Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 43 (28.10.1863)
- Date
- 1863-10-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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303 804 Cft. 1843 erstattet« tt Bericht ubtt den Eid moro judaico, um dessen Abschaffung Siwou kämet und Rabb. Horowitz in Wien mit Benützung der Gutachten von Schwab in Pest und Ehristianopoler in Drody petitionict hatten. Kurze Zeit früher war er gegen Prof. Rosa« in die Schranken getreten, welcher da« Studium der Medizin unter den Juden beschrankt wissen wollte. Eine gegen Rosa« Einrede gerichtete Replik M.'« durste iu Wien nichr gedruckt werden: G« hieß in derselben unter Anderem: »Ihr seid die Bevorzugten, die Privilegirten, durch Recht und Gesetz und Herkommen Beglaubigten, die Glücklichen, die im Besitze sind. Die medizinischen Lehrstühle find Euer; jede amtliche Befähigung׳ jedes Dcsugniß, das dem Arzte Gewicht und Ansehen geben kann, Euer: Siud wir die Angrcifenden oder die Angegriffenen, die Gedrängten oder die Dränger, die Ausschließenden oder AnSgcschlossenen, dir ihr Recht wahren, oder die daandere anfechten (S. 56)?" Der Pros. Rosahatte sich merkwürdiger Weise aus da- Evangelium berufen. um dir Ausschließung oder Beschränkung der jüdischen Aerztr zu motiviren! Im Jahre 1848 wurde Mannheimer zum Abgeordneten für Brody in den österreichischen Reichstag gewählt. Er sprach am 5. Oktober 1848 gegen die bcsondern Jndenstcucrn, und am 29. Jäner 1849 gegen die TodcSstrafe. Bei der Diskussion hierüber war er zum Genrralredncr gewählt worden. Außerhalb Wien predigte Mannheimer in Preßburg bei der Einweihung der TrdcSko-Anstalt (1844): in MicSlitz in Mähren bei einer Syiiagogenciiiweihuiig (5. Jäner 1845) »nd bei gleicher Veranlassung in Brünn (17. Sept. 1854). Der mährische LandeSrabbiner Hirsch wurde 1847 (30. Mai) von ihm installirt. So viel dielet vorliegende- Büchlein über M.'S öffentliche- Leben und Wirken. Seine Eigcnthümlichkeit als Prediger wird nur kurz be« sprachen (S. 43,44); wir würden einer eingehenden Besprechung mit vielem Vergnügen die Spalten des ״B. Eh." öffnen. Die erste literärische Arbeit, die M. als Wiener Prediger veröffentlichte, sind: Sechs Fcstpretigieii. Wien 1834 (nicht 33, wie es S. 33 heißt.) Unbestreitbar übcrtrcffcn tiefe Predigten an Innigkeit und pfichologischcr Zeichnung Alles, was bis dahin aus jndisch-honiilct. Gebiete erschienen war, und nur sehr wenige jüd. Prediger könne» sich in Lrcser Beziehung M. au die Seite stellen.. Dareformistische Element tritt hier auf eine entschiedene und würdige Weise hervor. In der am BcrsöhnungStage gehaltenen Predigt heißt eS: ״Es ist dadie eigentliche Erbsünde des Menschen, daß rr Alle- und Jede-, was ein Geistiges ist. in ein ArußerlichcS und Leibhafteverkehret, und so ein göttliches Theil hingiebt nm ein zeitliches Theil, selbst da, wo er eigentlich nur da- Göttliche suchet. Ec will den Geist nicht, er will die Form. Er will den Gedanken nicht, er will da« Wort. Er will den Glauben nicht, er will die Satzung. Er will dir Sache nicht, er will den Schein. den Klang und Namen. Er faßt die Aenßerlichkeit besser, weiß besser damit umzugehen, findet sich leichter dabei zurecht, kcunt sich besser au- — wie Ihr sagt; — genügt sich selber dabei am besten; weiß wo er auzusangen hat, wo eS auist, rechnet mit sich ab- und bleibt sich nichtschuldig; — wader den gewöhnlichen Menschen wie bei dem Kinde die Hauptsache ist. Sagt ihm, wo eS auzusangen habe, und wann und wo «S fertig ist — und eS hält euch schon auf ein Stündchen aus." — Mit diesen Worten, denen die weitere Aussührung folgt, soll der Ansicht entgegengetreten werden, welche der Redner mit folgenden Wotea charakterisirt: »Sit ist die alltägliche, die gtwöhulicht