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Ben Chananja · 1864-03-16 · 11 (16.3.1864) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
11 (16.3.1864)
Date
1864-03-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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227 228 Unangenehm hat es deshalb hier jeden unserer Gesinmmgsgenossen berührt, das Ihr Korrespondent aus Pest in Nr. 9, Ihres geschätzten Blattes den hochw. Rabbi Dr. Meisel dafür zu tadeln wagte , daß derselbe unserer schwerbedrängten Gemeinde seinen von uns erbetenen Beistand zu ertheilen die Güte hatte. Wäre es denn nicht die heilige Pflicht aller Gemeinden , in deren Synagogen der Choral-Gottesdienst üblich ist, der - Gemeinde Miskolcz mit Rath und That betznstehen!? denn, man möge sich nicht täuschen darüber — gelingt es unseren Gegnern, den geregelten Gottesdienst ans unserem neuen Tempel zu verdrängen , so wird der Sturm gegen alle Errungenschaften der Neuzeit in Tempel und Schule auch in jenen Gemeinden mit erneuerter Heftigkeit losbrechen. Die Schlauköpfe von Szikßü und St.- Peter, unter deren Fahne alle Rabbis alten Schlages sich sammeln, die außer dem Talmud die barste Unwissenheit mit Ostentation zur Schau tragen, sie alle wissen es, daß Miskolcz, die drittgrößte Gemeinde des Landes, das Szigeth des zeitgemäßen ungarischen Judenthums sei; ist dieses nur einmal zur Unterwerfung gebracht, dann werden sie mit erneüerterWuth über die anderen in ihrem Sinne zurAbtrünnigkeit geneigten Gemeinden herfallen. Als Probe, mit welchen Waffen gegen uns gekämpft wird, theile ich Ihnen einen Brief mit, den der Bezirks- Rabbiner von Gr. Topolcsän, Wolf Hersch, hieher geschrieben hat. * *), (D. Anm. sind mir mitgetheilt worden. Eins.) l Ungeachtet all.dieser verbrecherischen Umtriebe, welche durch das anmaßende Auftreten einiger selbstsüchtiger Jndividuen noch potenzirt werden, erfreut sich der Choralgottesdienst in unserem neuen Kultustempel des zahlreichsten, mit. jedem Sabbath wachsenden Besuches;, ein bekannter Kaufmann, L. K., — der aus Furcht, seine Kunden aus dem Bezirke Stt-Pöter zu verlieren, sich aus dem. neuen Tempel in die alte Synagoge zurückzog, **) hat glücklicher Weise gar keine Nachahmer gefunden; abe'r immerhin ist durch die Ruchlosigkeit der zwei nachbarlichen Rabbiner die Brandfackel der Zwietracht in unser Gemeindeleben geschleudert worden, und sollten die Männer an der Spitze der gegenwärtigen Vorstehung nur einen Augenblick ermüden, alle ihre Kraft dem täglich sich erneuernden Anpralle der himmelstürmenden Frömmler entgegenzudämmen, so ist es um diesen jüngsten <;,,•׳;:.;**) Zur Genesis dieses Briefes sei bemerkt, daß zwei- oder drei Individuen des unlautersten Kalibers an unzählige Rabbinen die schämlosesten Erdichtungen über den Gottesdienst im neuen Tempel mittheilen, und ans solche nichtige, lügnerische Dennnciationen hin, beeilen sich die lieben Dorfrabbiuer ihre PhiliyvicaS einzusenden — die Herren Rabbis von Prag und Preßburg haben natürlich nicht geantwortet. *) Der Rabbi in St. Peter hat Nämlich zu wiederholten Malen von der Kanzel Herab geeifert, daß man bei solchen Glaubensbrüderndie im Miskolczer neuen Tempel ihre Gebete verrichten, nicht e ssen daßman mitihnrn nicht' Han de ln darf. Sitz des erleuchteten Judenthums' geschehen, was in der That nicht traurig allein für uns, sondern ein tief