Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 29 (20.7.1864)
- Date
- 1864-07-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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695 Inland. Kis-Zell, 89. Juni. Man hat Herrn S—n in Deßprim unter anderem in Nr. 25 des ״B. CH." den Borwurf gemacht, daß an der dortigen Schule tägliche sieben Unterrichtsstunden üblich seien. Gerecht wäre dieser Borwurf aber nur dann, wenn die Anordnung der Lehrzeit vom Lehrer abhinge. Bekanntlich muß aber der Meister der Schule in dieser Beziehung mechanisches Werkzeug sein, und hat sonst nichts zu thun, als zu gehorchen, wenn er sonst sich und die Seinen nicht in die unangenehme Lage versetzen will, eine unwillkürliche Wanderung antreten zu müssen. Es gibt jedoch außer Veßprim noch manche andere Gemeinde, wo mit den Unterrichtsstunden nicht gespart wird. Jeder Pädagog wird leicht einsehen, daß das Uebermaß der Lehrstunden nicht bloS der Phisi scheu Erziehung, — wie der ehrenwerthe W. Korrespondent meint, — sondern auch der Entwicklung des kindlichen Geistes und Gcmüthes schädlich ist. Die Volksschule soll ja nur eine Vorbereitungsanstalt sein. Diese Aufgabe soll und kann sie in der von der hohen Regierung festgesetzten Zeit lösen. Nichtsdestoweniger ist es eine traurige Wahrheit, daß namentlich an die jüdische Volksschule — in Ermanglung höherer Lehranstalten — von so mancher Seite Prätensioncn gestellt werden, die nur ins Bereich der letzteren gehören. Allein daraus ergibt sich nur die Frage, wie diesem Nebel abzuhelfen sei; keineswegs aber die Nothwendigkeit, durch verlängerten Unterricht den ungerechten Anforderungen Rechnung zu tragen. Der Bestand eines Mißbrauches beweiset nichts für die Zulässigkeit desselben. Die Korrepetierstundc hat zwar den Zweck, minder befähigten Zöglingen einige Nachhilfe zu leisten; sobald sie aber größere Dimensionen annimmt, so erscheint sie als Mißbrauch, und wird gewiß von der hohen Regierung und jedenfalls von wahren Schulnnd Jugendfreunden nicht gebilligt werden. Sprechen wir es unverholen und mit Hintansetzung aller persönlichen Interessen aus, daß ein allgemeiner Nachstunden-Unterricht in der Volksschule vom Standpunkte der Pädagogik in keiner Weise zulässig ist. Das für den Aufschwung der Volksschule an den Tag gelegte Streben des edlen Spenders würdigend, — glauben wir jedoch die Hoffnung ausdrücken zu dürfen, daß kein Lehrer sich bestreben werde, den ausgesetzten Preis zu erringen, und daß auch die zum Preisgerichte ernannten hochgeschätzten Herrn in Pest ein solches Ansinnen mit Euergie zurückweisen wrrdrn. Schöner wäre das Verdienst desjenigen, der die Frage lösen würde: ״Auf welche Weise könnte man die Gemeinden empfänglich machen für die Evidenz, daß die Anstrengung während eines zn lange» Schulunterrichtes der zarten Jugend körperlich und geistig nachtheilig sei?" Louis Müller, Hauptschnllehrer. N. Werfchetz, im Juni. Die Angriffe aus unfern verehrten Herrn Oberrabbiner Dr. Hirschfeld, — die hiesige Gemeinde gehört zu seinem Rabbinatssprengel, — haben durchaus nicht vermocht, unserer Sympathie und Anhänglichkeit zu dem edlen Seelenhirten Abbruch zu thun. Die Vorträge desselben, sowie sein ganzes ämtliches Wirken sind vollkommen geeignet, ihm die Liebe und Verehrung seiner Gemeinden zu sichern. Unser gebildeter Kantor, Herr Freisinger, fährt fort, die Gemeinde zu erheben nnd zu fesseln. Selbst christliche Besucher unserer Synagoge sprechen rühmend von der Weihe unseres Gottesdienstes. 