Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-05-18 · 20 (18.5.1864) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
20 (18.5.1864)
Date
1864-05-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543142--3677-2547576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Beilage zum ״Ben Chanauja" Ne. SO. Namen des Vereines ״Verein für Krankenpflege und Leichenbestattung" sagt der Bericht, fand die Verwaltung ihre Aufgabe in doppelter Mich« tung vorgezeichnet, einerseits nämlich die erkrankten Armen durch liebreiche Gewährung von HeilungS-, StärkungS- und Nahrungsmitteln, womöglich dem Leben zu erhalten, und anderseits die Dahingeschiedenen auf eine würdige Weise zur Ruhestätte zu bringen. Nach beiden Michtungen hin find die Leistungen des Vereines in stets steigernder Zunähme begriffen, und wird doch durch die Vergleichung der Ausgabs« rubrike» in den beiden letzten Zähren von selbst einleuchtend, so z. B.: An Spenden für heimische und durchreisende Erkrankte anno 1862 456 fl. 10 kr. — anno 1863 665 fl. 12 kr. Für Verköstigung und Koschcrkostverabreichung anno 1662 90 fl. 15 kr. — anno 1863 aber 153 fl. 45 kr.; an Krankenkosten und Medikamenten: anno 1862 90fl. 15 kr. — anno 1863 aber 146 fl. 86 kr.; für Bestattung gänzlich Mittelloser: anno 1862 161 fl. 4 kr. anno 1863 hingegen 179 fl- 67 kr.; für Baureparaturen und Gärtnerarbeiten auf dem Gottesacker: anno 1662 295 fl. — anno 1863 aber 1097 fl. 67 kr. Letztere Mehrausgabe begründet der Verein damit, daß hierdurch der Friedhof, der vor einem Zahre noch einen Auge und Gemüth verletzenden Anblick bot, nun in eine angemessene Stätte des Friedens umgewandelt wurde, die dazu geeignet ist, in das Gemüth des Eintretenden die trostreiche Idee an den seligen .Frieden und an die heitere Ruhe des jenseitigen Lebens einzuflößen. Erfreulich ist es auch, aus dem Berichte zu entnehmeu, daß die meisten jüdischen Aerzte dem Vereine zuvorkommend ihre Dienste angeboren und allen Armen unentgeltlich den ärztlichen Beistand leisten, wofür sie von der Verwaltung zu Ehrenmitglieder» ernannt find. Ze erhebender und erfreulicher aber dies Alles auf uns zu wirken im Stande ist, desto mehr müssen wir eS bedauern, daß ähnliche Berichte nicht schon früher veröffentlicht worden sind. Wie Viele in der hiesigen Gemeinde haben bisher den Verein bloS von der traurigen Seite, von dem schmerzlichen Momente der Leichenbestattung und aus den bei dieser Gelegenheit erhaltenen Eipensnoten gekannt! Wie Wenige haben bisher eine Ahnung von der wohlthätigen Wirksamkeit des Vereins gehabt! Gewiß können wir behaupten, ׳ wäre das bedauerliche Mißvcrhältniß zwischen der bedeutenden Anzahl der Gemeindegliedcr bis 500 und der geringen Anzahl der Vereinsmilglieder 156 nicht eingetreten, wenn solche Berichte früher veröffentlicht worden wären. Gewiß, wenn alle Institutionen unter dem Lichte der Oeffeutlichkeit erst zur gedeihlicheu Entwicklung gelangen; ,so können, Wohllhätigkeitsanstaltcn dieses Lichtes am allerwenigsten entbehren, und sind die geringen Kosten der Veröffentlichung nur die Aussaat, die eine tansendfache Ernte erwarten läßt. Schon beginnt dieser Bericht viele Gemeindegliever zum Beitritte anzuregeu und wir können hoffen, daß der Verein im nächsten Zahre wenigstens eine doppelte Anzahl Mitglieder haben, und daß es ihm gelingen werde, die im Berichte ausgesprochenen Wünsche, die Anlegung einer festen Straße zum Gottesacker, die Erbauung einer festen Halle zur Abhaltung des Hazurtomim-Gebetes und der Leichenreden und namentlich eine größere Quote für die Spendenbetheiligung, zum Theile wenigstens schon im nächsten Jahre zu realisireu. Bei dieser Gelegenheit können wir nicht unerwähnt lassen, wie splendid der hiesige Kultusvorstand am vergangenen Peßachfeste gegen die armen Studirenden allhier sich bewiesen hat. Durch das im heurigen Schaltjahre so späte Eintreffen des PeßachfesteS konnten die fremden israelitischen Schüler nicht, wie gewöhnlich, dieses hohe Fest im Kreise der Anverwandten zubringen, und es trat die Nothwendigkeit ein, die Armen mit der nöthigen Peßachkost zu versehen. Auf Ansuchen des Herrn Professors Stößel hat auch der Vorstand das כל לכסון ייתי ויכול im vollsten Maße geübt und beinahe 70 