Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 24 (11.6.1863)
- Date
- 1863-06-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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409 410 Korrespondenz. Ausland. — n. Augsburg, Anfang- Juni. Nachdem wir schon durch einige Wochen mit Spannung, ja ich möchte sagen, mit Ungeduld der '.Inkunst unsereneuen Seelenhirten entgegengesehen hatten, traf derselbe endlich am 17. Mai Mittag» 1 Ubr in Augsburg ein. Eine große Zahl Neugieriger halte fich am Bahnhof eingefunden, da Alles begierig war, den Man» zu sehen, dem ein so großer Nus der GotteSgelehrlheit und eineimmensen NednertalenteS vorausgeeilt war. Offiziell hatte fick unser erster Vorstand, Herr Karl Ober, iiieicr, Oberst des hiestgen LauLwebr-Regiment» und Herr S. Oberlcrscr, erster Vorstand der EultuSgcmeinde KriegShaber z»m Empfange des Neuangekoninieiien aus den Bahnhof begeben. Der erste Gang war. aus eigene Anordnung de» Herrn Rabbiners, zur Synagoge, wo derirlde fich nach Abhaltung LeS Mincha-GcbetcS in einer kurzen Anrede ,.׳liier Gemeinde verstellen wollte. Am Portale der Synagoge hatten sich die Repräsentanten sämmllichcr vier Gemeinden. ans denen der NabbiiialS-Distrikt Augsburg bestebt, zum Enipsangr des hochwürdige» Herrn ausgestellt. Der erste Eindruck, den wir von dcniselben enivfingen, war schou rin sehr günstiger. Die hohe, geLankcudurchsurchte Stirne, oaS hellblickeiidc Auge, die edle würdcvostc Haltung, zeugten von gei« Niger Arbeit, von hober mäuiilichcr WillenSkrast. Eine kurze kernige Ansprache verfehlte nicht, die Gemstther der Zubörcr ausinnigste zu ,!greisen. Siaud ja der hochwürdige Herr, von seriicm Lande koniinend.! gleichsam einer ucucn Schöpfung gegenüber, denn bisher war der Sitz des DistriktS-RabbinatS in dem 1 Poststundc eulscrute» KriegShaber. Seit 4 Jahre», seit den, Abgang LeS früher» Rabbiners Guggcnhciuier nämlich. Vaters des in Ungarn bekannt gewordenen Stnhlweißenburgcr Rabbiners, war die Stelle verwaist. Inzwischen »ahm die jüdische Bevölkcrung in Augsburg in rapider Weise zu, und — was wescntlicker noch ist, alS die »uuiciischc Zahl, — sic rekrutirtc sich auS den anocrtesenstc» Faiiiilien der Umgebung, so daß Augsburg. dasich nun als l'»I1»Sge,11ci»de constituiric, bereits in Liese», Augenblicke eine durch Bildung und Rcichthulli hervorragende Gcineinde des Landes ist. Dieser ll»istand in Verbindulig »och mit lcmjeuigc» , daß Augsburg der Sitz der Regierung von Schwaben und Ncubnrg ist, und zu ten bctcnlsamstcn Stätten Deutschlands gebärt, »inßle eS wohl als naiürlich erscheinen j lasse״, daß der Sitz des DistriktS-RabbinatS Kicher verlegt wurde. Die! ^״liiisgcuicindc Augsburg sann so in jeder Drzirhung all eine neugr-! gründete betrachtet werden. Dieses Bewußtsein und einc freudige Emj pfiilduiig über den glücklichen Moment. der eben jetzt das neue Werk keöiile, verstand der Redner durch seine eindringlichci, Worte, die von Trlbstbcwnßlsei» und Bescheidenheit in gleicher Weile Zcugniß gaben, '״ t1״ Zuhörern zu wecken. Man fühlte sich gehoben, freudig bewegt, und übcrlriig seine frohen Gesühe von dem Werte auf Len Urheber die,er Eiiipfiudungcn. Später hielt Herr Dr. Hirschseld seine Anlritis- Rede in KriegShaber. als dem früheren Sitze LeS RabbinatS, was von dieser Gemeinde als Pietät und zarte Rücksicht für die ehemalige Betculsaiiilcil dertelden im Distritle, dankbar ausgesaßt wurde, die aber auch dieser Auffaffung durch einen überaus schönen und herzlichen 8mpsang ihres gei>llicheu Oberhauptes, Ausdruck gab. Die degeisterleu Worte, die dem Prediger von den Lippen strömien. rissen die Zuhörer unwillkürlich mit fort. Alles fühlte, daß man einen Mann vor sich habe, der seinen Beruf in dessen ganzer Bedeutung erfaßt und ihm nachjukouimen de» Willen und die JCraft habe. Will 1. Tage Schabuoth hielt Herr Dr. Hirschseld hier gewissermaßen seine AuiritlSrede. Ich sage gewissermaßen, den» die feierliche Installation von Seite der Sladtbehörte in Gegenwart der