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Ben Chananja · 1864-07-06 · 27 (6.7.1864) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
27 (6.7.1864)
Date
1864-07-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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565 566 Warme und kalte Predigten, verständige und wahnsinnige Filosofeme, kluge und närrische Resterionen haben sich in unübersehbarer Menge um die Bibel seit Jahrhunderten gelagert. Sie begegnen sich in dem Bestreben — daS talmudische Gleichuiß festhaltend — Das geruchlose Oel zu parfumiren. Wir haben hier das Wort Allegorie nicht genannt. Der Leser weiß von selbst, daß davon die Rede ist. Es tragen diese Auslegungen die Geschichte der Zeiten in sich. Menschliches muß sich au Göttliches lehnen. Es ist dieses ein Stück der Geschichte der Menschheit. Die soeben erwähnte — in den Worten des Midrasch charakterksirte — Bestrebung könnte wol auch in die Klaffe der höheren Stimmungen gerechnet werden. Es ist dieses jedoch nicht die Richtung, worauf wir jetzt die Aufmerksamkeit des Lesers lenken wollen. Es sind unsere höheren Stimmungen, welche sich zum Leser vordrängen wollen, es sind die h ö her en St imm ungen der alten Zeiten, verschieden in Form zwar, die sich dem Urtheil in ihrer Einheit zeigen. Das Buch Mußare Hal-Filosofim 5 6 7 8 *) enthält interessante Sprüche aller Art, sowie allgemeine ReflerionenO) nach vielen Richtungen hin. Es enthält dasselbe auch Unterhaltnngen der Filosofcu über die Weisheit selbst. Das Wort Weisheit ist vieldeutig und vielverzweigt. Es war daher ganz natürlich, daß eS im Allgemeinen Gegenstand der Besprechung war. Seneca ist der Schatzmeister der Sprüche und Anschauungen der Filofen. Sprüche des Talmuds und des ״Mußare" bilden oft ein Kleeblatt, dessen Berrachtung für den Forscher nicht uninteressant sind. ד) Kapitel 6 des ״Mußare" (Hauptstück I) enthält viele Gedanken über Weisheit im weitesten Umfange des Wortes, und ist ganz besonderer Aufmerksamkeit werth. Wir lassen eine Stelle daraus in der Uebersetzung folgen. Es enthält dieses Kapitel Andeutungen von überschwenglichen Geheimnissen, Ertasen, in Ansdrücken, welche nicht allzuweit von der Sprache des täglichen Lebens entfernt sind. Die Stelle lauter wie folgt: ״Mit edlen Seelen und reinen Gedanken gelangen die Herzen zu dem geistigen Aether des Verstandes^) und steigen zum Reiche des Lichtes empor, zu verborgener 5) In unferm bc n Gabirol (S. 38 F.) haben wir über dieses Buch ausführlich gesprochen. 6J Wir liehen gelegentlich diesen Satz hier aus (II, 17) I־OVD הנעצב הנאה לדאגתו Die allem Anscheine nach ursprüngliche Quelle dieses Gedankens mag zugleich auch als Uebersetzung desselben dienen. MetrodoruS sagte: es ist eine Verwandtschaft zwischen Traurigkeit und Vergnügen ,c. rc. (Seneca Briefe Nr. 99.) 7) Ein solches Kleeblatt ohne irgend eine literarische Zuthat setzen wir hieher: ״Ich habe Schiffbruch gelitten. Denke nicht, was d n verloren hast, sondern, daß du entkommen bist. (Nachlese zu S enecas Schnften)אותו n&n תזכרי הגלים שעברו עליך Sn יום שפולטת מהם (Schemorh Rabba Kap. 19)לא נכק לאדם להטריח לבו במה שאבר ממנו אבל צריך לשמור מה שנשאר לן (Mussare II. 2.) Es ist dieses das Allgemeinste des Gedankens- Eine gute Zusammenstellung des Seneca mit dem Talmud wäre eine ebenso interessante als nützliche. 