1111־ sere zweiklassige Volksschule ist im blühendsten Zustande. Die Stadtgemeinde ist so freisinnig, daß sie 810 fl. nnd 3 Klafter Brennholz für die jüdische Schule beisteuert. Veßprim, im Juli. Die Mittheilung Ihres Raaber Korrespondenten bezüglich der hiesigen Schule bedarf einer Berichtigung. Nicht 7, sondern nur 6% Stunden werden an der hiesigen Schule 1111־ terrichtet. Dessenungeachtet kann uns das talmudische Wort: ״Bessere zuvörderst dich und dann bessere Andere" nicht treffen; weil der hiesige 596 Schulplan die wöchentlichen NnterrichtSflunben auf 86—28 beschränkt, denn es find bloS ö Unterrichtstage. An die hier üblichen 7 respektive 6% Unterrichtsstunden knüpft der erwähnte Korrespondent Fragen, die einer Erörterung werth sind, und da wir hierzu einigermaßen die Veranlassung gaben, so wollen wir auch-versuchen, dieselben zu lösen. Wir werfen hierzu noch eine Frage auf: Dürfen die Eltern vom Standpunkte der physischen Erziehung ihren Kindern gestatten, sich nach dem bemessenen Schulunterrichte noch eine Stunde täglich geistig zu beschäftigen? Die Antwort kann nicht verneinend gegeben werden. Da die Kinder in der Schule Aufgaben bekommen und vorschriftsmäßig bekomme» müssen, so liegt eö auf der Hand, daß ihnen Zeit eingeräumt werden muß, die Schulaufgaben anszuarbeiten, was ungefähr täglich eine Stunde in Anspruch nehmen dürfte. Daß es vom Standpunkte der vhysischen Erziehung statthaft sei, den Schulkindern bei ihrer Selbstbcschäftigung Nachhilfe zuleisten, wird gewiß kein verständiger Mensch in Abrede stellen können. Ebenso unzweifelhaft und evident ist, daß beim Ausarbeiten der Aufgaben die betreffenden Schullehrer am besten nachhelfen können und ihre Nachhilfe am ersprießlichsten sei. Ob die Nachhilfe im elterlichen Hause oder in der Schule geschieht, kann an der Sache nichts ändern. Die Hilfe, die die Schullehrer manchen Kindern bei ihrer Selbstbeschäftigung nach den vorgcschriebcneu Unterrichtsstundeu leisten, heißt man auch Korrepetitionsstunde. Hieraus folgt, daß die an Schulen üblichen Nach- oder Korrepetitionsstnnden nicht beanstandet werden können. Nur liegt der Grund der Statthaftigkeit derselben nicht in der Natur des Nachstunden-Unterrichtes, wie der Korrespondent Irrthümlich glaubt, sondern darin, daß der sechsstündige Unterricht noch eine siebente Lern- oder Wiederholuugs stunde fordert, deren Arbeit durch die Nachhilfe von Seiten der Lehrer bedeutend erleichtert wird, was der physischen Erziehung nur Vorschub leistet. Es ist demnach die Nach- oder KorrcpetitionSstunde nicht nur zulässig, sondern auch von diesem Standpunkte wünschenswerth. Und sowie es rathsam ist, daß Einzelne ihre Kinder diese wolthuende, die Physische Erziehung befördernde Nachstunde genießen lassen, ebenso ist es den Gemeinden anzurathen und anzuempfehlen, daß sie ״ein Abkommen treffen, nach welchem ganze Klassen an dem Korrepetitionsunterrichte theilnehmen und auch die Kinder nnvermöglicher Eltern dieserWohlthat theilhastig gemacht werden sollen." M. S—n, Hauptschullehrer. E. Prag, im Juli. Die hiesige israelitische Becrdigungsbrüderschast ה״ק וג״ה beging am 5. d. M. in der Klaus-Synagoge die Feier deö 300jähr. Bestehens dieses Vereines und auch die Gcmeindegliedec (es wurden viele derselben als Ehrengäste geladen) sahen diesem Tage mit Verlangen entgegen. Der DereinSvorstand bot sein Möglichstes auf, um die Feier zu einer erhebenden zu machen. In der fünsten Stunde des Nachmittags waren die Hallen der hellerleiichteten Synagoge bereits gefüllt. Der Obcrkanlor der Tempelgcmeinde, Herr PereleS, trug unter Beglei- Hing seines gut geschulten Chores das Ma tobu- und Minchagebet vor. Dann bestieg der sehr würdige, allgemein verehrte greise Obcrrabbiner Rappoporr die Kanzel und hielt eine kleine aber gehaltvolle Rede, in welcher er über die Zeit des Entstehens von Vereinen dieser Art — הברה קדושה — *) und dann über den in Rede stehenden sprach. Der ehrwürdige Redner wies darauf hin, wie unsere väterliche Regie- *) Der erste Redner nannte im Vortrage den Verein 'הברה קרושה, der zweite הבורא קדישא• Beide Benennungen sind richtig. Gelegenheitlich machen wir hier die Bemerkung, daß von dem wacker» Mitarbeiter des ״Mewasser", von dem gelehrten Herrn Rubin, in der jüngst erschienenen Nummer desselben (eigentlich im Beiblatte, im ״Nescher") in der Biografie des מהדשא irrthümlich zweimal ההברא קדישא geschrieben wurde. Mit dem bestimmten Artikel schreibt man entweder ההברה הקדושה oder חבורתא קרי שהא•