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Ben Chananja · 1863-10-01 · 39 (1.10.1863) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
39 (1.10.1863)
Date
1863-10-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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723 724 wird! Vor Allem scllten die Herren ihre bekehrende Kraft an der großeu Schaar von Professoren der christlichen Theologie versuchen, welche die wessianischea Weissagungen dealten Testaments nicht wie Herr PLtavel und Gruoffen. sondern gerade wie dir Juden auSlrgea! Her, P. zitir» zum Dehuse der Zudenbekehrung Verse au« dem Proseten Je» sajaS. Diese Verse werden aber selbst von dem ftommen und gemüthlichen Protestant. Prof. Umbreit so auSgelegt, daß sie nichlSweoigrr al« geeignet find, dem Herrn P. ol« Beweisstellen zu dienen. Zu diesen theologischen Bedenlcn kommt noch der wichtige Umstand, daß da« aggreffive Auftreten gegen eine religiöse Körperschaft nach den heutigen Anschauungen und sozialen Zuständen unerträglich, oft empörend ist. Bei all dem Liberalismus. den Herr P. zur Schau trägt, nimmt er dennoch leinen Anstand, einen Mann, wie KöuigSwarter, mit seiner seregetischen Grillenfänger,i zu behelligen. Herr P. begreift in seiner mislonärlichen Dlsangenheit nicht, daß die Freisinnigkeit de« einzelnen Cbristen fich nicht dadurch bethätiget, daß fie den Juden nicht im Genüsse der bürgerliche» Rechte beeinträchtiget, wa« ja der einzelne Christ nicht zu thuo vermag; sondern darin, daß fie da« Judenthum als Manifestation des religiösen Geistes respektirt, und auf alle NeberredungSkünste zur Bekehrung der Juden aufrichtig verzichtet. Diese Bemerkungen erlanben wir uns nicht nur Len Herren PLtavel und Gtncffk», sondern auch den hochw. Herren Superintendenten SzüküeS und Török in Pest zur Beachtung zu empfehlen, da unter den Augen dieser wahrhaft erleuchteten Theologe» in Pest eine Schule eristirt, die keine audrre Ausgabe hat. als Judeukiudcr zum Protestantismus zu bekehren. Ist dies etwa der Dank für die Bereitwilligkeit, mit welcher, wie Török selbst bezeugte. die Pester Jude« zur Erbauung der reformirten Kirche in Pest beigesteuert haben? Die Geschichte wird über diese widerwäriigr Proselnuimacherci zu Gerichte fitzen. Cie wird verkünden, daß die ungarischen Protestanten nach Verlaus von kaum mehr als zwei Menschrnaltern ihrer eigenen Freiheit es geduldet habe» , daß in ihrer eigenen Mitte sanalischcr BckehrungSeifer gegen die Juden geübt werde! 4. Jahresbericht der jüdischen Hauptschule in Raab. Raab, Sauerwein. 1803. 4. 18. sJn ung. Sprache). Aus eine Ansprache au die (Sltcrn folgt eine Besprechung der Rücffichken, welche letztere bei der Berufswahl ihrer Kinder im Auge zu behalten haben (1—9). AuS dem Berichte erhellt, daß die Schule von 309 Kinder» besucht wird. An derselben wirken mit Einschluß de- Gesanglehrers acht Lehrer und zwei Lehrerinnen. Den Schulvorstand bilden die Herren Ignaz Fried« manu, F. Epstein, I. Hitschman», Dr. L. Wimmer und B. Wols. Die Schulbibliothck, zu welcher aus der Gcmeindefaffe 100 fl. beigesteuert wurden, zerfällt in eine Lehrer- und eine Schülerbidliothek. Jene zählt mehr als 80, diese mehr als 300 Bände. In dem abgelausenen Jahre find der Schule verschiedene Schenkungen an Geld. Büchern und anderen Lehrmitteln zugekommen. Die Raaber Gemeinde ist wegen ihrer schulfrcundlichcn Gesinnung wirklich zu beglückwünschen. 5. דעת אלו־יים בארץ von Abraham ha - Koheu Krochmal. Lemberg. Michael Wols. 1863. 8. 