in den Gemeinden Israels, die herrschende, können wir sagen, Leun sie sitzet aus den Lehrstühlen in Israel (S. 40)!" — Beachten«׳ werth ist der Umstand, das. in diesen Predigten hier und dort noch die Muster durchklingen, an denen sich M. zum Kanzekredner gebildet hat. Denn nur daraus ist e« zu erklären, damau zuweilen oeutestaweutlicheu Sprüchen begegnet. So S. 40: »Wer steht, der sehr wohl zu, daß er nicht falle." Iw ersten Briefe an dir Korymher 10, 12. ist zu lesen: »Darum, wer sich lässe» dünken, er stehe, mag wohl znsehen, daß er nicht falle." S. 66 stehen die Worte: ״Wollet ihr Gute« thuo, so thut eS hübsch im Stillen. ES darf die linke Hand nichts davon wissen, was die rechte thut — daist die rechte Mildthätigkrit, wie sie Gott gefällt." Im Evangelium Matthäi 6, 3. steht geschrieben: ״Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was dir rechte thut." ES versteht sich von selbst, daß der Inhalt dieser Sprüche nicht angefochten werden kann. Den Spruch audem Korynthcrbriefe ersetzt lciche der Spruch: ״Traue dir selbst nicht biau dcn Tag deincS Todes (Ab. 2, 4)." Da- Wohlthu״ im Stillen wird im jüd. Schrislthume vielfältig empfohlen. Im zweiten Tempel gab eS eine eigene ״Zelle der Schweigsamen" (!לשכר השאים) zu diesrm Zwrcke (Schklal. 5, 6), und diksrm Beispiele folr gend, sorgten auch die Gemeinden außerhalb Jerusalem« dafür, daß verschämte HauSarme im Stillen unterstützt wurden (Tosistha das. Abschu. 2)- Nur die Form der angeführten Sprüche ist bedenklich. Christliche Leier können dadurch leicht auf die Dermuthuug kommen, die jüdische Literatur sei für den jüdischen Kanzelredncr zu arm, waaber durchaus nicht der Fall ist. Ein großer Theil der vorliegeuden Schrift ist den Berhandluu« gen gewidmet, welche in Wien gepflogen wnrde», bidie Eidesformel von 1846 zu Stande kam. Aus die Kritik dieser Formel, die den ausmerksamen Lesern dieser Blätter bekannt ist. ließ sich der sonst so wahrhcilSliebcnde Verfasser ni cht ein. Nur auf einzelile Punkte wird, ohne daß der Urheber der Kritik genannt würde, angespiclt, um zu erhärte», daß Mannheimer kein Tadel trifft, wa« übrigenvon Niemanden dehanplet wurde. Die Ausstaitung de- Büchleinist vortrefflich, und wird dasselbe hoffentlich die Verbreitung finden, die es in jeder Rücksicht verdient. 13. C halb Lisch eS Lesebnch auden Targunim de- A. TauSgcwählt und mit erläuternden Anmrrknngeu und einem vollständigen erklärenden Wortregister von Dr. G. B. Wiener, k. Kirchcurathe und ordentlichen Pros, der Theologie an der Universität Leipzig. In genauem Anschluß an des Verfasserzweiter Auflage der Grammatik, des biblischen und targumischcn Ehaldäi-mnnach de- Verfassers Tote neu bearbeitet von Dr.Julius Fürst, Lehrer der aram. uud «alm. Sprachen an der Universität Leipzig: Verlag von Im. Tr. Möller. 183. 6. VIII. 88. In unserer Zeit ist besonders in der österreichischen Monarchie die Zahl der Jünglinge nicht gering, die sich zu Rabbinern ausbildrn wollen, ohne daß sie Gelegenheit haben, ein Seminar oder sonst eine höhere Lehranstalt zu besuchen. Ja selbst angestellte jüngere Rabbinen fühlen zuweilen da- Bedürsniß, ihre mangelhafteu theologischen Kennt- Nisse durch Privatfleiß zn erweitern. Die Kenntniß de« biblischen und targumischen EH-ldäiSmu« gehört aber zu den üuerläßlichstea Kenntnissen einejüdischen Theologen. Wiener'« Grammatik ist durch ihre Klarheit und Kürze vollkommen geeignet. Anfänger in die fragliche Sprache rinzusühren. Davorliegende Lesebuch ist die Ergäuzung der Grammatik. welche ebeufalls bereit« in zweiter Auflage erschien. Wir wünschen, daß beide, Grammatik und Lesebuch, von NabbinatSkandidateo und jünger» Rabbinen recht fleißig benützt werden möge. (Werden fortgesetzt.) Druck von Sigmund Burger in Szegedin.