Studirende mit allem auf P,fläch Röthigen versorgt. Einen wohlthuenden Eindruck machten besonders die ersten zwei Festabende, an denen den Jünglingen von ihrem Lehrer im Beisein des Vorstandsmitgliedes Herrn Bloch nnd mehrerer Anderer das Seder gegeben und erklärt wurde. Bei erhebender Ansprache, Gesang und Wein wich bald bei der Jugend die Sehnsucht »ach dem Elternhause und sie erkannte die Wahrheit des ihr zugerufenen Satzes כל ישל^ אחים daß der Jude unter seinen Glaubensgenossen immer brüderliche Aufnahme findet und bald sich heimisch fühlt. Noch ist von hier die erfreuliche Thatsache zu berichten, daß die Kultusrepräsentanz ihre Sitzungen bereits als öffentliche erklärt und die Gcmeindemitglieder durch Verkündigung im Gotteshause hierzu eingeladen hat. Der Sitzungssaal ist bereits hierzu adaptirt, und findet nächsten Donnerstag die erste öffentliche Sitzung statt. Der Zuhörerraum ist wol nicht sehr groß, er faßt bloS 30 Plätze, allein diese Beschränkung floß nicht ans dem Willen der Kultusrepräsentanz, sondern hat einfach in der geringen Räumlichkeit des, Saales ihre» Grund. Doch der gute Anfang ist gemacht und sollte fich mit der Zeit die Nothwendigkeit für einen größeren Zuhörerraum Herausstellen, so wird fich auch ein größerer Sitzungssaal finden. Eingesandt. Vffener Sries an Herrn S. Azantü, Xcdakleua der ״Acujckt." Durch Ihre bissige Bemerkung zu dem Referate aus WaräSdin in Nr. 18 Ihrer Zeitschrift habe ich die Ueberzengung gewonnen, daß auch Sie zu den NichkSlernenden und NichtSvergessendeit gehören. Es ist noch aar nicht lange Her , daß Sie sich durch Ihr hämischeS, tückisches mw, aburtheilendes Wesen die Anwartschaft auf eine ReligionSlehrerstelle kn der angesehensten Gemeinde des österreichischen Staates verscherzten nnd verwirkten, und man hätte glauben sollen, der alte Schulmeister habe sich diese Lektion wol gemerkt. Allein dem ist nicht so. Sie verharren nach wie vor auf der Bahn Ihrer alten Unlügenden und hören nicht auf mit dem Gifte Ihrer tückischen SarkaSmen öffentliche Personen, ja ganze Gemeinden und Körperschaften zu bespeien, zu begeifern und zu besudeln.; Sie stießen in die Lärmposaune, weil ich'S gewagr, mich um die Rabbinerstelle zu WaraSdin zu bewerben; aber sagen Sie mir doch, lieber alter Schulmeister, welches Unrecht sollte ich denn begangen haben, daß Sie erzürnt die Strafruthe über mich schwingen? Zn WaraSdin brach ein Streit zwischen der Gemeinde und dem Rabbiner aus , benachbarte Rabbiner und Gemeinden legten sich ins Mittel, versuchten die Streitenden auszugleichen und zn versöhnen, doch vergebens! Der Bruch ließ sich nicht aufhallen. Die Gemeinde schreibt nun zu wiederholten Malen den Konkurs aus; habe ich nun unter solchen Umständen und Verhältnissen durch meine Bewerbung um den für Herrn Rabbiner Längsfelder absolut unhaltbar gewordenen Rabbinatö- Posten etwa verstoßen gegen Recht, Humanität: oder gute Sitte? Was, lieber Herr Schulmeister, berechtigt Sie überhaupt, fich in fremde Angelegenheiten zu mischen und als Sittenrichter sich aufzuwerfen? Wenn Sie nicht durch den Balken in den eigenen Augen bereits aller Sehkraft beraubt sein sollten, würde ich Ihnen rathen, in sich selbst zu blicken, die an Ihrem Wesen haftenden Schäden erst aufzusuchen: "קשוט עצמך ואח״כ קשוט אוזלים." Sie unterfangen sich, mir das gründliche Nachlesen des Kap. 9 im Buche der Richter zu empfehlen; ich aber glaube eher berechtigt zu sein, Ihnen den alten Witz ״הלא אם קטן אתה — בעיניך ■לאש שבטי ישלאל אתה" vor die Seele zu führen, denn Sie maßen fich ja an, sich als Vertreter und Führer der Neuzeit zu geriren, während Sie von derselben sich nichts angeeignet haben, als das sogenannte Bramarbafiren: traurig genug, daß es noch Leute gibt, die Ihrer Fahne folgen. ' כל לגו לעיא על ענא עבל לנגלא סמייתא Es wird Ihnen wol noch erinnerlich sein, lieber Herr Schul- Meister, denn von da stammt ja Ihr gegen mich gehegter Groll her, daß ich bereits im Jahre 1861 im ״Ben Chananja" Ihre Zeitschrift als eine ge mein schädliche bezeichnete; heute stellt es sich aber her-, aus, daß dieselbe anstatt ״Reuzeit" der ״Bullenbeißer" heißen sollte Dixi. Kuttenplan, 9. Mai 1664. Dr. M. Fein, Rabbiner.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.