Regierung«» b,Hörde wird erst demnächst, nach Ankunft de» eben abwesenden Herr» RegierungSpräfidenten, stattfinden. Die Synagoge vermochte die dicht« gedrängten Zuhörer kaum zu fassen. Die Thürea mußten geöffnet blei» ben, damit auch die im Vestibüle Stehenden, den Redner hören konnten- Dieser hatte fich die Bedeutung deeben zu feiernden Festtag,« zum Vorwurf gemacht. In erhabenen, de« Gegenstände« würdigen Worten sprach er von den hehren Momenten der Gesetzgebung. al« der Neubegründuog eines großartigen religiösen NationallebrnS; und so aus die Neubkgründung unsere« religiösen GemeindelebriiS übergehend, wußte er mit feiner Nnaneirnng den Sinn seiner Zuhörer vom Idealen zum Praktischen hinübcrzulriten. Waren schon ehegestcru die Hörer von den geist- und gcmüthvo.'lcn Worten des verehrten Redners bingezogen, so waren sie heute völlig enthufiaSmirt! Am zweiten Tage Schabnolh knüpfte der hochwürdige Herr an die Todtcnseier eine Gelächtnißredr auf Dr. Gabr. Rieffer in sehr erbeben» den Worten. Die innerhalb von acht Tagen gehaltenen Reden hatte» das geistliche Oberhaupt mit seiner Geineinde in mehrfachen geistigen Eontact gebracht und die Gemülher gewonnen; und so ist derselbe in Kurzem Einer der Unserigen geworden, innig verwebt mit unseren Intcressen, in Leid und Freud uns angehörig, wie wenn daS Band un« schon Jahre lang umschlungen hielte. Inland. —- Wien, 5. Juni. Der Hofwechöler Herr Ignaz Deutsch ist Ritter des Franz Joses-OrdcnS geworden. Z» gleicher Zeit haben ihm 30 :!::.;arische Nabbinen den Morenu-Titel verliehen. Wie», im Mai. Wenn nach dem AuSspruche eines der altestcn ,ütischc» Schristgclchrtcii, R. Simeon, des Gerechte», Lehre. Gottesdienst und Mildthätigkeit die Grundlagen sind, ans denen Li: sittliche Wellordiinng beruht, so finden die unsterblichcii Worte jenes ehrwür, Ligen Weilen auch ihre AnwciiLnng bei der jüdischen Geinciiidc: den» auch hier müssen Lehre, Gottesdienst und Mildthätigkeit die Lr:1 Seelenkräfle sein, welche len Lrgaiiismus eines jeden große» oder kleinen GeinciutckörpkrS tiirchtriugen. bewegen und beherrsche» niüsscu, so lange tcr jüdische Eharakicc nicht ausgegebcn und verloren werte» soll. Es sind Schulen, Golteshäuser und Austaltc» für das öffentliche Wohl. 1» Lene»!ene Kräfte sich am engsten cvnccniriren, wo die segensreiche und ersprießliche Thälizkeit Lersclbrn sich am sichtlichstru und lcbendigsteit bekuntei: LaS Lchrt-aus ist das Haupt, Las Gotteshaus das Herz der GcuieiiiLr: die Anstalten für Las öffentliche Wohl find die Organe. Lurch welche sich Nahrung. Stärke und Leben — allen Gliedern des großen Ganzen mitihlilt. Wir müssen rdaher n»r als eine» erjreuliche» Fortschritt anschcu, wenn viele GeiiieinLen unseres Vaterlandes in diesem Geiste Schulen gründen, Gotteshäuser bauen, wcklthätige Pereine ins Leben rufen, Männer von Geist »nd Herz an dir Spitze stelle», die in klarer Erfassung ihrer Zwecke und i» besonnener Erwägnug der Mittel. Lurch welche Liese erreicht werten, an dem AuSbanc und der Durchbildung LeS Ganzen mit ernster Negsanikeit und mit uneigcnnütziger Hingebung arbeiten. AlS leuchtendes Muster und Vorbild steht jctoch in dieser Hinsicht die israelitische EultnSgemcinde der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien da. Sie besitzt vortreffliche Schulen für die rcligiüse Heranbildung der Jugend, die von tüchtigen und würdigen Mänuern geleitet werten; in zwei Tempeln, in denen ein rrhebeuber, au« dachterregenter Gottesdienst statifindet, wird das göttliche Wort von zwei gefeierten, weltberühmten Kanzclrednern gepredigt, und wer wollte alle die Anstalten. Jnstitiile und Vereine für Armen- und Krankenpsteg» nennen. L»e ibre SegenSsaateu nach allen Richtungen ausstreuen. wo leideutr und unlkrstützungsbetürstige Menschen sich finden. Nur eine« fehlte noch, wa« schou sei» lauge her ersehnt und erwartet wurde, eine Pstauzställe für jüdische Wiffruschast: und siehe, auch diese wird sein! In der Residenzstadt, in der c« noch vor kaum zwei Derennien einem