Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-03-23 · 12 (23.3.1864) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
12 (23.3.1864)
Date
1864-03-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543134--3584-2547474
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

262 251 noch b,i den Berathungen erscheinen werden, nm die Versammelten ein-, zuschüchtern. A. Balaffa- Gyarmath, im März. Die hiesige Gemeinde zählt ungefähr 400 Familien, und hat über ein jährliches Einkommen von 10—12,000 fl. zu verfügen. Hie besitzt einen Baugrund zu einer Synagoge und 25,000 fl. zum Behufs des Synagogenbaues. Und dennoch verrichtet sie ihre Andacht in einem baufälligen Gebäude, das kaum die Hälfte׳ der Gemeinde zu fassen vermag. Vor einigen Jahren wurde der Synagogenbau in Angriff genommen, aber später in Stich gelassen. Dem Rabbiner gefällt die herrschende Verwahrlosung, weil bei derselben der Gedanke an die Einrichtung eines Chores nicht aufkommen kann. An der Schule wirken zwar brave Lehrer, aber die Bachurim paralysiren die Wirkungen der Schule. Die Sprache, die man hier die jüdische Jugend sprechen hört, ist wirklich schaudererregend. Von einem Spitale ist gar keine Rede, obwol die Mittel zur Errichtung und Erhaltung desselben in reichem Maße vorhanden sind. Einen erfreulichen Gegensatz zu dieser traurigen Herabgekommenheit liefert die'junge, nur 80 Familien zählende Gemeinde zu Losonz, wo. eine Synagoge nach dem Vorbilve der Pestcr — natürlich in kleinem Maßstabe, — gebaut wird, und eine Volksschule bereits im Entstehen ist. Die Verdienste, welche sich der wackere und uncrmüdete Vorsteher, Herr Alb. Schmied!, um die Gemeinde erwirbt, werden allgemein anerkannt. Der ung. Sprache find die Juden dieser Gegend vollkommen mächtig; ihre soziale Stellung bessert sich seit Jahren zusehends. Der' landwirthschaftliche Verein des Neogradsr Komitats hat drei Inden zu Ausschußmitgliedern gewählt, die Herren Heinrich Stern, Hermann Wohl, Jakob Panucz. Es gibt aber auch Leute, die an Haman erinnern, und hat sich ein Herr v. Sz. vor Kurzem bei einem Balle sehr hervorgcthan, sich aber zu gleicher Zeit vor allen gebildeten Mitgtiedern der Gesellschaft sehr lächerlich gemacht. A Wiefelbui'g, im März. Die letzte halbjährige Prüfung stellte die Leistungen unserer Lehrer in das glänzendste Licht. Die erzielten Resultate waren wirklich überraschend. Ich erwähne nur beispielsweise, daß die Schüler der untersten Klaffe nach fünfmonatlichem Schulbesuche hebräisch, ungarisch und deutsch geläufig lasen. Die Herren Gemeindevorstcher Herz! und Schlesinger sprachen in warmen Worten ihre Anerkennung aus; ersterer erinnerte mit Nachdruck an den Undank, den die Lehrer zuweilen von Seiten der Eltern ihrer Zöglinge erfahren. Der Herr Rabbiner von Ragcndorf , der zugegen war, munterte die Lehrer auf, die ihnen anvertrante Jugend in wahrhaft jüdischem Gnste zu erziehen. W. Szegßürd, (Toln. Kom.) im März. Die hiesige Chcvra Kadischa hat unserer Synagoge eine neue Thorarolle gespendet. Die feierliche Uebergabe wurde durch die inhaltreiche Predigt des Herrn Unger, Rabbiners in Paks, und den trefflichen Gesang des Herrn Jurberger, Kantors zu Bonyhäd, auf eine sehr entsprechende Weise gehoben. Die Kvmitatsbeamten wohnten der Feierlichkeit bei. Die Herren Goldberger, Kraus und Gottlieb haben das Fest trefflich arrangirt. Nyireghhüza, 18. März. Unsere Gem., jung und unbekannt, hatte das seltene Glück, am Geburtstage MoseS, unseres größten Profeten, von verschiedenen Nabbinen ans allen Theilen OberuugarnS überrascht zu werden: von Männern, die obwol von verschiedener Richtung, doch darin einig sind, daß die Masse nun in der Dunkelheit ihren egoistischen Plänen folgen wird und eine jede Aufklärung ferne gehalten werden muß. Bevor wir uns in die Versammlung begeben, sei es uns gestattet, den freundlichen Leser mit den Gästen bekannt zu machen, die bei uns erschienen. Da sind es vor allem die Herren Obcrrabbiner aus Nagy-Käroly, Großwardein. Nagy-Külü, S. A. Ujhely