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Ben Chananja · 1864-03-23 · 12 (23.3.1864) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
12 (23.3.1864)
Date
1864-03-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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247 248 Lo rresponden;. Ausland. L. D. London, 17. Mürz. Der Tribut, welcher kürzlich in öffentlicher Parlamenlssitzung den Verdiensten von Sir Moses Mon« tefiore von dem berühmten L a ya rd dargebracht wurde (Vergl. Nr. 10 S. 210) ist ehrenvoll im höchsten Grade. Die Bürger von RamSgate* **)) haben auch ihre Sympathie an den Tag gelegt. Da wir bis jetzt mit altem, was ans die Mission von Sir Moses Mo »tefiore fich beziehet, den Leser bekannt machten, so. dürfen die folgenden Zeilen (dem Daily Telegraph unter dem heutigen Datum entnommen) auch ihren Platz hier stnden. Gestern wurde in NamSgate eine öffentliche Versammlung in der Stadt ha Ile gehalten unter dem Vorsitze von Mr. W hi!ehe ad, worin die folgende Adresse an Sir MoseS Montefiore votirt wurde, für den glücklichen Erfolg der Mission nach Marokko. ״An Sir Moses Montefiore Brt. Sir! Wir die Unterzeichneten, die Bewohner von NamSgate, von St. Laurence und Sb Net er und der Umgebung,'bringen aufrichtig unsere warmen Glückwünsche dar bei Ihrer Zurücktnuft von einer langen, ermüdenden und gefährlichen Reise nach Marokko. Eine halbe Million Ihrer niedergetretenen Nation, insgesammt mit den andern nichtmohamedanischen Unterihanen deö Sultans befreit von der schwer lastende» Unterdrückung, und nun unter die Protektion von glcichen Rechten gestellt, freuen sich über die glücklichen Resultate Ihrer uncigennützigen, menschenfreundlichen Mission des allgemeinen Wohlwollens. Es war nicht die kleinste Eiubehrung und Beschwerlichkeit Ihrer diesmaligen Reise, daß Ihre Heimgegangene und hochherzige Frau Gemalin welche Sie auf Ihren früheren Nesen stets begleitete und Ähr Trost und Ihre Stütze war, jetzt nicht an Ihrer Seite stand. Alle Klassen der hiesigen Bevölkerung jedes Glaubens, welche Ihren Werth kennen, manche darunter haben auch besondere Beweise Ihrer generenseu und mildthätige» Freundlichleit erhalten, wir alle bewillkommen Sie zu Ihrer Zurückkiinst und senden zugleich unsere Gebete empor, daß der Nest der Tage ZhreS so nützlichen Lebens, dahinfließen möge in Ruhe und Frieden." Diese Adresse wurde in der Stadthalle aufgelegt, damit sie gezeichnet werden möge.! יי K. Paris, 14. März. Der Vorstand der Alliance hat in Folge der neu eingelanfencn Informationen beschlossen, in Angelegenheit der Serbischen Juden eine Petition an den Fürsten Michael zu richten. Das letzte Heft der ״ArchivcS" spricht von dem PrvspekiuS eines jüdischeu Blattes, welches in Curacao auf den ho ländischen Antillen in spanischer Sprache erscheinen soll. Richtung: progressiv. Titel: Schema Israel! Der Verein, deren Organ dieses Journal sein soll, nennt sich: ״Die Zukunft." Möge derselbe eine Zukunft haben! Die ״Recits bibliques“ von Rabbiner Zfak Levy können Kindern, die französisch lernen, nicht warm genug empfohlen werden. Trier, 19. Feber?*) Durch meinen Neffen M. Cahn, Ingenieur und Directeur do la Loclätä metallogique Austrobelge a Ivaneo in Kroatien erhielt ich dieser Tage die Verhandlung am Gerichtshofzu Wien über den interessante» Prozeß gegen Dr. Kompert in Wien als Herausgeber deö ״Jahrbuches für Israeliten" wegen des in demselben aufgenommenen Aufsatzes des Dr. Grätz: ״Die Verjüngung deS jüdischen Stammes." Da der ״B. CH." gewiß diese Verhandlung in seinen Spalten aufnehmen wird, so enthalte ich mich jedes weitern Auszuges aus derselben. Jedoch kann ich folgende Bemerkung gegen die *) Sir Moses Montefiore hat seinen Landsitz daselbst. **) Durch Zufall verspätet. Red. Vertheidigung des Dr. Kompert und die Aussage der beiden Herren Sachverständigen (Mannheimer und Horowitz) d. i. gegen die anfgestrllte