Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 34 (19.8.1863)
- Date
- 1863-08-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 34 Szkgedin, Den 19. Lngnjl 1863, Sechster Jahrgang. 2'dru Mittwoch erschnvt ein Präoumeratlanrprel»: Vanzjährig 7 fl.. balbj.3 fl. Lv kr., Viertels. L fl. öst. W. Man abounir» bei allru Post, änikern u. Buchhanklungen de« In- und Austandc«. kN GMMW. lüiicfjcnöfnlf für jüdische Theologie. Herausgeber und Redakteur: as a» 2^.Ds Oderrabbiner za Szrgedia. sind and. Rrtaktlon in Szegedi» oder an Hrn. /ranz TUoflntt i* Lfipji(j ju srndrn. Dir Lspaltigr Pelilzeite wird mit IO Nkr. — 2 Sgr. berechnet. Brtakti»!: 3 Kronrn-Gaffr. Politzer'schr« Inhalt. Erinnerung an einen jüdischen Dertreter der Filosofie in Wien. Dom Herau-g. — Die Nctbwendigleit einer Schulbibet. Don 8. Seidiier. — Die griechischen Dibeiübersetzungen. Don Rabb. Dr. Zipser. — Korrespondenz. Ausland. Pari» (Wirken der ANianre für die Serbischen Juden. Inland. Szegcrin (Salomons ThalmudauSgadr Wohllhätige Spenden). Preßburg (Rabbiner, Maggid und Prediger Pension«« fond). Szalka (diabblnerwaht). N. Küroly (Dauicn. Schulircundllcher Vorsteher). Szegedin (GeburlSlag«feirr Sr. Majestät. — Literärkfche Nnjeigen. — Kalischs htbr. &'■ -:matik. Ang von Dr. Iemand. — Inserate. — Bemerkungen. 0nm!rn1»o an rincu Mischen tfcrlrricr öcr Krillscheit .sifososte in Men. So oft dir Wissenschaft im Gewände einer lebendigen Sprache anftrat, ftrömten ihr auch aus der Mitte der Juden zahlreiche Freunde und Verehrer zu. DicS gilt insbesondere auch von der Filosofie, die von den hellenistischen und arabischen Juden stndirt, gepstegt und literarisch bereichert wurde. Geringe Theilnahine stöstten dagegen Wissenschaft und Filosofie den Inden dort ei», wo sie sich nur in der römischen Toga zeigten, und sich der lateinischen Sprache bedienten. Die Znden befasien ihre eigene Gelehrteiisprache, die hebräische, welche sie, wie in der Liturgie, so auch in der Wissenschaft, ja selbst zur Abfassung mancher bürgerlicher Urkunden ge« brauchten, während die Landessprache auch die Sprache ihres Verkehrs und Umganges war. Die Wenigsten fühlten daher daS Bedürfnis?, noch eine dritte Sprache, die lateinische, zu erlernen, welche überdies die diplomatische Sprache der Indenbekebrung und Judenverfolgung war. Daö größte Contingent filosofischcr Schriftsteller stellten im Mittelalter die arabisch redenden Juden; die Juden im christlichen Spanien und in der Provence waren ihre Schüler. Unter den Inden, die sich mit der lateinisch redenden Wissenschaft befreundeten, stehen die italiänischen obenan. Dei stüchliger Betrachtung könnte man geneigt sein, diesen ihren Vorzug ans die Verwandtschaft ihrer Muttersprache mit der lateinischen zurückzusühren. Allein dieser Verwandtschaft erfreute sich auch die Sprache der französisch oder spa, nisch redenden Inden! Nicht den sprachlichen Verhältnissen verdankten die italiänischen Inden oeu Vorsprung, den sie vor ihren Glaubensgenossen in ankern Ländern hatten, sondern den fortgeschrittenen 6nltu״verb.>tt isscn Italiens. Hier protegirte Friedrich U. v > n H o h e n st a u s f e n (1209— 1250), wiewohl nichtSwcniger als jndensreundlich gesinnt, auch literarisch thätige Juden, unter denen besonders Jakob Anatolio bervorragte. Hier entwickelte sich zuerst die klassische Bildung, indem von Dante, Boccaccio und Pe« trarca, in denen die Liebe für die Alten zuerst erwacht war, schon im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert dem Studium der Klassiker Bahn gebrochen wurde. Die Juden nahmen bald Aiitheil an dem Anfschwnnge, nnd die jüdische Gemeinde von Rom hatte von 1270 bis 1330 eine ganze Reihe hervorragender Schriftsteller anszuweisen '). In der zweiten Hälfte deS fünfzehnten Jahrhunderts zog JohanneS PicuS von Mirandola, der bei N. Jochanan Alemano Unterricht im Hebräischen genommen hatte, die jüdische Literatur mit in den Kreis seiner Studien. Im An« fange deS sechzehnten Jahrhunderts ließ sich ein Kardinal, AegidinS von Viterbo, von einem Juden, dem aufgeklarten EliaS Levita, in die jüdische Literatur einsühren, indem er zugleich seinem Lehrer die Pforten deS Verständnisses des Griechischen öffnete. In Frankreich und in Deutschland war dagegen den Inden die lateinische Wissenschaft ihrer christlichen Landsleute ziemlich fremd geblieben, wenn auch Einzelne, wie Lippmann von Mülhausen und Sab« bathai Dassista, lateinisch verstanden und lasen. Nach« dem aber der erste deutsch schreibende Filosos, Christian Wolf, aufgetreten war, blieben auch die deutschen Juden nicht mehr lange ohne Vertreter auf dem Gebiete der filo« sofischcn Spekulation. Wolf starb 1754, und 1755 erschien die erste filososische Schrift Mendelssohns. Selbem wurden die Juden immer mehr in die geistige Strömung der Zeit hineingezogen; in dem Kreise der Schüler KantS, sowie in dem der Förderer der kritischen Filosofie haben sich auch jüdische Denker einen Ehrenplatz gesichert. Viele unserer Leser werden sich sogleich an Dr. Markus Herz (gest. 19. Jäner 1803) erinnern, über welchen Mendelssohn am 23. Dez. 1770 an Kant schrieb: ״Hr. M. H., der sich durch Ihren Untcrricht, und, wie er mich se(b^.v^sichert, noch mehr durch Ihren weisen Umgang, zumgebildet hat, fährt V 7