Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 42 (21.10.1863)
- Date
- 1863-10-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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783 784 Bericht über die diesjährige Orientalistenversamnüimg in Gleißen (in Lachsen) vom 29. September bis 2. Oktober. Do» Dr. «. M. Dir Zeit brr Waubervrrsammlnngen — brr grlr6r*rn u 11b unge« lkhrtcu — ist vorüber u»b dir Thcilnehmer derselben gehr» nua wieder ihren WerkeltagSgeschäften nach. Allenthalben in Deutschlanb würbe .sestgegefsen* u»b ״sestgetrunken* — doch eigentlich freilich nur von den ul!gclehrl.-a Zuttstgenossen׳. denn Gelehrte «huo so etwanicht. wenn Boshafte auch behaupten, daß dies, sowie bei andern Meuscheukindero. der eigentliche Zweck ihrer Zusamnienküiiste sei. Mag sein — ich will nicht aus der Schule vlaudern, um nicht am Ende selbst für so einen Fcstbiiuimler geholten zu werden. Am schlagendsten wird jene Beschul- Lignng de» groben Materialismus gegen meine Fachgenoffcn, die Orten« lalisten. dadurch widcrlegi. daß sie mit ihren ebenbürtigen oder uneben« hurtigen Brüdern, den Herren Philologen, Schulmeistern und Germani« sten das bescheidene Meißen in! schönen Sachsenlande als Festort gewählt hatten. Diese Auszeichnung wußte aber auch da» niedliche Stadt« chen nach Gebühr zu würdigen; denn zahllose Fahnen in verschiedenen Harbeii, aus Häusern und den naheliegenden Weingeländern anfzcpflanzt, wehren den Gästen gleichsam zum Willkomm entgegen. Man sah eS dem Festschmucke der Häuser an. Laß sic ganz besondere Gäste beherbergen. Und in der Thal wohl selten hat ein Städtchen wie Meißen so viele Kornphäen der Wissenschast in seiner Mitte gesehen. Männer. welche eine Metropole mit Stolz hätte beherbergen können. Bon Orientalisten waren da: Fleischer, der Altmeister der arabischen Philologie. LepsiuS, der berühmte Aegyptologc, die SanSkritphilologen Weber. Kuhn und ArcckbauS, Spiegel, der uncrinüLliche Forscher im Altpcrsischcn, Op« perl, der geniale Entzifferer der assvrischen Keilschrift, der Sprachenstlosof Steinthal. Fürst, der feine Kenner der hebräisch «aramäischen Sprache und Literatur. Levy, der Ewald da« Monopol der Gelchrsam« teil in Phöuizil» mit Erfolg streitig macht, Delitzsch, der christliche Tal« iiilidlst, Pfarrer Wclff aus Rottweil. der durch Autopsie La« heilige Land fr litten gelernt, die Arabisten Kletzstein.!)losen, Gosche. Dicteriei und Arnold, der naturalisirte Türke Mordtmann, Behrnaucr. der tüchtige Kenner der türkischen Sprache und Literatur, von der Gabelnütz. a!S Lingllist und als Kenner der tatarischen Sprache ausgezeichnet, Peter« inann, durch seine Forschungen im Gebiete der armenischen Sprache und Literalur bekannt, der um die alitestamenlliche Literatur hochverdiente Nödiger, Tischcndorf. der um das Alte und Neue Testament sich uusterbliche Verdicuste erworben. Geograph Kiepert, Zenker, der seine Kenner de« Arabischen, Persischen und Türkischen, Stähliu aus Basel, einer der Veteranen der Theologie, und andere mehr. Nebenbei bemerke ich, daß wir sogar einen Gast aus dem Orient in unserer Mitte hatten, uäwlich Rev. Lang au- Calcutta, der die Bersammluug durch einen höchst interessanten Vortt.ig .Ueber da« Studium te« Sanskrit unter den Eingeborenen* erfreute. Desgleichen hatten sich die Germanisten eine« TheilnchmerS au- New-Iork zu rühmen. Den Orientalisten präsidirteProfessor Flügel au« Dresden. Vizepräsident war Professor Graf von der LandeSschulr in Meißen. al« persischer Philolog hinlänglich bekannt. Da« Sekretariat versahen Dr. Friedrich Müller au« Wien und Dr. Mühlau, eia junger Gelehrter au« Sachsen. — Gerne würde ich die gehaltenen Vorträge wenigsten« ihrem Haupt« iuhalte nach wiedergeben, muß e« aber bei der beabsichtigten Kürze dieser Skizze unterlassen. Ueberhaupt liegt meiner Ansicht nach brr ei« gentliche Werth dieser Wanderversammlnugen nicht sowohl in