beschämendes Streiflicht auf die weitesteu jüdischen Kreise in unserem theueren Vaterlande zu werfen geeignet sein dürfte. Der Brief des Topolcsäner Rabbiners lautet, wie folgt: Auf Ihr Verlangen, Ihnen meine religiöse MeinungS-Ueberzeugung über den in Ihrer Gemeinde bereits erbauten Chortempel, die darin eingeführten Chorgebete und sonstige rituelle Choraleinrichtungen') mitzntheilen, kann ich Ihnen nämlich nach meinem besten Wissen und Gewissen erwiedern, daß ich nach meinen langjährigen,'den Studien der heiligen Religion gewidmeten, zur- Ergründnng ihrer Vorschriften und der unserer Weisen stets beseelten Nachforschungen die feste nnumstößliche und unabänderliche Ueberzeugung erlangt habe, daß eine solche Gemeinde, die einen Chortempel nur erbauet, vielmehr noch diejenige, die sogar die rituellen choralischen Einrichtungen darin einführen will, im Sinne des wahrenreligiösen Judenthums abtrünnig, verbrecherisch und irreligiös handelt, vorzüglich aber muß man einen solchen Rabbiner der ein solches Gebahren in seiner Gemeinde erlaubt, und sie dazu noch, wie in Ihren Gemeinde leider der Fall w,ar, eifrig aufmurnert, *) das Ver^dammungSu,rt h^e il t resfen, undein solcher der Religion zuwider handelnde Rabbiner verdient gewiß nicht an der Sp i tz e, ein er G e m ei nd e z u steh e n , denn anstatt eines NeligionSweiserS wird er ein Religionsverleiter seiner Gemeinde.^) Denn der Zweck einer solchen Vernichtung der traditionellen, und Einführung der reformatorisch choralischen Einrichtung ist kein anderer, als eitle NachahmungSsuchl der Zeremonien anderer Konfessionen y und das Verbot, anderen Konfessionen, besonders in ihren Zermonien nachzuahmen, ist jedem gläubigen Israeliten in der heiligen Tora nur zur Genüge bekannt, wie schon der Chaffam-Sofer, Choschen-mischpot 191, der Jmre Aesch Absch. 100, der Tschuwoth-horosch 5. 2 mit Nachdruck die Nachahmung der Zeremonien anderer Konfessionen, überhaupt in ritueller Beziehung, auf das Verbot in der Tora hinweisend, sehr streng verbieten. SJ Selbst das beim Chor eingeführte Nmnehmen des Betmantel vom Chor-Cantor ist schon nach Angabe des Orach-Chaim 9, im Mogeii-Abraham 2, höchst gesetzwidrig und irreligiös. Ihr Protest, daß. Sie nämlich Ihre zum Synagogenbau geweiheten Gelder, Geldspenden nur zum Baue einer Synagoge nach vorgkschriebenen religiösen Ritus gewidmet habe», find laut Orach- Chaim Absch. 153 §. 5, Joreh-Deah Absch. 259, 6. 2, als rechtsgiltig anzunehmen, und finde ich Ihre Ansprüche auf Zurückerstattung des Geldes für höchstbegründet, da gegen Ihren Willen ein Chortempel eingerichtet wurde. ') Solche giebt es hier nicht. Der hiesige Tempel unterscheidet sich von einer Synagoge nur dadurch, daß iwrt anstatt 2 Singerl, 10 gleichgckleidetr Singerl regelmäßig singen. \ Diese Behanptnng ist gänzlich ungegründet Der ehrwürdige hiesige Herr Oberrabbiner hat ununterbrochen gegen den Chqrtcmpel eifrig gesprochen. 3) Uiib wie soll ein solcher Rabbiner genannt werden, welcher ohne Selbstüberzeugung, ohne den Geklagten anzuhören, sondern auf Grund einer Anklage, ein Verdauimungsurtheil fällt? '') Sind die 100 Gemeinden, welchen hier nachgeahnit wird, andere Konfessionen?; *) Auch das Ausstehen zu Slichot — die Lichtanzündung während dcs Gottesdienstes » welche alle bei andern Konfessionen zu sinden sind??

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