Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 11 (16.3.1864)
- Date
- 1864-03-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M II Siebenter Jnljtpit([. Szegedi», öcu 16. Mrz l8ktl. Irden Mittwoch erscheint ein Bogen. Ilrnnumerations-reisj: Ganzjährig 7 fl.. KÄlbj. 3 fl. 50 kr., viertel!. 2 fl. öst. W. Einzelne Nummern ist«* Man abonnirt bei allen Postämtern u. Buchhandlnngen des Zn- und Auslandes. MochenKtalt für jüdische Theologie. Inserate ״ ־ find and.Redaktion in Szegedin; oder an Hrn. /ran,; Mgiler in teiWlg zu senden. Die Lspaltige Petitzeile wird mit 10 Nkr.---2 Sgr. berechnet. Herausgeber und Redakteur: IilBOFOIill Oberrabbiner zu Szegedin. ttedaktkon: 3 Kronen-Gaffe, Politzer'sches Haus. Inhalt. Wühlerei des Fanatismus im nördlichen Alngarn. Bon * — Statistische Notizen. Bon S. K>, — Versuche über die jüdisch .- arabische Literatur. Von Adols Neubauer. — Korrespondenz. Ausland. London (Montesiores Reise und Empfang..) London (Layard über Monlefiore.) Galacz (Gemeindezustände. Schule. Spital. Wohlthätigkritsverein.) Bamberg (Verein zu Gunsten Palästinenstscher Jünglinge.) Inland. Üjhely (Rabbinerkonfereuz.) SzarvaS (Wohllhätigkeit) Ujhely (Schulangelegenheitcn.) Siklüs (Feierlichkeit.) VeSprim (ViolinvirtuoS Auer.) TotiS (Raschkows Weltgeschichte. — Berichtigung.— Inserate.; . Mhlmi Des fanatismus im nölSlichm Itnpcn. Miskolcz, am 6. März. * Reisende, die vorgestern aus Ujhely hier anlangten, erzählen, daß dort am 1. und 2. d. ein Rabbiner-Kongreß stattgefunden habe, Dem rastlosen Treiben der Zeloten von Szikßü und St.-Peter scheint es gelungen zu sein, dreißig, nach Anderen nur dreizehn Rabbinen aus dem nordöstlichen Landestheile, .unter dem erfundenen Vorwände, die Religion unserer Väter sei in Gefahr, zusammenzubringen, um Maßregeln zu berathen, durch welche dem allgemein drohenden Verderbenin Israel noch vorgeheugt werden könnte. Zwei Punkte sind es vornehmlich, mit welchen die Versammlung sich beschäftigte. Zuerst um gegen die von dem h. k. Statthaltereirathe neuestens in bestgemeinter Absicht in Anregung gebrachte Errichtung eines Landes-Seminars auf das Entschiedenste Front zu machen. Es ist in dieser Richtung der einstimmige Beschluß erzielt worden, eine Petition an das hohe k. k. Ministerium zu unterbreiten, worin für den bisherigen Usus der Creirung von Rabbinen plaidirt, und gegen die Gründung eines Seminars, welches die Anslösung und Entartung des Judenthums in Ungarn herbeiführen würde, petitionirt werden soll. Der zweite Gegenstand, welchen das aus dem Stegreife erstandene Concil berieth, war jedoch nicht mehr im Stande, derselben Einmüthigkeit zu begegnen. Es handelte sich nämlichauf Antrag des Fanatikers aus St. Peter darum, den Abfall der. Gemeinde Miskolcz von dem Glauben Israels. — wegen Einführung des geregelten Gottes-׳ dienstes zu konstatiren, und unseren hochverdienten, wahrhaft frommen Oberrabbiner mit dem Banne zu belegen. Dieser, das Herz eines Jeden aufs höchste empörende Antrag ist vorläufig noch nicht zum Beschlüsse erhoben worden, wir sagen vorläufig, indem man meinte, daß die Betreffenden sich noch eines Bessern besinnen, und schließlich in den Schoß des allein seligmachenden ChaßidiSmus zurückkehren werden. Dies zu erzielen, gaben sich sämmtliche Rabbinen das Versprechen, allüberall gegen die Ketzerei in MiSkolcz und deren Verbreitung auf das Energischste zu donnern. Viele unserer einflußreichen Glaubensbrüder, besonders jene, die in Gemeinden leben, wo günstigere Kulturverhaltniffe walten, scheinen dieses zelotische Treiben mit einem vornehmen Lächeln der Verachtung abthun zu können, und man sieht dem Kampfe gleichgiltig zu, den die Gemeinde Miskolcz mit dem. Ungethüm, .der. Unduldsamkeit, der Scheiuheiligkeit und des Fanatismus zu bestehen hat. Die Gefahr jedoch, welche ans dem kompakten und konsequenten Auftreten der Fanatiker dem Fortschritte, der Civilisationder guten Sache, überhaupt allen großen und edlen Interessen des modernen Judenthums droht, ist darum nicht minder groß, weil man die Augen.wor ihr verschließt/ ja sie wird dadurch noch brennender, weil die Kräfte in unserem Lager zersplittert, in tausend Detailanschauungen zerklüftet, ohne jeden innern Zusammenhang und ohne Einigkeit .. die Dinge in Gemeinde, Teillpel und Schule gehen lassen, wie sie eben wollen. " ׳ Die geistigen Häupter der Progressionisten im Judenthume, — wenn man die Gegner der Chaßidiften so nennen darf, verrechnen sich arg, wenn sie meinen, daß das bloße Vertrauen ״in die innere Kraft der progressiven zeitgemäßen Bestrebungen" genügend sei, die mit unablässiger Konsequenz, mit der berechnetsten Schlauheit, mit einer alle Schwächen deS menschlichen' Gemüthes ausbeütenden Spitzfindigkeit geführten Angriffe auf Alles, was-mit dem Fortschritte im Judenthume verknüpft ist, abwehren zu können. Die Wahrheit, — wer bezweifelt es — muß sich endlich überall siegreich Bahn brechen; allein bis dies geschieht, können Rückfälle, Hemmungen, ein Stillstand eintreten, wodurch das Judenthum in seiner Entwicklung und Verherrlichung auf Jahrzeheu^b^- uns unterdrückt oder vernichtet wird. . /®’IW