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Ben Chananja · 1864-04-06 · 14 (6.4.1864) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
14 (6.4.1864)
Date
1864-04-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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301 302 die Selbstbeherrschung ist das tiefste Gehetmniß alles Sieges, der Inbegriff alles Glaubens. Die Frommen, sagen unsere Weisen haben das Herz in ihrer Gewalt, doch die göttlichen Dinge stehen unter der Gewalt ihres Herzens, denn es heißt: ^ויאמר המן מלב er that alles nur im Zwange seines Herzens — ja יך־ן DD מי יל על hat der Geist die Herrschaft über daö Fleisch, liegt die Macht am Throne Gotteö, da kämpfet gegen Amalek von Geschlecht zu Geschlecht. VH. Es sollte aber dies unzeitige Festgelage auch Hamans Schadenfreude offenbaren, und diese das böse Verhängniß von Israel abwenden, Gottes Zorn in Gnade und Erbarmen umwandeln und Israels Erlösung befördern, denn die heil. Schrift sagt: ״Fällt dein Feind, so freue dich nicht, strauchelt er, so laß dein Herz nicht froh werden, denn Gott sieht'ö und cs mißfällt in seinen Augen, und er wendet sein Unglück von ihm ab." Ach hütet Euch nur vor solcher Schadenfreude, vor solchem Frohlocken über das Unglück Eurer Freunde; und könnet Ihr es auch nicht bis zur Großmuth bringen, so weidet Euch doch nicht am Anblicke des Elends, denn noch ist es nicht aller Tage Abend; rühme dich des morgenden Tages nicht, denn dn weißt nicht, was heute geschieht, noch hält das Nad des Schicksals nicht inne in seinem Umschwunge und stürzt und erhebt heute diesen, morgen jenen, noch steht das Flammenschwert des unerbittlichen Verhängnisses vor dem Paradiese deS Lebens nicht st'lle in seinem Umwälzen — 0 wieget Euch nicht im stolzen Selbstbewußtsein ein, Euren inner« Feind, der mit jedem Tage sich erneut, schon ganz besiegt zu haben. ״Als einst die Israeliten im rothen Meere. waren, da wollten die Engel Lobgesänge anstimmen, doch der Herr sprach: Meine Kinder sind im Meere versunken, ich will keine Gesänge hören; so lange Ihr auf der gefahrvollen Bahn des Lebens begriffen seid, so könnt Ihr keine Siegeslieder und Triumphgesänge anstimmen. מי יד על מסיר f° lange die Allmachtshand das Leben Euch spendet, führet Krieg gegen Amalek von Geschlecht zu Geschlecht. VIII. Es habe aber die Königin durch die dem Haman erwiesene Gnnstbezengung auch die Eifersucht des Königs erregen, den Neid der Fürsten aufstachelrr, sich und Haman dem Tode preiögeben wollen, damit auch dadurch dessen Mordbefehl abgewendet und Israel gerettet werde. O erwerbet Euch diese Kriegskunst, lernet Euren Feind durch den Feind selbst besiegen, o benützet selbst die hohen Triebe und Neigungen nur zum Guten, gebet ihnen die Richtung nur nach dem einen Lebensziele, ahmet Eurem Gotte nach, der selbst die Leidenschaften, Schwächen und Jrrthümer zum Förderer seiner Zwecke benützt; so ließ er einst durch den Zorn des Königs van Egypten über die beiden Hofbedienten die Rettung Josefs, und so wieder durch den Zorn der beiden Hosbedienten über den König Ahasveros die Rettung MardecbaiS entstehen; o führet die Streitkräfte Eures Feindes selbst gegen ihn in's Feld, kehrt eine eigenen Waffen gegen ihn, .re. מלרמר mit יי) Proverb. 18 '») Midr. z. St. Amalek kämpft gegen Amalek; stachelt den Geiz auf, um den Lurus zu bezähmen, gebet der Verschwendung Raum, um mit freier Hand Almosen geben zu. können, um die Auslagen der Sabbathe, Festtage und Kindererziehung bestreiten zu können, bewaffnet den Haß, um das Böse zu verabscheuen, entflammt die Rache, um Vas Recht zu schützen; כי יף #ל יר DD wo es gilt, den Thron Gottes, der -sich auf Recht und Wahrheit stützt, zu verherrlichen, da führet gegen Amattk Krieg von Geschlecht zu Geschlecht. IX. Es sollte aber diese Äuszcichnug auch dessen Hochmuth erregen und dadurch nur dessen Fall herbeiführen, dessen Sturz beschleunigen, und dessen Untergang befördern, denn so heißt es in der heiligen Schrift. ל^פני שבר גאלן‘ Hochmuth und Uebermuth kommt stets vor dem Falle. O hütet Euch vor dem Uebermuth der Freigeisterei, denn sie ist ein Feind, der alle Stützen raubt, der über einen mit Blumen bedeckten Abgrund führt, der zur schwindelnden Höhe sich erhebt, wo das Ausgleiten unverweidlich ist, sie ist ein Feind, der Euch sein in Honig verhülltes Gift därreicht, er verheißt Glück und Segen, er gräbt im Stillen das Grab aller Kraft und Hoffnung, er hüllt sich in der Wolkensäule der Scheinheiligkeit £)שהיה עמל נכנם לתוך הענן וגנב״נפשות לישראל »>,» raub! und stiehlt die Seelen aus Israel. יח DD יעל T \D er legt die Hand zum Schwur auf den Thron, er betheuert, daß er nur das Beste will, führt freundliche Reden im Munde, und doch will dieser Amalek nur Kampfund Krieg gegen Gott von Gcs^Ml zu Geschlecht. Es soM^Meö Freudenmahl Hamans Sündenmaß voll machen, dessen Sündenzahl vervollständigen, dessen Sündenregister beschließen, denn er hatte beim ersten Gastmahle an dem zum Dessert aufgetragenen Morde der Königin sein Ergötzen, er hatte beim zweiten Male, wo .es heißt, ״der König und Haman saßen und zechten und die Stadt war in Trauer,'") an dem namenlosen Wehe der zu Tode vernrtheilten Israeliten Hohn und Spott und er hatte nun beim dritten Gastmale, in der bereits geschlagenen Todesstunde eines ganzen Volkes, an dessen herzzerreißenden Jammer seine höchste Augenlust und Augenweide. — O fürchtet Euch, daß jede Uebelthat das Süudenmaß schon voll mache, das Verdammungsurtheil und den Beschluß bes bösen Ver-, Hängnisseö herbeiführt, o fürchtet Euch vor der Vergeltung des ewigen Weltenrichters, der vieles vergibt, aber nichts ungeahndet läßt, der das Schwert zückt, den Pfeil schärft DD מי ירעד der den Arm der Gerechtigkeit auf seinem Throne walten läßt, den Sünder zu züchtigen, wenn die Sünde von Geschlecht zu Geschlecht sich häuft und mehrt, und auch zum Menschen spricht: rc. אם יבוא המלך והמן אל המשתה Es komme der Mensch mit seiner Schuld und seinem Verdienste zur Vergeltung, .denn über jede That führt Gott ins Gericht, über alles Geheime und Offenbare, Gute und Böse, darum ist das Ende aller Dinge r Gott fürchte, seine Gebote halte, denn das ist der ganze Mensch." Amen! ")״Ester, 13 5. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.

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