113. Preis: I fl. ö. W. Die Freunde rrligiousfilosofischer Forschung werde» dies« Abhandlung mit vielem Interesse lesen, und dem geistreichen Verfasser alle Ge« rechligkeit widerfahren lasse», lieber dir Bedeutsamkeit, welche die hier vorliegenden Resterionen und Resultate für die Wissenschaft haben» werden die Meinungen der Forscher wohl sehr getheilt sein. Der Herr Verfasser schöpft seine, die Geschichte der Filosofie und der Religio» betreffenden Angaben au« Enbfidiarquellen und baut daraus sein Raison« nement. Die Richtigkeit dies״ Angabe» ist aber uichtSweniger al« wis« seuschaftlich. fichergestcllt, so daß dem Raisoanement jede feste Grundlage abgrht. So spricht der Verfasser über Zoroaster und dessen Lehr» <10— 16) mit solcher Zuversicht, al« ob die Forschung hieri» schon gaaz in'« Reine gekommen wäre, wa« doch bekanntlich nicht der Fall ist. Sehr übereilt scheint uu« ferner da« Streben de« Verfasser«, Anschauungen der neuern, besonder« Hegel'schen Filosofie selbst in da« biblische Alterthum hineinzutrageu» und gar von Berührungspunkten zwischen Mose« und Spinoza zu reden (S. 7)! Endlich müssen wir bei aller Achtung, die wir der Gelehrsamkeit de« Herrn Verfasser« gerne zollen, über dessen willkürliche Allegorifirung talmuvischer Aussprüche unser Erstaunen ausdrücken. E« unterliegt keinem Zweifel, daß schon in der talwudischen Zeit das Hohelied und einzelne Bibelstellen, wie die vier Ströme des Eden, allegorisch erklärt wurden. Ob aber die Thannaiteu und Amoräer filosofische Ideen in allegorische« Gewand gehüllt haben, ist erst die Frage: eine Frage, für deren Besprechung wir gerne den »Den Ehananja" benutzt sehr» würden. Die Germanofränkischen Talwudausleger, R. Gerschom, Raschi und die Thosafisten haben von einer allegorischcn Redeweise des Talmuds nicht dir geringste Ahnung, wogegen die Lehrer der arabischen Eulturepoche, besonder« sei« Maimonide«, bestrebt waren, einzelnen Aussprüchen der talmudischen Haggada allrgorische Deutung zu geben. Weit eiitferut. ihre Methode hermcoeutlsch und geschichtlich zu rrchlfertigen, glaubten die Allegoriste», die Berechngung, ja die Pflicht zu ihrer AuSlegungSweise läge schon in ihrer Pietät gegen die alten Lehrer, welche sich, um der ihnen gezollten Verehrung würdig zu sein, mit der Lösung spekulativer Probleme beschästigt haben müsse». Da nun aber dir Aussprüche der allen Lehrer nach ihrem natürltchen Wortsinnr dieser Voraussetzung nicht entsprachen, ja vor dem Richkerstuhle einer spätcrn, höher stehenden Zeit nicht einmal annehmbar erschienen; so fühlte man fich genölhigt, Leu natürlichen Sinn der anstößigen Aussprüche fallen zu lassen, um denselben durch künstliche, allegorischc Deinung einen spekulativen Inhalt zu verleihen. Eine solche aus Pietät für das Altcrthum fließende Eregese ist auch anderen Enikur- und Literatiirgebieten nicht fremd. Sie findet sich nicht nur be, den Alerandrinijchen Juden, sondern auch bei den Griechen. Unter letzteren soll T h e a g r n e s von Rhegion schon 520—521 v. d. grw. Zir. seine allegorische Deutung des Homer edirt habe». Und wenn es auch zweifelhaft ist, ob er bereits in die Weise eingelreten sei, in welcher man den Homer zum ס׳ןןי*')»׳? nüötjt; (llrdcder aller Weisheit) macht, und in seinen Gedichten die Sätze oder doch Anfänge aller Fi» losofen fand, so ist eS doch gewiß, daß sein Versuch durch Auarago« r a « und Lessen Schüler erneuert wurde. Diese machten rS zum Ton, au Jeden, der für einen Kenner des Homer gelten wollte, die Forderung zu stellen, Laß er die rsr»yönn■ zu finden und auSzulegen wisse. Diese Auslegung der vfroratrtt, d. h. eines gesuchten,!einem Sinne« und Gehalles, bestand nicht blo« in allegorischer Deutung der Götter- «amen und Götterhandlungrn, sondern auch in praktischer Anwendung der Homerischen Gedichte al« einer Encyklopädie alle« Wissen«: aber die Allegorie war der Höhepunkt derselben. Den weiteren Entwicklung«« gang der Homerische» Eregese haben wir hier nicht zu verfolgrn. Da« Gesagte reicht hin. zu bewriseu, daß die Pietät für das Alterthum nicht nur bei den Juden eine Quelle eregetischer Deutelei war. Dir wissen« schafiliche Begründung diese« Verfahren« in Bezug aus die Haggada muß aber erst geliefert werde». (Werden fortgesetzt.) Druck von Sigmund Burger i» Ezegedin.

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