8) Hebräisch לאזיר השכל הרוחני• Es darf gelegentlich hier auch aufmerksam gemacht werden, daß im ערובת הבשם des Moses Leu Esra (Zion II S. 186) sich der Ausdruck ישכל ר ותני findet. Kraft, welche die Grenze umgibt, und ergötzen sich in den Gefilden der Intelligenz, welche rein von aller trüben Mischung sind. Wenn sie (die Seelen) rein sind, so leben sie ein geistiges Leben, welches keinen Verlnst erleidet und keiner Vernichtung unterworfen ist. Der Grund kehrt zum Grund zurück. °) Das Reine vereinigt sich mit dem Reinen (ויתאהר הוך בוך) Das Trübe kehrt zum Trüben zurück. Dann werden die Herzen die verborgenen Geheimnisse sehen und sich sicher fühlen im Besitze dessen, was sie von den Wissenschaften erworben haben, mit der Kraft der Gedanken, mit der Einheit der Vorstellungen und mit der Gemeinschaft der Ansichten." Die angeführten Zeilen haben dem ersten Anscheine nach nichts in sich, was die besondere Aufmerksamkeit des Lesers in Anspruch nehmen könnte. Eine nähere Betrachtung derselben zeigt aber, daß sie für geschichtliche Anschauung reichlichen Stoff enthalten. Die Anschauung von שכל הפועל (dem thätigen Verstand) mit allen seinen zahlreichen Verzweigungen hat eine große Rolle gespielt. In den angeführten Worten ist der שכל הפועל — ohne genannt zu sein — genau und charakteristisch bezeichnet. . Es enthalten diese Worte die Grundlage der Anschaumigen, welche den Sufismus bildeten und verwandter Ideen, welche als rein menschlich sehr ehrwürdig sind. Es dürfte das bezeichnete Kapitel als die Blüthe des ganzen Buches zu betrachten sein, sowie dieser Satz die Blüthe dieses Kapitels sein möchte. Das Innerste dieses Satzes bilden die Worte 10);ויתאחד הזך בדך Diese Worte, menschlich im höchsten Sinne des Wortes, waren und sind der Stempel edler Naturen. Der Ausdruck שכל הפועל hat sich erst später bei den Arabern einheimisch gemacht und nach allerlei Richtungen hin sich bei Arabern sowol, alö bei den ihren Fnßtapfen folgenden Inden — tief eingreifenden und langdauernden Einfluß verschafft. Alfarabi") — der Zeitgenosse des SaadiaS © 110 n — betrachtet den שכל הפועל als höchste geistige Glückseligkeit und als letzten Zweck und letzte Bestrebung der Höhen! menschlichen Natur. Wie die Geschichte ist diese Anschauung — in sich sehr edel und erhaben — keine ursprünglich mohamedanische Anschauung, sondern durch das Bekanntwerden mit der alten griechischen Filosofie griechischen Filosofen entnommen. Sie kommt bei den meisten mohame da nischen Filosofen oft vor. 12) (Fortsetzung folgt.) >Jm"Hebräischen וישיב היסוד ליסוד ben Gabirol in feinem מקיר הי״ם spricht viel von יסוד und in diesem Sinne ist es auch hier zu nehmen. Zu! כתר מלכות ist Gott יסוד (der Grund) genannt. Der allgemeine Sinn der Worte hier ist der Grund (die Seele) kehrt zum Urgrund (Gott) zurück. Die Seele ist der Urgrund der kleinen Welt (pp ׳ (עולם Gott der Urgrund (יסיד) aller Dinge. '") In diesem Buche (1,׳'S), findet sich auch ויגיע הזך בזך• Ts mag hier zugleich bemerkt sein: in dem intereffanteu Werke משכיות כסך des Josef ben CaSpi (S. 145) finden sich die Worte ויבא הזך בך welches בזך heißen muß. ״) In dessen התחלות הנמצאות öfter. יי) Bergl. Sharastani I, S- 64 D'Herbe lo! (Art. Gen oh) findet sich manches Hiehergehörige. Druck von Sigmund Borger in Szegcdin.

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