und Nnghvar, die sich mit den Nabbinen von St. Püter, Szikßü, Pecse - Neudorf, SebeS, SzölöS u. a., im Ganzen 18, verbunden haben» um mit diesen gemeinschaftlich mit aller Energie unser Jahrhundert mit seinen Grlebniffen wenigstens um zwei Jahrhunderte zurückzuschieben und die jüd. Bewohner unseres Landes in jene Gegenden Polens, wo eine Gemeinde oftmals in vier bis fünf kleinere gespalten ist, die nach der Länge der Peies und der Form der Leibzedakel sich unterschieden, und je nach ihrem Wunderglauben diesem oder jenem Rebbe ihren Tribut entrichten. Die Versammlung hatte ihre Sitzungen in einem Privathause bei einem Bauern, woselbst denn auch unsere Rabbinen ihre Wohnuug genommen hattcu. Mit Nahrungsmittel» versorgte der Schames aus Nagy-Külü, der eigens zu diesem Zwecke gekommen war. Von Laien wurde nur Herr Moscheh Bür (Groß) aus dem Säroser Komitate zugelassen, dem Sitz und Stimme bewilligt wurde, alle übrigen Nichtrabbinen wurden nur zum Scholem alechem zugelassen. Die Verhandlungen dauerten vom 16. bis 18. drei Nächte hindurch und war insbesondere die demnächst in Pest tagende Versammlung Gegenstand der Berathung. Da im Laufe dieses Monates ähnliche Konferenzeu im Preßburger und Elsenstäbter Nabbinatsbezirk stattsinden, so wurden sechs Herren beauftragt, sich bezüglich der nothwendigen Schritte mit dem Herrn Rabbiner in Preßburg und Eisenstadt in Verbindung zu setzen. Daß das demnächst zu errichtende Rabbinerseminar Gegenstand der Berathung war, ist selbstverständlich und wurde denn anch auf Antrag des Pecsenendorfer Rabbiners folgender Passus in das Bittgesuch ausgenommen: ״Die Unterzeichneten sind im Prinzipe durchaus nicht gegen die Gründung eines RabbinerscminarS, schen jedoch eine Gefahr in der Sittlichkeit und der Moralität, falls die Leitung des Seminars in die Hände eines Ncologen gelegt würde , oder nichtorthodore Nabbinen an diesen Anstalten als Lehrer ernannt würden " Am zweiten Tage erschien Se. Hochwürden der Heilige und Wundermann Rebbe Herschle aus Liska, nicht um sich an den Ver- Handlungen zu betheiligen, denu das wäre ebenso uurtligiös, als seiner Würde unangemessen, wol aber, um die Versammlung für die bisher seiner Sache erwiesenen Dienste zu danken und für die. Anwesenden die Schechina vom Himmel herabzuflehcn. Obwol einige Nabbinen bei seinem Erscheinen sich in das Nebengemach begaben und ein anderer ihn als einen ungeladenen Gast abwies, w wurde doch von der Mehrzahl der Versammlung sein Erscheineu mit Freuden begrüßt. Die Protokolle führte Se. Hochwürden der Pecseneudorser Rabbi ein ebenso geistreicher, als helldenkender (!?) Kopf, als Stellvertreter fungirte der Säroscr'Laie und ein Oberrabbiner. Das Präsidium wechselte zwischen den Oberrabbinen und wurde schließlich beschlossen, eine Deputation aus 6 Rabbinen (3 Oberrabbinen, 2 Bczirksrabbinen und ein Rebbe) am Eröffnungstage der Pester Konferenz nach Wien mit dem ausgearbeiteten Bittgesuche zu senden. Alle unterdessen einlaufenden Schriften und Briefe in Angelegenheit der Konferenz sind an Herrn Oberrabbiner nach S. A. Ujhely zu richten. Die MiSkolczer Chortempelangelegnheit wurde ans Schonung gegen den Preßburger Magid Rabbiner Fjschmann einstweilen, trotz. Widerspruch des St. Peter Rabbiners, suspendirt. B. Ans Mähren, im März. Während Herr Dr. Feilbogen, Rabbiner in Gr. Meserisch mit seinem Beitritte zur Lsironiczus sonnäalvuss der 121. nach allgemeinem Urtheile allhier einen schrecklichen Bock geschossen, hat dessen Bruder, Rabbiner in Straßnitz, bei Gelegenheit des Leichenbegängnisses des unlängst verstorbenen Rabbiners in Ung. Vrod, als einen ausgezeichneten Schützen sich bewährt, der so recht ins Herz zu treffen versteht. Es handelte sich vorzüglich, für die Hinterbliebenen des sel. Rabbiners von der Gemeinde etwas zu . erwirken, und Herr Feilbogen begann seine Trauerrede mit dem Texte deS Wochenabschnittes תשא Wenn das Oberhaupt der Gemeinde in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.