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Ben Chananja · 1863-03-04 · 10 (4.3.1863) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
10 (4.3.1863)
Date
1863-03-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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171 172 mehr geärgert über da« Rischrß, da« über jede« Blatt auSgegoffen. oder ob ich mich wehr amusirt habr über die Rindviehhastigkeit, womit da« Rilcheß vorgebracht wird. O, wie haben wir Deutsche uu« vervollkommuet! 8« fifilrn mir jetzt nur noch Notizen über die spanischen Juden im 15. Jahrhundert und besonder« über ihre Akademien in Spa« nien zu dieser Zeit, wo finde ich wa«? oder besser gesagt. 50 Jahre vor ihrer Bertreibung. Interessant ist r«. daß dasselbe Jahr, wo fie vertrieben worden, da« neue Land der Glaubensfreiheit, nämlich Amerika entdeckt worden.* (10!). (Dieser Gedanke wurde später von Zunz auf» genommen), lieber BaSnage. den er damals gleichsallla«, urtheilt er: ״Ich kann nicht genug meine Verwunderung für diesen Schriftsteller aus« drücken. Es ist ein Mann von vielem Geist, tiefem Gcschichl-sorscher« sinn, edlem Herzen, reiner llnparkeilichkeit, ein Manu von unberechenbarem Verdienst. Jetzt erst lerne ich ihn würdigen, nachdem ich seine kleinen Mittel und seine großen Bemühungen begreif,.* (S. 108). Einige Wochen später schreibt er: ״Blutwenig habe ich diesen Sommer geschrieben. Ein Paar Dogen ans den Memoiren. Verse gar keine. Am Rabbi wenig, so daß kaum ei» Dri'tel davon geschrieben ist. Er wird aber sehr groß, noch ei» dritter Band, und mit unsäglicher Liebe trage ich das ganze Werk in der Brust. Ist eS ja doch ganz aus der Liebe bervorgehcnd, nicht aus eitler Ruhmgier. Im Gegenthcil, wenn ich der Stimme der äußeren Klugheit Gebär geben wollte, so würde ich e« gar nicht schreiben. Ich sehe voraus, wie viel ich dadurch verschütte und Feindseliges herbeirnse. Aber eben auch, weil es aus der Liebe hervorgeht, wird eS ein unsterbliches Buch werden, eine ewige Lampe, ein Donner Gottes, kein verprasselndeS Thcaierlicht. Ich habe viel Geschrie« bcncS i» diesem Buche wieder auSgcläschl, jetzt erst ist es mir gelungen, das Ganze;11 fassen, und ich bitte nur Gott, mir gesunde Stunden zu geben, cs ruhig niederznichrciben. Lächle nicht über dieses Gackern vor dem Eierlegen. Lächle auch nicht über mein langes Brüten; so ein gewähnliches Gänseei (ich meine nicht Dr. Gans) ist schneller anSgebrütet. als das Taubenei des heilige» Geistes. Du hast vergesse», mir ein paar Notizen mitzuiheilen. die ich in meinem letzten Briese zum Bchufc des Rabbi verlangte. Die schmerzliche Lektüre des BaSnage ward Mitte des vorigen Monats endlich vollendet. Was ich speziell suchte, habe ich eigentlich nicht darin gesunden, aber viel Neues entdeckte ich und viel neue Ideen und Gefühle wurden dadurch in mir rege. DaS Ganze des Buches ist großartig angelegt, und einen Theil des Eindruckes, den e« auf mich gemacht, habe ich den 11. September in folgrnder Refleriou angedeute«: (An Edom!) Ein Jahrtausend schon und länger. Dulden wir un« brüderlich, Du. du duldest, daß ich athmr, Daß Du rasest, dulde ich. Manchmal nur in dunkeln Zeiten. Ward dlr wunderlich zu Muth, Und dir liebesromme» Tätzchen Färbtest du mit deinem Blut! Aber wir ein Wort da« andere gibt, so gibt auch ein Der« den andern, und ich will dir zwar unbedeutende Verse mittheilrn. die ich gestrrn Abend machte, al« ich über die Drenderstraßr trotz Regen und Wetter spazieren ging und a, dich dachte, und an die Freude, wenn ich Dir mal den Rabbi zuschickr, kann und ich dichtete schon die Verse, die ich auf den weißen Umschlag de» ErewplareS al« Vorwort für dich schreiben würde, — und da ich keine Geheimnisse für Dich habr, so will ich Dir schon hier jene Vers, miltheil,n: Brich au« in kauten Klage», Du düstre« Martyrerlird Dck» ich so lang getragen Im flammenstiste» Gemüth! E« dringt in alte Ohren, Und durch die Ohren io'« Herz; Ich habe gewaltig beschworen Den tausendjährigen Schmerz. ES weinen die Großen und Kleinen, Sogar die kalte» Herrn, Die Frauen und Blumen weinen Es weinen am Himmel die Stern'! lind alle die Thränen fließe» Nach Süden im stillen Verein. Sir fließen und ergießen Sich all in den Jordan hinein.* Heine hatte ansgcbört. Jude zu sein, aber nicht aufgehörl, für die Sache seiner ehemaligen Glaubensgenossen Interesse zu zeigen. ״Denkst Dir etwa, daß mir die Sache unserer Brüder nicht mehr so sehr! am Herzen liegt, wie sonst? Du irrst Dich darin gewaltig . . . Vrr-! welke meine Rechte, wenn ich deiner vergesse Jcrnscholavim" sind ungesähr di, Worte des Psalmistcu. und eS sind auch noch immer die meilligen." Und wie dem valerländi'chcn Boden fremd, er sich dennoch mit Liebe und Heimweh nach ibm sehnte, sc auch nach dem vrilaffeneu Glauben, dem er dann in den l-tzien Jabreu seines Lebens sich mehr alvor dem wieder näherte*. Inserat. Im Verlage der Sch l e rter'schcu Buchhandlung (H. Skutsch) in Breslau. Schweitnitzerstraßr Nr. S. ist weben erschienen und zu haben bei Ligmund Burger in Sjtgtdin: .Gcimntt, der große Judenfresser. Humoristisch-satyrischeS PurimsPirl mit Gesang in fünf Akten. Don J«K1S Kir». 4 Bogen, elegant geheftet, Preis 10 Sgr. Humor, Witz. Satyre uud schönes Versmaß zeichueu diese« Fastnachtsspiel vortheilhast au«. E» eignet sich nicht nur zu wirklich erhri» ternder Lektüre, sondern auch ganz besonder« zur Aufführung in Privat» Gesellschaften und dürfte alle« Aeholiche dieser Art Dichtung übertrrffru. Jetzt wird unsere Freundschaft fester Und noch täglich nimmt fie zu; Deou ich selbst begann zu rasen, Und ich werde fast wir du. Tzegedin, Srldstvnla, der Uriaktli». Leipzig, LomuMou§-Vrrla§ bob fiat} tDafiti. Druck von Sigmund Burger i» Ezcgrdi».

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