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Ben Chananja · 1864-07-13 · 28 (13.7.1864) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
28 (13.7.1864)
Date
1864-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 28. Siefienter Jaljtgang. Sjcgcbin, Den 13. IM IM. Jeden Mittwoch erscheint ein Bogen. Präniimerattonsprets: Ganzjährig 7 fl.. ftaiOf. 3 fl. 50 kr., vierrclj. 1 fl. oft. W. Einzelne St ummern t S kr. Man aboninrl bei allen Postämteru n. Buchhandl,tilgen des Innnd Auslandes. m Glruiulchrr. IVocheubtatt für jüdische Theologie. Herausgeber und Redakteur: , JLÖW.,. Oberrabbiner zu Szegedin. Inserate find and.Redaktion in SzegediN oder an Hrn. Jriin,) MiIflM in bMl'fl zu senden. Die Lsvaltige Peiiizeile wird mit 10 Nkc. —2 Sgr. berechnet. tte-al!tlo»: 3 Kronen-Gasse, Politzer'scheS Hans. Inhalt. Der Jsraelite als Grnndbeflker und Oekonom in Ungarn. Vom Herausgeber. -- Was war, was ist und was sott der Rabbiner sein? Vom Herausgeber. — Amtöinstrnktio» für den Rabbiner in Brünn. — ärorrefpondenz. Ausland. London (Die Brüder Günzberg in Paris. Von L. D.) Inland. Wien (Jellinek. I. H. Weiß. Mühsam. Rabbiner Brill) Pest (Friedmann nach Berlin berufen. — Veßprim (Erklärung) Literälische Anzeigen. Geigers Vorlesungen über das Juventhum nnv seine Geschichte. Angezeigt von K. — Frage, Akiba ans Ösen betreffend. — Inserate. — Bemerkniigei: — Berichtigung. Der Jsraelite als KmrbSescher und Monom in Angarn. Unter dieser Ueberschrift brachten die offiziellen ״Uugariscken Nachrichten" vom 3. d. M. Nr. 150. einen ausführlichen Leitartikel, in welchem den ungarischen Juden solgende sieben Pflichten aus Herz gelegt werden: 1. der vaterländischen Bodenindustrie möglichst viel Kapital zuznwenden; 2. die erworbenen Grundstücke selbst zu bewirthschäften; 3. einen jüdischen Bauernstand zn schaffen; 4. jüdische Ackerbauschulen zu gründen; 5. Söhne der jüdischen Geldaristokratie zu Oekonomen zu erziehen; 6. die vorhaudenen ökonomischen Lehr- und Bilduugöaustalten des Landes aufs wärmste zu unterstützen; 7. den Landwirthscbafts-Vereinen als thätige Mitglieder anzugehören. In der Einleitung zu diesen sieben Punkten versichert der Verfasser des sraglichen Artikels, er sei kein Elnanzipationsfanatiker, kein Verfechter der Emanzipation um jeden Preis; vielmehr ist er der Meinung, daß die Frucht der Emanzipation allmälich reifen müsse. , Unseren Lesern brauchen wir nicht erst zu sagen, daß den gebildeten Inden der Gegenwart nichts in der Welt schmerzlicher berührt, als die scheinbare Großmuth, welche ihn allmälich emanzipiren will. In dem feudalen Ungarn, welches die Nichtadeligen vom Genüsse aller politischen Rechte' ausschloß, und wo die Juden sich entschließen mußten, die Toleranzsteuer abzulösen (1846), konnte der rn« higer denkende Jude sich allenfalls mit dem Gedanken befreunden, daß seine Emanzipation, wie die des Bauern, nicht durch Einen Ausspruch der Gesetzgebung, sondern durch eine lange Reihe legislativer Maßregeln ins Leben treten müsse. Das feudale Ungarn eristirt aber nicht mehr! Und in dem demokratisirten Ungarn muß selbst der besonneuste, kaltblütigste Jude aus der Fassung kommen, wenn man, wie in vorliegendem Artikel geschieht, die Ausdehnung der vollen Gewissensfreiheit auch auf die Juden als ״kü n st« liche Treib Haus Hitze" bezeichuet, welche die Früchte der Emanzipation nur ״verderben" würde! Wer, wie die ״Ungarischen Nachrichten" von einem tadeluSwerthen Emanzipationö-Fanatismuö spricht, gibt deutlich genug zu erkenne», daß er das Recht der Juden, die volle Emanzi- Patiou zu fordern, nicht anerkennet; denn wer nichts mehr, als die Gewährung des ihm zukommeuden Rechtes beansprucht, kann wol nicht für fanatisch gehalten werden! Die Weigerung, dieses gute Recht, dessen Forderungen in den gebildetsten Staaten vollständig realisirt sind, anzuerkenne», kann bei dem gebildeten Juden nichts Anderes hervorbriugen, als — Erbitterung! Diesem Gefühle hat nun eine sehr gewandte Feder im ״Pester Lloyd" vom 7. d. M. Nr. 153. auf eine sehr euergische Weise Wort und Ausdruck gegeben. Indem wir die Einrede des wackern Verfassers unbedingt unterschreiben, können wir's uns nicht versagen, über den theoretischen und praktischen Inhalt des widerlegten Artikels die ״Ungarischen Nachrichten" Folgendes zu bemerken: ״Nur derjenige hat wirklich ein Vaterland", heißt es in diesem Artikel, ״der, an die Scholle gebunden, diese mit aller Liebe umfaßt, und die ih m um so theurer wird, je mehr Schweiß und Arbeit sie ihn kostet." An die Schotte gebunden: glebae adscriptus! Auf diese Weise haben nur leibeigne Bauern, die in Wahrheit an die'Scholle gebunden sind, wirklich ein Vaterland, während ein Franz Deäk, welchen die Scholle niemals Schweiß und Arbeit gekostet hat, und der in diesem Augenblicke vielleicht nicht einmal eine Scholle besitzt, sich nicht rühme» kann, wirklich ein Vaterland zu haben! Ist den ״Ungarischen Nachrichten" jemals eine nnsinnigere Absurdität vorgekommen? Ueberhaupt stehen die ״Ungarischen Nachrichten" noch auf einer tiefen Stufe ethischer und politischer Erkenntnis,

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