Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 12 (23.3.1864)
- Date
- 1864-03-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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263 264 Seraei hinweggenommen wird; so muß jeder in der Gemeinde ein Lösegeld für seine eigene Seele geben, denn der Fromme wird hinweggerafft wegen der Sündhaftigkeit der Gemeinde. Die Ausführung dieses Themas hatte solch bedeutende Wirkung, daß sogleich eine bedeutende Summe durch eine Sammlung zusammenkam und der Vorstand den Beschluß faßte, nicht blos den diesjährigen Gehalt, sondern auch eine jährliche Pension von 150 fl. den Hinterbliebenen zu geben.׳ Ehre dem Herrn Feilbogen, der so gut ins Herz getroffen — Ehre der Gemeinde, die -sich so bereitwillig treffen und anregen ließ. — In Bisenz wird das renovirte Gotteshaus am 5. April durch den hierzu berufenen Dr. Sellinek eingeweiht werden. — In Lundenburg kann es zwischen dem Rabbiner und der Gemeinde noch immer nicht zur Ruhe kommen. Herr LandeSrabbinrr ist zwar schon vor einigen Monaten zur Schlichtung des Streites angerufen worden; warum aber nichts geschehen, wissen wir nicht zu sagen. B. ÄUÄ Mähren, im März. Herr U. in der ״Neuzeit!" Setzt erst ist es mir recht klar, warum sie ein Ü. zu Ihrer Chiffre gewählt haben. U heißt nämlich ״Unwahrheit." Früher konnte ich noch annehmen, daß durch U der Anfangsbuchstabe von ״Unwissenheit" und Ihre unrichtigen Darstellungen der Brünner Verhältnisse nur die Folge der ungenauen Kenntniß derselben seien; allein Ihre letzte Auslassung in Nr. 10 der ״Neuzeit" zeichnet Sie als die personifizirte ״Unwahrheit." Wie könnten Sie es sonst wagen, der ganzen Welt solch schändliche Lügen ins Gesicht zu schleudern, daß der Brünner Vorstand allein schon, berechtigt gewesen, ven Rabbiner anzustellen? In ganz Mähren und so weit man jüdische Sournale liest, ist eS bekannt, daß vor ungefähr drei Sahren der Brünner Rabbiner nur vom Vorstande in Verbindung mit einem nä hoc von der Gemeinde gewählten Komitü angestellt werden konnte, und daß der mit Herrn Dr. Plaezek damals vereinbarte Vertrag der provisorische Anstellung den Passus enthielt: Einen Monat vor Ablauf des provilorischen TrienniumS vom Tage des Amtsantrittes muß wieder ein Komilä einberufen werden, welches über das fernere Verbleiben des Rabbiners im Vereine mit dem Vorstände zu entscheiden habe. Und Sie unterfangen sich, dies zu leugnen? Nun so erkläre ich Sie hiermit für einen Lügner, so lange Sie nicht vom Brünner Vorstände selbst die Bestätigung beibringen, daß dieser Passus nicht im AufnahmSprotokolle der Brünner Kultusgemeinde vorhanden, und daß im Gegeutheile de. Brünner Vorstand ganz allein statutenmäßig zur Anstellung eines Rabbiners berechtigt sei. In so lange werden auch die verehrten Leser der ״Neuzeit" wissen, wer dieser ״U" sei und werden es mir verzeihen, wenn ich mit Leuten solchen CharakterS, welche die ״Unwahrheit" zu Ihrem Jnfiegel gewählt, mich in keinen fernern Kampf einlassen werde. A Prag, 13. März. Nachdem Herr Dr. Stein, der neue Prediger der Meiselsynagoge, vorige Woche hier angekommen und von seinem Synagogenvorstande mit jeder nur möglichen Aufmerksamkeit empfangen worden war, hielt er gestern seine AntriltSpredigt in der gedrückt vollen Synagoge. Daß sie von seinen Verehrern als ei» Meisterstück der Kanzelberedsamkeit und von seinen Gegnern als das Gegenstück davon angesehen wird, läßt sich leicht denken; wir glauben aber, daß wie überall, auch hier die Wahrheit in der Mitte liegt. — Wir halten »S für mehr als ein Kuriosum, für etwas, daö allgemein mit Indignation angesehen wurde, daß der Redakteur der hier erscheinenden ״Zeilstimme" einen Stenographen in die Synagoge gesetzt, welcher die Predigt wahrscheinlich zu dem Zwecke ausgenommen, um sie in der nächsten Nummer dieses Blattes erscheinen z» lassen. So viel wir vernonimen, soll weder der Redner, noch der Vorstand der Meiselsynagoge um die Crlaubniß angegangen worden sein, diese Predigt stenographiren zu lassen. Wir finden dies auch leicht begreiflich. Herr Dr. Stein hat doch gewiß das Manuskript von früher in