Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 22 (27.5.1863)
- Date
- 1863-05-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 22. Om 27. Mai 1863. Scrijflet OahrMg. Irtrn Mittwoch erscheint eia Präaomrrattonrpret»: ganzjährig 7 fl., balbj.3 fl. 50 kr., viertelt. 2 fl. oft. W. Man abovnirt bei allen Post, ämtern u. Buchhandlungen de« Zn, und Auslände«. eil G!u!lMlß!l. TdocOciiöfaff für jüdische Theologie. Herausgeber und Redakteur: Oberrabbiner zu Szegedin. Inserate sind an d. Redaktion in Szegedin oder an Hrn. Iranz MflitN in Crijijig jii senden. Die Lspaltige Petilzeil, wirb mit 10 Rkr. — 2 Sgr. berechnet. Vedakllon: 3 Kronrn Gaffe, Polißer'sche« Inhalt. Zur Geschichte der Astrologie. Don Dr, Schmied!. — Dr. PcllakS Schreiben. — lieber die Autonomie der Gemeinde. — Störte• spondenz. Ausland. Hannover (Brief des Königs von Schweden an Benjamin). Breslau tTranergotteSdiciist für Rieffer. Deputation aus Prag). Inland. Prager Briefe (TrauergotteSdienst für Rieffer). Prag (PaschelcS Kalender). Au- Mähren fLehreibildung-anstalt). Pest (Erscheineu de» Porträts Dr. Ignaz Hirfchler'SI. Tbereffopel (Todesnachricht). — tfitcrärifrfic Nnzeige lieber KrätzS Geschichte der Juten. Don Dr. Wiener. — Erklärung von Dr. Woli. — Entgegnung von Dr. AloiS Müller. — Bemerkungen. —Inserat,. Die Jlflrofogic iit öm alafiislfj-jiiklislhm *Srfjufcn. Bo» Dr. A. Schmied!. Rabbiner zu Proßnih. (Fortseßung'). Von dem t'ifrigcn Mitarbeiter an dem Reformationöwerke Luthers, von Philipp Mclancchthon, wird solgendc Auekdole erzählt. Dieser, ein entschiedener Gegner deö kopernikanlschcn Systems, war ein eifriger Anhänger der Astrologie, die er sogar praktisch betrieb. AIS er auf einer Reise zu dem Burggrafen von Hessen bei seinem Freunde Meiantcr einkchrle und in der Wiege daS jüngste, etwa kechönionatlichc Kind desselben sah, stellte er demselben sogleich daS Horoskop, prophezeiend, daß cS gleich seinem Vater sehr gelehrt sein und zu hoben geistlichen Würden gelangen werde, woraus jedoch Mclander lachend auSrief: ״Philippe, eS ist ja ein Mägdleinl" Derartige kleine Unaunchmlichkeiten und Enttäuschungen dürsten wohl bei den Astrologen aller Jahrhunderte nicht gerade zu den seltenen Fällen gehört haben, dre jedoch daS ganze Ansehen dieser Kunst leicht hätten untergraben können. Es mußte daher bei Zeiten rin Mittel gefunden werden, daö bei ähnlichen Vorkommnissen als Ausstucht dienen konnte. Zu diesem Zwecke wurde die folgende, zu großer elastischer Dehnbarkeit geeignete astrologische Regel aufgestellt: ״die al l gerne in t Eonstellation hebt die individuelle auf." Wird Jemandem z. B. durch seine individuelle Eonstellation ein langes Leben bestimmt, so wird diese Bestimmung zu Nichte, sobald die allgemeine Eonstellation — für ein ganzes Volk oder eine ganze Stadt, in deren Mitte er sich befindet, — Pest, Krieg oder Hungerönoth festsetzt. Oder würde z. B. daS Horoskop zeigen, daß irgend ein Individuum zum König geboren sei — dieses Individuum jedoch wäre dem jüdischen Volke angehörig, welches letztere durch seine allgemeine Eon« steUation (die Eonjunktion des Jupiter und Mars) zum Eril« leben bestimmt ist, so müßte hier die individuelle Eonstellation der allgemeinen weichen, und man könnte in diesem Falle höchstens beurtheilen, daß jenes Individuum bestimmt sei, in der Nahe und Umgebung eines Königs zu leben. — Würde man einem neugcbornen Kinde die Nativität stellen und daraus erkennen, daß dasselbe zu ungewöhnlicher Schön» heit bestimmt sei, kann müßte, wenn dieses Kind der äthiopischcn Rare angchört, hier wieder daS Individuelle dem Allgemeinen weichen und diese Schönheit höchstens relativ in Bezug auf den älhiopischcn häßlichen Menschcnstamm zu bestimmen sein. — Jsak ben Abraham EkriS erzählt von sich, seine Konstellation habe ihn wohl zum nnstäten Umherwan» dern vernrlheilt, aber durch seine Lahmheit sei diese Bestim» inung seiner individuellen Eonstellarion zu Nichte geworden (Einl. zu Kobez Wikuchiin). - JbnEsra in der Einleitung zu dem Buche Moledoth (de NntivÜatibus) gibt acht all» gemeine Bestimmungen an, welche die individuelle Eonstel« Ultimi theilS beschränken, rhcilS gänzlich aufheben — bequeme Rechtfertigung-« und AnSstuchtömittel -für daS Nichteintreffen astrologischer Prophezeiungen. Josef Albo, dessen Ansichten über die Astrologie wir weiter unten auSeinandersehen werden, wendet gegen diese astrologische Regel, nach welcher die allgemeine Konstellation die individuelle aufhcbt, Folgendeein: ״Wie, wenn Je» mand, dem die Sterne einen frühen Tod in den Wellen deS MeereS bestimmt, ein Schiff auSrüstet, in welches sich viele Menschen begeben, denen ohne Zweifel kein gleichmäßige- Ende bestimmt war — sie fahren in die See und daS Schiff geht sammt ihnen unter: warum wird da nun daS Leben dieser Vielen verkürzt, weil die Sterne über den einzelnen Schiffsherrn den Untergang in der Tiefe der Wellen de« stimmt hatten? Warum soll hier nicht die siderische Bestimmung über die ganze Schiffsmannschaft vernichtet werden, und nicht über den einzelnen Schiffsherrn?" Ein wesentlicher Beweggrund zur Versenkung in die astrologischen Traume, um in den Sternen die Zukunft z» lesen, lag für die jüdischen Denker de- Mittelalterin ihrer ') H. Nr. 15. IS. 20.