Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 5 (3.2.1864)
- Date
- 1864-02-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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107 108 Leiträge pir talmndischcn Sprachforschung und Älterthnmskmi-e. Neue Folge. I. Erklärung einer dunkeln Midraschstelle. Von Moriz Altar. Einerseits zu Nutz und Frommen der rabbinischen Lerikographie, sowie andererseits den Eregeten des Midrasch zur Bedachtnahme möge in Folgendem eine Beleuchtung über eine der dunkelsten Midraschstellen ihren Platz finden. Es wird im Aruch 8. v. אליאס aus Raba Erod. 15 folgender Spruch zitirt: במלכות יון סנדראוס אם אליאס המה שמה. Von den gewöhnlichen Kommentatoren über dessen Sinn lm Such gelassen, gibt R. Nathan die spärliche Auskunft, daß in einer großen Gaffe zu Athen unter freiem Himmel Gericht gehalten wurde, und da das griechische 'HXioc, Sonne bedeutet, so soll die Deutung klar sein. Dem ist aber nicht so. Es wäre höchst absurd, wenn der Midrasch das ganze Griechenland nach einer Gasse Athens benennen, und zudem ein Lobredncr des HelleuenthumS würde. Auch ist zu bemerken daß es zwar zu Athen eine Gallerie gab, wo das größte Gericht seine Sitzung hielt ('HXiouct): Daß dieser Name aber etymologisch von 'HXiog (Sonne) herzuleiten sei, wird mit Recht verneint, wie schon von dem Herausge'ber dieser Blätter") bemerkt wurde. Wenn Herr Landau in seiner Glosse 2wrtSqo? eeg ‘HXioi• liest und mit Raths-Tempel zur Sonne übersetzt, so ist dies mit dem frühern unter freiem Himmel im Widerspruch; er gesteht auch ein, daß ihm von einer Straße, die so hieß, nichts bekannt sei. Daß die neuern Abschreiber des Aruch an dieser Erklärnng nichts ändern, macht ihrem Gewissen Ehre, nicht aber ihrem kritischen Geiste. Es wurde uns jedoch auch eine neue Ansicht geboten von Herrn Professor Stöffel durch die Annahme, daß diese Stelle korrupt und solgenderweise herzustellen sei: במלכות ירן ,יימס ,דריאוס ,אליאוס אבם , המה שמה welches er übersetzt: Der Ionier, Dorier und Aevlier Mutter hieß ״Sonne" was er durch Zuhilfenahme der griechischen Mythologie zu begründen glaubt. *) **) Ohne weiter auf das Sonderbare einer solchen Erkläruugsweise aufmerksam machen zu wollen, wo so vielfach emendirt werden muß, um was man eben finden wollte, herausznfinden, sei uns blos die Frage gestattet, warum man nicht anstatt der Namen dreier Stämme lieber gleich ״Griechen" setzte? Hätten jedoch diese Eregeten nicht die Mühe gespart, die zitirte Stelle selbst in Augenschein zu nehme», würd n sie gefunden haben, daß ein einziger Buchstabe am Unrechten Platze daß ganze Mißvekständniß verschuldet, und zwar muß in dem נ ,סנדראות nach und ה vorgesetzt werden, wo man die Stelle: ,סדנראוס אס אליאוס 20-eva(30g ‘ra? HA«o?, zu lesen ist und stark wie die Sonne bedeutet. Nicht vom Helenen- Volke, nicht vom Stammvater oder der Mutter der Griechen will dort gesprochen sein, sondern von jenem Heldenvolke, welches unter der Macht der Griechen gebeugt, gegen Griechen kämpfte , aus welches auch nach *) B. CH. Jahrg. 1868 II. S. 82. **) Ibid 1860. S. 240. der Auslegungsweise des Midrasch der Name .