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Ben Chananja · 1863-06-11 · 24 (11.6.1863) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
24 (11.6.1863)
Date
1863-06-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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405 406 tag Wohlthäter, der Freitag Fromme daS Licht der Welk erblicken. Die Sabbathkinder sterben auch am Sabbath, weil ihre Geburt zur Verletzung der sabbathlichen Ruhe Veranlass»ng gabDieser populären Wahrsagcrei setzt R. Ehanina eine astrologisch-künstliche entgegen. Nicht auf den Geburtötag, sagt er, kömmt eS an, sondern auf daS Horoskop (רזל שעד,;, d. i. auf den in der Gcburtsstunde ausgehenden Punkt der Ekliptik und den zu dieser Zeit herrschenden GeburtSster». Die horoskopische Bedeutung der sieben Plaueten ist nun nach R. Chanina folgende: Sonne Glanz, Unab- , bängigkeit. Doch dürfen die Solarkinder nicht erwarten, daß ihre Geheimuisie unenthüllt bleiben werden. VenuS Schönheit und Reichthum. Merkur ׳ Klugheit und Gelebrsamkeit. Mond Geduld in Leiden, Wandelbarkeit in; Enlsch'lüssen. Die Gchkiinnisic der Luuarkinder werden nicht rerrathen. Saturn Unglück in Unternehmungen. So auch bei?lrgyptern und Chaldäern. Jupiter (צדק) Gerech.! ligseir. Nk a rs (auch bei Aegyptern und Chaldäern ein nngünstiger Stern) Blutvergießen"'). Allein trotz tiefer Tabelle und trotz seines AnssprncheS: ״die Sterne verleihen : Gelehrfamseit und Rcichthnm und auch Israel ist ihrem Ein- > flusie nnterlhan ldas.)", hob R. Ebanina dennoch tic Lehre von ker speziellen Providen; und der menschlichen Willens-! sreibeit mit allem Nachdrucke hervor^"). Das?lnschen, wclj ck'es die Astrologie > genoß, verschaffte ihr bei mannigsachen! Anlässen nicht nur eine bcrathcndc, sondern seldst eine ent-! scheidende Stimme. Daß cinzelnt, selbst hervorragende Männer; ihre Entschlüsse von siderischen Weisungen abhängig machten, haben wir bereits angedcntet. Die astrologische Weltan- \ schannng erzeugte nicht nur diätetische Vorschriften (Eabb. j 129, b), sie offenbarte sich auch in mancher häuslichen Ein- ׳ uck'lung 2'), mancher Lcbcnsregcl 22) , mancher Bcschränj lnngja selbst dir Rechtspflege blieb von ihrem Einflüsse , nicht frei24). So wurden auch auf daS Feld der Halacha astrologische Saaten gestreut. Die älteste Spur astrologischer Resterion aus der nach-! ihalniutischkn Zeit enthält das Jezirabuch: ״Der הלי in der | Welt ist wie ein König aus seinen Thron (6, 2)." Unter הלי ist der Drache zu verstehen, welchen auch Jehuda Ha-! kassi הלי nennt2''). und dem auch andere Astrologen eine j bedeutende Rolle zuerkenucnnen 26). Einer der älteste» Erklärer! - dcS Jezirabn <eS, der ArztS abbathai b. A braham Donn o lo (Domnou loS) auS Oria im Neapolitanischen (geb. 913) verband nach der Weise jener Zeit daS Studium der HoroSkopie mit dem der Astronomie und Heilkunde. R. Eleazar Ha-Kalir bekennet sich unverholen zum Glauben an siderische Einflüsse, und die orthodore Synagoge in Frankfurt am Main, wo daS Schillersest gefeiert tvurde, legt jedes Jahr das Dekenntniß ab: היי בל נשי מסרח בש1לוה ששיש! Dom zehnten Jahrhundert an wird die astrologische Anschauung der deutsch-französischen von der der arabischen Schule sorgfältig zu unterscheiden sein. Die germano-fränkischen Lehrer stehen, wie in vielen andern Beziehungen, so auch hier, unbeirrt auf thalmudischem Staudpunkte. Der Gedanke an die siderischen Einflüsse ist in ihre Weltanschauung so sehr verwebt, daß sie bei zahllosen Anlässen darauf zurückkommen, nnd selbst religiouSgesetzlichc Bestimmungen daraus hcrvorgehen lassen2T). Die deutschen Ehaßidäer des Mittelalters hielten eS für billig und verdienstlich, zur Zeit der Sonnen- und Mondesfinsterniffe zu fasten2*). Ihre Gesinnungsgenossen, die kabbalistischen Ehaßidäer der Lorianischen Zeit, dehnten diese fromme Hebung weiter auS. R. Jsak Loria selbst erklärte, gestützt aus den thalmudi chen MnthoS von der Verkleinerung deS Mondes, den letzten Tag eines jeden Monates für einen Fasttag. Einer seiner hervorragenden Schüler, R. Israel Seruck, fastete am Tage deS NoviluninmS, nnd unterbrach daS Fasten, sobald der Molad eintrat 2'4). DaS seit dem 13. Jahrhundert in Gebrauch gekommene Fasten am Sterbetage der Eltern wird von dem mit Mathematik nnd Astronomie bekannten R. Mardcchai Ja sc horoskopisch motivirt Ein prinzipieller Widerspruch gegen die Astrolologie wurde nicht erhoben. Selbst der vielbelescne und viel gereiste Arzt Tobias Kohen (geb. zu Metz 1652, gest. in Jerusalem 1729) spricht mit vielem Respekte, ,vrnn auch nicht ohne Reservation, von siderischen Vorbedeutungen 4') (M. Tob. 60, 2 ff.). In dem noch sehr üblichen Wunsche ״מזל שוב״ (günstiger Nativilätsstern) gibt sich ein Ausfluß astrologischer Doktrin leicht zu erkennen, wiewohl eS den Gratulanten nicht in den Sinn kommt, an das Horoskop zu denken. Ebenso werden die Namen ker Wochentage ohne astrologischen Nebengedanken ausgesprochen, wirwobl dieselben fast bei allen neuen Völkern ihren Ursprung den sieben Planeten verdanken, unter deren Schutze sie ehemals gedacht wurden. Ueberhaupt ist eö unbestritten, daß die Astrologie ihre Zweige bis iu die Gegenwart hinein erstrecket. ״Ein Ueberrcst derselben sind außer vielen andern abergläubischen DolkSmeinun gen der Neuzeit auch die sogenannten Stufenjahre (1,14, 21, 28 u. s. w.), da schon in ältester Zeit die einzelnen LebenSjahre deö Menschen unter die sieben Planeten vertheilt wurden, wobei daS jedcSmal siebente der Herrschaft deS Bösen Saturn anheimfiel nnd deshalb als ganz besonders gefährlich angesehen wurde")". Und dennoch geht die Opposition jüd. Denker auS der arabischen Schule gegen alle siderische Wahrsagerei bis iuS 12. Jahrhundert zurück. Astrologische Furcht und Hoffnung waren zwar, wie den Arabern, so auch den unter denselben woh nenden Juden nichtöweniger als fremd. Die alten astrologischen Elemente wurden durch neue vermehrt. Der nachthetlige Einfluß der Quatember auf daS Wasser wurde schon

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