Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 48 (2.12.1863)
- Date
- 1863-12-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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U 48. 5zesM!l. Den 2. Dezemker 1863. 5echller Ja^rpig. Jeden Mittwoch erschria» ein Präonmeralloosprei«: Ganzjährig 7 fl., baldj. 3 fl. 50 kr., viertelj. L fl. öst. W. Mao abonnirt bei allen Post» ämtcrn u. Buchhandlungen de« In« »nd Auslände«. eil GuiMM. ItfüdjciiGfaU für jüdische Theofogie. Herausgeber und Redakteur: Obcrrabbiuer zu Szegrdio. find and. Redaktion in Szegrdi» oder an Hrn. /ranz Wagner i, tkipji'gju senden. Die Lspaltige Penizeile wird mit 10 Nkr. 2 Sgr. berechnet. Nkdalttl,»: 3 .lkronrn-Gaffe, Politzcr'sche« Inhalt. Wir verhält sich JvstPlniS zu der talmudischcn TratiticnSlchrr srinrr Zrii? Do» Rabb. Dr. Frin. Die Mütter des ersten Patriarchen. Bo» Rabb. Dr. Hübsch. — Der Stiventiciifoiid für 8ck1ra,1,lSzögI1״gr. Von A. Letrrer. — äkorrespondetl,. Znlantz. Pc,! (Die Gemeinden und die Lehrer.) Pest (gischcr uud Postier.) Nng. Kaiuzsa jMäunerchcr.) Szegctin <Wcs׳l,l׳äligkcil.) Pacsür (6in harthäuiiger Vorsteher.) Kutten» Plan lJütische Zustände in Bchinen.) — Liierärische Anzeigen. Hai Gaon. Do» Leov. Duke«. — Kurze lilcrärische Oc^ch.ichten. Die hebräischen Handschrislen in Italien. Do» Zunz. Besprochen von Wiener. Sterbetage von Znnz. Besprochen von Wiener. HilsSbuch von Lasch. Besprochen von Wiener. — Literärischer Ko!bo. Don!llabb. Roth. — Ergänzung. Dom HerauSg. — Inserat. Konkur«. Nie ucrljüfl firfj »Mpfjiis zu Der lafmul)i|tfjcn £rn1)ilio!!sfrljre feiner 3cil? Don Dr. M. Fei», Rabbiner. So wechsclvoll auch Joseph nS Leben war, wie cr auch Zeit und Geisteskraft vielfach zersplitterte: in bewegten Zeilen sich hcrumlummelnd unter Waffengeklirr auf Schlachlseldern, in ruhigen Tagen sich bcrumtreibend auf den fremden Felder» der erlernen Wissenschaften; so kann ihm dcffeu «ngeachtet reiches Wissen und große Gewandtheit auf dem Gebiete der jüdisch-theologischen Wissenschaft nicht abgesprochen werden. Geriet er sich ja selbst als Schristgelchrte, indem er erzählt: ') tvie man ihn schon als Knaben von vierzehn Jahren seiner rabbinischen Gelehrsamkeit wegen bewunderte, wie -r vom WissenSdrangc getrieben, alle drei Sekten durchlies, biö er endlich im 19. Jahre die össeiulichc Laufbahn als Anhänger der Pharisäer betrat; zu den Hauptmomenten des PbarisäerthumS gehört aber ein Versenken in die Tiefen der Thora, ein konzentrirtes Mitwirken an dem AuSbaue deS JndcnlhumS. Und dennoch kann JosephuS weder in Ansehung seiner religiösen Denkweise, noch rücksichtlich seiner talmudischen Erudition als eine den Heroen seiner Periode ebenbürtige Persönlichkeit gelten. Naive Gläubigkeit war der Standpunkt deS PbarisäerthumS: ein echter Pharisäer mußte vor allein der Bibel in ihrem ganzen Umfange nube» dingten Glauben schenken, wenn ihm auch daS Eine oder daö Andere durch den menschlichen Verstand als unergründbar und unersorschlich erscheinen mochte. JosephuS hingegen erlaubt sich zu inäckeln mit der h. Schrift selbst; hat bei der Darstellung der biblischen Wunder stets die Phrase bei der Hand: eö möge übrigens hierüber Jeder denken, wie er wolle. Er fasset die Lehre von der göttlichen Vorsehung aus in einer Weise, die nirgends Halt uud Grund in der Schrift hat; ").mit einem Worte: er läßt überall, in seinen Allerlhümern namentlich, seinen sreigeistischen und raiionalistischen Standpunkt durch blicken. Aber auch hinsichtlich der rabbini» schen Erudition kam er den hervorragenden Größen seiner Zeit nimmermehr gleich. Ein Pharisäer von altem Schrot und Korn kannte nur Ein Ziel, dem er alle seine Kraft und Zeit geweiht, nämlich die jüdische Lehre zu hegen und zu Psiegen, sie auszubilden, weiter zu entwickeln und auSzubauea, kurz er mnsitc so zu sagen ganz ansgehen in der Thora; JosephuS aber macht kein Hehl daraus, daß cr sich im Gegensatze zum Pbarisäerrhiimc recht fleißig an den Sonnenstrahlen griechischer Bildung erwärmte. Er erzählt selbst:*) ״Auch habe ich mich mit der griechischen Sprache vertraut gemacht und ihre Regeln gründlich erlernt, obwohl mir ein gcläusigeS Sprechen derselben unmöglich durch die Sitte meines Landes geworden. Bei unS sind nämlich diejenigen nicht geachtet, die vielerlei Sprachen verstehen und nach Schönheit im Ausdrücke jagen. Nnr die gelten bei unS als Weise, die sich aufs Gesetz verstehen und die h. Schrift nach Wort und Inhalt erklären können." Bei solch antipharisäischer Gcisteörichtung ist aber kaum anzunehmcn, daß cr int Fache der Traditionslehre sich zu jener Höhe emporschwang, auf der die damaligen Koriphäeu standen. Daß er auf dem Felde der Halacha und Haggada ziemlich einheimisch war, muß wol zugegeben werden, ob er aber jene erschöpfenden und umfassenden Kenntnisse in dieseu Zweigen besaß, die seine Zeit gefordert von den Schriftgelehrten, ist mehr alö zweifelhaft. Je tiefer wir in seine Altcrthümer eingehrn, desto mehr gelangen wir zu der Ueberzeugnng, daß JosephuS bloS alö Dilletant in der Schriftgelchrsamkeit gelten mochte. ES sei gestattet, vorstehende Behanptung durch Belege sicher zu stellen. Betrachten wir zunächst die Lichtseiten deS berühmten Schriftstellers, zeigen wir durch einige Stellen in seinen Alterthümern, daß ihm sowol Halacha als Haggada keineswegS fremd war. In der Haggada. 1. Ueber die Zäh, uugS- und EintheilungSwcise deS DekalogS waren voa jeher