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Ben Chananja · 1864-06-22 · 25 (22.6.1864) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
25 (22.6.1864)
Date
1864-06-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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511 512 Gemeinden verlangen. Zu derselben Doktrin bekennen sich aber stillschweigend auch die betreffenden Gemeinden, indem es ihnen nicht in den Sinn kömmt, gegen daö Vorgehen ihrer Nabbinen Einsprache zu erheben. Sowol ältere als neuere Rabbinen blickten [affo nach der Aaronidischen Hierarchie als nach ihrem Ideale. Die Orthodoxie würde sich auch kaum entschließen, den so oft wiederholten Satz zu nnterschreiben: das Judenthum kennt keine Hierarchie! Diesen Satz und dessen Genesis werden wir später zu beleuchten haben. Hier beschäftigt uns nur die Frage: Ist die Institution des Rabbinerthums wirklich eine Tochter der Institution des Priesterthums, und hatte ersteres die Bestimmung, letzteres zu ersetzen? Diese Frage muß entschieden verneint werden. Wie die Synagoge nicht den Jernsalemischen Tempel ersetzte, da ja Synagogen schon vor der Zerstörung des Tempels inner- Halb und außerhalb des heiligen Landes blühten; so ersetzte der Rabbiner auch nicht den Priester. Das Priesterthum stand noch in voller kultueller Wirksamkeit, als das Rabbinerthum sich kräftig entwickelte. Letzteres trat bei mehr denn einer Veranlassung gegen jenes in die Schranken. Und wie in neuerer Zeit das Predigerthum sich nur erheben konnte, weil das Rabbinerthum der Verkommenheit anheimgefallen war; so konnte sich im Alterthum das Rabbinerthum nur aus den Trümmern des geistig verkommenen Priesterthums zu der Machtfülle seines Einflusses erheben. Letzteres suchte Schutz unter den Flügeln der obrigkeitlichen Gewalt; ein Gleiches thut in manchen Ländern, wie in Ungarn, das Rabbinerthum in unseren Tagen. Das Verhältniß des steigenden Nabbinerthums zu dem sinkenden Priesterthume läßt stch in seiner geschichtlichen Entwicklung genau verfolgen. In der Zeit des Profeten Chaggai wurde die ausschließliche Kompetenz der Priester, über Ritualgesetze zu entscheiden, allgemein anerkannt (2, 11—13.) Die Frage, ob die zur Erinnerung an die nationalen Katastrophen eingesetzten Fasttage selbst nach der Wiederherstellung des Tempels zu beobachten seien, wird in jener Zeit zwar auch an die Profeten, aber in vorderster Reihe an die Priester gerichtet (Zach. 7, 3.) Der schriftgelehrte Restaurator des Gesetzes, Esra, ist Priesters der mit ihm gemeinschaftlich wirkende Nehemia spielt gar nicht die Rolle eines Gesetzeskundigen. Unter Artarerres Longimanus, in dessen Regiernngszeit (465—424) die meisten Forscher Esra wirken lassen, scheinen die Priester noch immer die geachteten Vertreter der Thora gewesen zu sein. Die drei Jahrhunderte hingegen, welche zwischen ׳Esra und der Hasmonäischen Schilderhebung liegen, zeigen einen tiefen Verfall der Priester und des Priesterthums. Schon Maleachi macht den Priestern bittere Vorwürfe wegen ihrer Verletzung des Gesetzes und ihrer Geriugschätzung des Altars. Ja, er spricht es unumwunden aus, daß ״die Priester verächtlich und nt'edrig sind vor allem Volke (2, 9)." DäS Ansehen der Priester muß in der öffentlichen Meinung noch tiefer gesunken sein, als im letzten Jahrhundert der Persischen Zeit, unter Artarerres Mnemon, der Hohepriester Jochanan sich so sehr vergaß, daß er seinen, nach der hochpriesterlichen Würde strebenden Bruder, Josua im Vorhofe des Tempels erschlug. Die Erbitterung, welche dieser Brudermord hervorrief, war um so allgemeiner, als das ganze Volk dafür verantwortlich gemacht wurde, und der Persische Feldherr BagoseS sieben Jahre hindurch eine drückende Strafkontribution von den Juden erheben ließ. Ein Aergerniß anderer Art gaben im Verlaufe dieser Periode zwei Sprößlinge aus dem hochpriesterlichen Hause, indem der Eine, Manasse, der mit einer Samaritanerin in gemischter Ehe lebte, im Norden, und der Andere, Onias, im Süden, im Widerspruche mit dem Gesetze neue Tempel für den Opferkultus gründeten und einrichteten. Und wenn auch der Oniastempel ohne Vergleich milder beurtheilt wurde, als der Tempel auf dem Gerizimberge, gegen dessen Anhänger auch stammliche Antipathien vorwalteten, so konnte cs doch dem Hochpriesterlichen Hause nichtsweniger als zur Empfehlung gereichen, daß sich gerade seine Schoßlinge an die Spitze der Opposition gegen Jerusalem stellten. Wie konnte aber das Geschlecht der Priester geachtet und beliebt sein, wenn die Hochpriesterliche Familie den heiligsten Gefühlen der Nation Hohn sprach? Der Steuerpächter Josef, Schwestersohn des Hohenpriesters Onias II., nimmt keinen Anstand, an der Tafel des Königs Ptolemeus Evergetes zu speisen (Jos. Alterth. XII. 4, 3). Unter Antiochus Epifanes kannte die Unverschämtheit der Hierarchie in Jerusalem gar keine Grenzen. Josua, der Bruder des Hohenpriesters Onias III., nahm in feiger Verachtung der eigenen Nationalität den griechischen Namen Jason an, und raubte, das bestehende Recht verhöhnend, seinem Bruder die Hochpriesterliche Würde. Menelaos, sein Bruder, verdrängte ihn und zwang ihn zur Flucht, indem er sich vor den Syrischen Machthabern als noch eifrigerer Gräkomane gerirte, und sich anheischig machte, nur griechisches Gesetz in Jerusalem gelten zu lassen, und für die Hochpriesterliche Würde 300 Talente zu bezahlen. Aus der ganzen Reihe der Hohenpriester der in Rede stehenden Periode ragt ein Einziger hervor, dessen Persönlichkeit Achtung gebot: Simon der Fromme. Auf den alten Streit, ob Simon I., der Nachfolger Onias I., oder Simon II., der Nachfolger Onias II., der verehrte Hohe- Priester war, haben wir hier nicht weiter einzugehen. Wir beschränken uns nur auf die Bemerkung, daß es nicht auffallen kann, daß der Titel des Frommen nur einem Hohen- Priester dieser Periode beigelegt wurde. Die öffentliche Meinung hatte eben keine Ursache, auch einen andern Hohen-

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