den Bor« trägen, welche in dieser ober jener Sektion gehalten werben, al« viel mehr in der persönlichen Begegnung geistesverwandter Männer, welche die Gleichheit der Studien, die Begeisterung für ein und ba«selbe Ideal eng aneinander knüpft. Wohl kurz nur ist die Zeit de« trauten Znsaw« mrustiuS, aber lange genug zu einem die Stodieo ungemein förbrraden gegenseitigen GebaakenauStausch. Und nicht« ist hierzu «ehr geeignet, al« der wenigsten« von den Orientalisten meistentheil« gewahrte Kaste», geist beim MittagStische. Da sitzen sie, die von den übrigen Festgeooffe» als ,Sonderlinge* Verrufenen, beim heitern Festmahle, meist nach den Hauptgruppcn der orientalischen Stnbien gereiht, im eifrigen Gespräche über ihre LieblingSstudieu vertieft, fast lassen sie die zahlreichen Toaste der übrige» Festtheilnehmcr uubeachtet. ja sie bleiben sogar , während alle andern von ihre» Sitzen sich erheben, als echte Phlegmatiker sitzen und meist nur dann sicht man ihrer einige die Pokale rrhrbeu und ans ein herzliche« ״prosit" trinken, wenn hier eine Plausibel erklärte San»- kritwurzel. dort die richiig gelöste schwierige Verbalforw zur Veranlas« sung überschwenglicher HerzcnScrgirßungrn wirb. Mit Sicherheit kann man aus ein allgemeine« Gläsergeklirre dieser separatistischen Zunft rech« uen, wenn eine stürmische Ovation zu Gunsten eine« Philologen, Schul« meister« oder Dcutschthümler« zur Veranlassung energischer Gegendemou - stratiou wird. So stoßen denn hier Juden mit Juden an, dort Araber mit Türken — sind doch beide Muhamedaner — hier wieder Juden mit Juden und ihren Brüdern den Phöniziern und — einem einzigen Affyrcr. Ein Glück, daß Herr Oppcrt nebenbei Jude von Conscffion ist, sonst müßte ihm, als dem einzigen Repräsentanten der einst so macht,- gen und uebeubei gesagt so judcuseindliche» Assyrcr unter den ziemlich stark vertretenen Freuiitcu de- JudeuthumS ziemlich bange werden, und da« um so mehr, da die ganze ehrcnwrrtbe Versammlung aus'« ,Assyrische* nicht gut zu sprechen ist. Doch Oppcrt ist von der Richtigkeit sei« ne« System« überzeugi; und wer kann ihm« nehmen, da er allein den Schlüssel der Erkenntniß hat. — Wa» die während der Versammlung verlebten Festtage betrifft, so werden sie gewiß jedem Theilnehmer eiiie sehr angenehme Erinnerung sein. Ein besonderer Genuß wurde den Gästen durch dir zarte Aufmerksamkeit Sr. Majestät de« Königvon Sachsen bereitet, der die Gnade hatte, die ganze Versammlung zu der am 30. September im königl. Hoslheater zu Dresden stattsindeudcu Vorstellnug de- ״Oedipus auf KcloncS*, worin Davison die Titelrolle hatte , zu laden. Die Gäste fuhren per Ertrazug um halb 3 Uhr nach Dresden und wurden nach beendeter Vorstellung, und nachdem sie in einem hiezu eigens verabredeten Lokale sich erfrischt, um 12 Uhr Nacht« wieder per Ertrazug nach Meißen zurückgebracht. Als Ort der nächsten Versammlung wurde Hannover gewählt. Aus Oesterreich waren da: Linker aus Lemberg (Philolog), Karaja» au« Gratz (Philolog), Gompertz (Privatgekchrter. ebenfall« Philolog) au« Wien. Mussasia au« Wien (Romanist), Brüder Mütter au« Wien (Orientalisten). — Von jüdischen Gelehrten der orientalischen Sektion nenne ich: Fürst. Levy, Oppert, Steinthal. Ihre Namen sind zu bekannt, al« daß ich »S völhig hätte, über diese Männer weiter rin Wort zu schreiben. Nur von Fürst bemerk» ich. daß ich nicht bald eine» jovia, Irren Gekehrten kennen gelerut. alihn, und auch nicht leicht von >rgend Jemanden wir eine andere Vorstellung gemacht, al« eben von ihm. Erwägt man da« Alter Fürst'« (er ist bereit« ein Sechziger) und dt» respektablen Umfang seiner Werke, so ist mau am allererste» geneigt, sich denselben oll dürre», griesgrämige» Gelehrten vorzustelle». findet aber dafür eine heitere, stet« aufgeräumte, behäbige Gestalt. Er war, wa« sein Volumen betrifft, gewiß ber Fürst der Dersammloig. — Druck vo» Sigmund Burger i» Ezegedi».