine Aufmerksamkeit ans sich zog. Dank den Anstrengungen dieser Männer ist der Verein in der ganzen Türkei verbreitet. Au der äußersten westlichen Grenze der muselmännischen Welt, in Marokko, verdankt der Verein der Mitwirkung eines unserer Sache sehr ergebenen Agenten zahlreiche Mitglieder, zu welchen wir die hervorragendsten Mitglieder der Gemeinden gehören. Zenlralamerika gewährt uns ebenfalls eine mächtige Unterstützung. Die dortigen, nicht zahlreichen und von uns sehr entfernten Glaubensbrüder haben sich, indem sie derselben Sache ihre Dienste widmen wollen, um uns gruppirt. Sie haben Komitss gebildet, welche viele Mitglieder ge- Wonnen haben, und diese Komitä's zeigen uns an, daß sie im Begriffe stehen, die Bildung anderer Komitö's in allen israelitischen Zentralsitzen am stillen Meere hervorzurufen. Oregon und Nevada werden, wie uns versichert wird, nicht zögern, dem Beispiele Kaliforniens zu folgen. Der Erfolg unseres Werkes ist also in den entferntesten Ländern gesichert. DaS eben abgelaufene Jahr hat einen bemerkenswerthen Fortschritt in der Lage unserer Brüder bezeichnet. So hat die Schweiz einen entscheidenden Schritt auf der Bahn der Gerechtigkeit und der Freiheit gethan. Man erinnert sich, daß das vom großen Nathe des Kantons Aargau erflossene, und das Gepräge einer der Schweiz würdigen Freisinnigkeit tragende Emanzipations-Dekret im letzten Jahre durch ein Plebiscit, welches einigen finstern und fanatischen Maßregeln seinen Ursprung verdankte, abgeschafft wurde. Man protestirte in der Schweiz, und wir haben uns den Protestationen gegen das durch das Plebiszit hergestellte Regime angeschlossen. Der Kanton Aargau ist zu dem Gesetze zurückgekehrt, welches unfern Brüdern den vollen Besitz der bürgerlichen und politischen Rechte verleiht. Unsere Glaubensgenoffen haben, um sich der Stellung, die ihnen das neue Gesetz einräumt, würdig zu zeigen, eine höhere Gewerbeschule gegründet, welche den Bekennern aller Religionen offen steht. Die liberale Tragweite dieser Maßregel leuchtet Jedem ein. Die Alliance hat diese nützliche Schöpfung materiell und moralisch unterstützt. Das von unfern Glaubensgenossen in Aargau erlangte glückliche Resultat wird, wie wir hoffen, die Abschaffung jener Beschränkungen beschleunigen, deren Gegenstand die fremden Israeliten noch in gewissen Kantonen sind. Das aus der Stellung der einheimischen Israeliten geschöpfte Argument wird nicht mehr benützt werden können, um die gegen die Israeliten gerichtete Klausel aufrecht zu erhalten. Uebrigens haben wir Grund, zu glauben, daß die europäischen Regierungen die Beeinträchtigung ihrer Staatsangehörigen durch ungerechte Gesetze nicht zugeben werden. Die franzöfische Regierung hat förmlich versprochen, in den Handelstraktat mit der Schweiz eine spezielle Bedingung aufzunehmen, durch welche den französischen Israeliten die Integrität aller ihnen in Frankreich zukommenden Rechte garantirt werden soll. Ein früherer Administrator des Oberrheinö, Herr Zickel Kachlekn, hat, wiewol er nicht nnserm Kultus nngehört, über diese Frage eine gelehrte und warme Schntzschrift verfaßt, deren Veröffentlichung wir für nnserc Pflicht angesehen haben. In diesem Jahre hat Italien Unterhandlungen mit der Schweiz eingeleitet, aus denen ebenfalls ein Handelstraktat hervorgehen soll. Wir haben Sorge getragen, die Aufmerksamkeit des italiänischen Zentral-Komits'ö unseres Vereines auf diesen Gegenstand zu leiten. Dasselbe wird sich an die italiänische Regierung wenden, und wir zweifeln nicht, daß Jtalierr, treu seinen liberalen Traditionen, es, wie Frankreich und die Niederlande, für einen Ehrenpunkt ansehen wird, den Israeliten dieselben Rechte zu sichern, welche den anderen Unterthanen werden eingeräumr werden. Der israelitische Kulturverein zu Bukarest hat nicht minder die Dienste der Alliance in Anspruch genommen. Den Rumänischen Israeliten sind noch die politischen Rechte nicht zugestanden. Die Alliance hat zu ihren Gunsten an den regierenden Fürsten ein Gesuch gerichtet. Die Antwort des Fürsten, welche die Ernennung eines Israeliten zu Staatsdiensten enthält, ist ein den Rechten unserer Brüder gebrachter Tribut. Der Fürst hat seinen Vertreter in Paris aufgetragen, sich mit der Alliance in Verkehr zu setzen, und wenn es auch noch nicht möglich ist, die Abschaffung der unsere Brüder beschränkenden Gesetze zu erlangen; so sichern die guten Absichten des Fürsten dies für die Zukunft zu. Die Lage der Israeliten in Serbien ist viel Unglücklicher, als die in der Moldau-Walachei. Serbien hat die Israeliten in Folge einer praktischen Revolution derjenigen Rechte beraubt, welche ihnen durch Verträge garantirt wurden. Sie wurden aus den Städten im Innern des Landes vertrieben, und in ein miserables Stadtviertel in Belgrad verwiesen. Dieses Dekret wurde in dem Augenblicke der Restauration der regierenden fürstlichen Familie vergeblich wi- Verrufen; die serbische Nationalversammlung hat, der beklagenöwerthen Pression knausiger Gesinnungen kommerzieller Eifersucht nachgebend, seine Sanktion von Neuem den gehässigen Maßregeln verliehen, deren Ausübung unsere Brüder in entsetzliches Unglück gebracht hat. Die ottomanische Negierung, welche wir unter allen Umständen bereit gefunden haben, der Sache der religiösen Freiheit zu dienen, hat auf unser Ansuchen die lobenswerthesten Anstrengungen gemacht, um durch ihre hohe Autorität eine auf das unbewegliche und ewige Prinzip der Gewissensfreiheit gegründete Reklamation zu unterstützen. Andererseits haben wir uns an den Fürsten Michael selbst gewendet, dessen persönliche Gefühle unseren Brüdern volles Vertrauen einflößen, und wir haben Grund zu glauben, daß die Serbische Regierung den von der Pforte unterstützten Bitten unserer Brüder die gebührende Genugthuung geben werde. Ein Nachbarland gibt der Serbischen Negiernug hierin ein heilsames Beispiel. Die Ionischen Israeliten waren bisher nicht im Besitze der politischen Rechte. Der Senat der sieben Inseln hat ihnen dieselben durch einen feierlichen, freiwilligen Anschluß zugesichert. In der Ueberzeugung, daß sie den von ihr vertheidigten Interessen einen Dienst leistet, indem sie sich zum Dolmetscher von Gefühlen macht, welche solche Akte einflößen, hat die Alliance den Ausdruck ihrer Anerkennung der erleuchteten Versammlung unterbreitet, welche dem Prinzipe