Händen und kan» die Stenographie entbehren, der Vorstand kann einerseits das Mannskrpipt von Herrn Dr. Stein erhalten und ist höchst wahrscheinlich andererseits bestrebt, jede Gelegenheit zu vermeiden, durch welche irgend ein Anstoß hervorgebracht werden kann, und es ist mehr als klar, daß sowol orthodoxe, als nichtorthodore Juden' — natürlich aus verschiedenn Rücksichten — es nicht gut aufnehmen können, wenn am heiligen Sabbath — wenn auch von christlichen Händen — in einer Synagoge geschrieben wird. Möge dies die Redaktion der leider nicht sehr verbreit'ejen Zeitschrift verantworten. — Vott der Meiselsynagoge müssen wir noch berichten, daß heute in derselben eine Trauung stattgefunden, bei welcher Herr Dr. Stein nicht — fungirre. Der Ministerial-Erlaß, der jüngst in diesen Blättern erwähnt wurde, hat bereits seine erste Frucht getragen, der erste Rabbiner Herr Nappoport vollzog den TrauungSakt. Welche Früchte dieser Ministerial Erlaß weiter tragen wird, ist freilich noch unbekannt, wie alle Zukunft , ist auch diese von tausend Schleiern bedeckt, und nur dem Allwissenden ist es bekannt, ob diese Früchte dem Judenthume über- Haupt und den lokal-jüdischen Verhältnissen insbesondere ersprießlich sein werden E. Prag, 17. März. Am 14. d. M. feierten die Mitglieder zweier WohlthätigkeitSvcreine in der Nen-Synagoge das BereinigungS- und Verbrüderungsfest. Dem Rabbiner Dr. A. Hübsch war'S gegönnt, diesem Akte die Weihe zu geben. Die Synagoge war feierlich beleuchtet, die Hallen derselben waren von Mitgliedern der Vereine, die den Bund der Verbrüderung schließen wollten und von vielen Gästen, die zu dieser׳ Feier geladen wurden, gefüllt. Nach .dem Mincha-Gebete betrat Dr. Hübsch die Kanzel und zeigte in einer Reihe von herrlichen Bilder» aus der jüvischen Geschichte eine Eigenschaft des jüdischen Volkes, der Ssrael sein Leben, seinen Bestand, seine innere und wahre Ruhe zu allen Zeiten zu verdanken hatte. Von der Patriarchenzeit ausgehend, führte der Redner die lauschenden Zuhörer durch Zeiten, wo Nacht und Schatten um Israel war. Aber auch in dieser finstern Zeit funkelte» und leuchteten Helle Sterne am Horizonte des jüdischen Himmels. Jede Zeit hatte ihre Wohlthäter, die Liebe, Milde und Barmherzigkeit übten. Redner ging im zweiten Theile der Rede von der Wohlthätigkeit Israels im Allgemeinen auf den WohltäligkeitSfinn der hiesige» Gemeiude insbesonders über. Mehr als 70 Jahre' sind's seitdem der ältere dieser zwei Vereine ״Derech Jescharah" ins Leben gerufen worden, um einige Jahre jünger ist der andere ״Maökil el Dal." ,Der Raum dieser Blätter gestattet eö nicht, den reichhaltigen Stoff, die gediegene Form und die trefflichen Belegstellen vorzuführen, die der Redner ans der Bibel und dem Midrasch ansührte. Jeder Vers zündete und traf den rechten Punkt. Unter den in Gott Ruhenden, die um diese Vereine sich bleibende Verdienste erworben, wurden rühmlichst erwähnt Rabbi Ezechiel und M. I. Landau und der unvergeßliche Sachs, dem Redner gelegenheitlich einen Nachruf widmete, wie er eines Sachs würdig war. Auch der Lebenden ward nicht vergessen. Rabbi Ez. Landau empfähl den Gründern des VtreineS, als diese ihm die Statuten zur Begutachtung vorletzten, daß der Verein sich allsabbatlich religiöse Vorträge halten lasse, damit der Verein nicht nur für das Wohl des Körpers, sondern auch für das Heil der Seele wirke. Der für alles Schöne und Gute lebende und strebende Wehli, der Präses der Nepräsentanz der hiesigen KnltnSgemeinde, hat in der Thal zu einer Zeit, wo das deutsche Wort den Israeliten Oesterreichs noch fremd war, in dieser Sprache hier Vorträge gehalten und dem Fortschritt und der Bildung das Wort geredet. Am Schluffe der Rede erflehte der Redner den Segen Gottes für die Förderer beider Vereine, die nun zu einem sich verbunden, für Fürst und Vaterland und sämmtliche Bewohner des KaiserstaateS. . . Herr Dr. Hübsch dürfte dem allgemeinen Wunsche, die Rede im Druck erscheinen zu lassen, Nachkommen. Bemerkungen. Herrn jj in Gr. W. Das Jntimat wird erscheinen. Ich bitte, fortzufahren. Herrn Steiger in Fogaras. In der nächsten Nummer.