Vorausfttzmig: ״Es «st wahr und jeder Jude wird es bekennen :Ich glaube an einen persönlichen Messias, ״und daß somit derjenige Israelit, der nicht an einen persönlichen Messias glaubt, gegen das orthodore Zudenthnm verstößt, — nicht unterlassen, und 11m so weniger, als durch diese Voraussetzung dem StaatSanwalte Gelegenheit gegeben ward, Widersprüche iu der Aussage der Herren anfzufinden. Es ist ja allgemein bekannt, daß Albo gegen die von MaimonideS ausgestellten dreizehn Glaubensartikel und vorzüglich gegen den an einen persönlichen Messias aufgetreten ist, sowie auch, daß diese von MaimonibeS angenommenkn dreizehn Glaubensartikel durchaus nicht mit den Prinzipien des JudenthnmS übereinflimmen. Sehr viele israelitische Religionsbüchec, von denen einige in vielen Auflagen schon erschienen und in den Schulen, auch der orthodoxesten Gemeinden eingeführt sind — ohne daß gegen dieselben irgend ein Widerspruch erhoben wor-׳ den ist — haben daher auch nur die drei Glaubensartikel des Albo und nur die Hoffnung auf einen Messias auch anfgenommen. Orthodoxer als der Talmud selbst braucht doch kein Jsraelite zu sein und dieser nimmr doch die bekannte Aeußerung eines Rabbi Htllel auf: ״ אין משיה לישראל שכבר אכלוהוIsrael hat keinen persönlichen Messias mehr zu erwarten; denn es hat ihn schon genossen (wörtlich aufgezehrl) in den Zeiten Hiskias", d. h. die Prophezeiungen der Profcten in Beziehung auf einen persönlichen Messias beziehen sich auf HiskiaS und sind sie auch durch ihn in Erfüllung gegangen. Rabbi Hillel wird wegen dieser seiner Aeußerung weder vom Talmud, noch von einer andern später» Autorität als ein Herterodorer verketzert; im Gegentheile aus dem von einem Amora gegen ihn erhobenen einzigen Eiinvand aus den Prophezeiungen Sacharins Kap. 9. 9 שרי לי מרא לר׳.הלל כל הנבואות במקדש ראשון אבל זכריה במקרש שני הנה מלכך יבוא לך — עני ורכב על החמור וכר: ~ ich zitke die Stelle aus dem Gedächtnisse, da ich sie nicht sogleich ausfinden konnte jc. 1c."—, geht evident hervor, daß die, auch von Vielen in neuerer Zeit aufgestellte Ansicht, die diesfallsigcn Prophezeiungen der Profeten be- . zögen sich nur aus ihre Zeiten und Verhältnisse, selbst im Talmud Anerkennung ,.und nirgends einen Widerspruch findet. Die eine, gegen die Ansicht des .Hillel vom Talmud angeführte Stelle aus Sech. 9, 9 ist aber, selbst vom Standpunkte des orthodoxen Judenthums kein Beweis, für einen persönlichen Messias, denn dieses billigt auch eine solche Bibelkritik, nach welcher ein Theil eines biblischen Buches einem andern Verfasser, als dem, welcher es nach der bestehenden Anordnung des Kanons ist, zugeeignet wird. (s. Talmnd Baba Bathra 15 u. a. m.) Nun ist eS aber bekannt, daß das Kap. 9—13 des Sach, und vorzüglich des 9. K. nach der Ansicht vieler Bibelkritikcr, von einem vorerilischen Nrofeten verfaßt sein müssen. — Sonach wäre nicht eine einzige Stelle in der ganzen h. Schrift als evidenter Beweis für einen späten! persönlichen Messias vorhanden, und selbst nicht nach dem orthoboren Judenthume. Die erwähnte Voraussetzung ist noch auffallender und gewagter, als doch der Glaube an einen persönlichen Messias mit dem an die Restaurirnng des jüdischen Staates und die Wiederkehr des jüdischen Volkes nach Palästina iu nächster Verbindung stehet. Glaubt jeder Jude an einen Persönlichen Messias, so muß er auch an das andere folgerichtig glauben, und dessen Realiflrung sehnlichst herbeiwüuschen Können aber die Herren auch dieses von jedem Juden und selbst von all denen, die sich orthodor nennen , behaupten? Ich glaube, das Gegentheil be- Haupte» zu müssen, da diese Hoffnung und Sehnsucht bei den meisten Juden nicht vorhanden ist, wenn sie auch noch die hierauf bezüglichen Gebete verrichten, so daß, wenn in der That der Messias käme und sie beim Wort hielte, sie-fich sträuben würden, ihren, in ihrem schönen Va-

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