בהמה «T°D (ברה von בריא stark fein herleitend), paßt. Man lese nnn dort im M. die weitere Ausführung selbst anch, unter Anderrn wie folgt: השמש גבור נקרא יזכו׳ כך במלכות יוי הכל ברהו ומתתיה הכהן ובניו ענייו באמונתו של הקב״ה וברחו מפניהם האוכלוסין של אנטיוכס וכד לקיים מה שנאמר ברה בהמה und es bleibt kein Zweifel, daß alle früheren Hypothesen in Nichts zerfließen vor der Sonne der Wahrheit. Literarischer Kolbo (כלבו). xx. Folgende Zeilen find aus den Anmerkungen zu dem Leitartikel der vorigen Nummer weggeblieben; sie mögen hier einen Platz finden. In den rabbiuischen Grsetzesbüchern ist von einer Vollziehung der Trannng durch den Rabbiner nirgends die Rede; der Rabbiner o r dnet blos den Trauakt (דר קרושין□)• Dieser Ausdruck kommt nun zwar vor dem 16. Jahrhundert nicht vor: G. A. d. R. M. JssecleS 125. Ture Zahab zum E. Ha-Ezer 49, 1.; doch ist cs gewiß, daß bei dem germanofränkischen Juden die Intervention des Nabdiners bei der Trauung früher allgemein verbreitet war: Maharil 83, a. R. Zsserlein Peß. und Kethab. 128, wo aber nichts vyn einer Orcnung des Trauakles, sondern blos von den Benediktionen die Rede ist. Hieraus leuchtet klar genug hervor, daß es die Benediklionen waren, welche den Beistand des ^Rabbiners erforderlich machten. Der bekannte Ansspruch Kidd- 6, a. 13, a. hat damit nichts gemein, wie aus Raschi das. und Eben Ha-Ezer a. a. O. unzweideutig erhellt. Ture Zahab daselbst bezeugt, daß man zur Ordnung des Trauaktes nicht immer einen großen Lamdam wähst. Toßaf. Kldd. 6, a. Schlagw. 'אכי reden von eitlem ארם שנתמנה אגטין. וקרושון; dies ist aber nicht «nf den Traüungsakt zu beziehen, sondern auf das Richteramt in Ehesachen. Im Talmud ist übrigens nur von einem ממונה אגיטי die Rede (Gitt. 5, b.J Bei einer andern Gelegenheit werden wir alles dies näher beleuchten; hier sei nur noch bemerkt, daß uns das ״□דר קדושין״ in den älteren Werken der Sesardim nicht vorgekommen ist; erst in den jüngeren sefarbischen Werken ist es aus den germanofränkischen Quellen herübergeuommen. Wenn .man alles dies genau erwägt wird man nicht zu leugneu vermögen, daß die Assistenz der Rabbiner bei den Trauungen eine Reform ist, die zwei Stadien durchlief: Zuerst fungirte der Rabbiner als Liturg, dann auch als ordinator oopulationis. Daß das von Außen gegebene Beispiel hier mit einwirkte, ist eine Vermulhung, die mehr für, als gegen fich hat. Selbst die Traunngs-Stola ist kaum auf jüdischeu! Boden gewachsen. Wenn die orthodoxen Rabbinen die Trauung in der Synagoge als )הה״ herhorresziren und sich die TrauungS-Stola dennoch gefallen lassen, so geschieht dies nicht etwa aus Eigennutz, sonin der Ueberzeuguug, daß — da es in Israel keine Neuerung geben ,darf —7 auch die Thannaiten, Amoräer und alle ihre Nachfolger ihren ״Rechgsch" bezogen haben. Bemerkung. Ein mehrtägiges Unwohlsein, daß keinerlei Beschäftigung erlaubte, verhiuderte mich, die eingelaufenen Briefe zn lesen. Aus diesem Grunde mußten mehrere Korrespondenzartikel für die nächste Niimmer zurückgelegt werben, Red. *) Das Wörtchen המה 'st 1mc Verdolmetschung, was oft vorkommt. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.