Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 7 (11.2.1863)
- Date
- 1863-02-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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i 119 sie vermochte nicht die Heiterkeit feine-Gemüthes za trübe«! 3n den wenigen Tagen seiner schmerzlichen Krankheit flößen seine Reden in derselben guten Laune, wie sonst. Nicht bkoS mit ruhiger Resignation, sondern heiter und vergnügt sah er die Stunde der Vollendung immer näher und näher an ihn heranrücken; heiter und lächelnd verschied er. ES verfehlte dies nicht, hier allgemeines Staunen und Verwunderung zu erregen. Aber die Eudämonie eines sittl.ch guten, von Gott und Menschenliebe erfüllten Lebens ist kein leerer Wahn! Er starb am 13. Dez. v.J., 82 3ahre alt. Vor einem, an dem Sarge des Dahingeschiedenen zahlreich versammelten Publikum hielt ich ihm die Leichenrede. ES hieß, eS werde ihm ein Nekrolog gewidmet werden. Da bisher aber dem nicht reichen und nicht vornehmen Manne diese Ehre nicht widerfuhr, erinnerte ich mich an die Worte unserer Alten, baß bei einem טח מ צוה einem verlassenen Tobten, mit dem sich Niemand beschäftigt — und die letzte Scholle ist noch die letzte Ehre nicht — da müsse der Priester selber hinzütreten und Hand anlegen. Und so rief ich diese Worte ihm auS seinem Leben und meinem Herzen nach, mit der Bitte zu Gott: Fünfkirchen, 25. Jänner 5623. Dr. Hirschfel-, ComitatS - Oberrabiner. Kaiser 30fcf und 3oh. David Michaelis üöcr 3fto|cs Mendelssohn. Mitguhcilt von Tobia « t 6x0. Feßler, der berühmte Geschichtschreiber der Ungarn, erzählt in seinen ״Rückblicken aus seine 70jährige Pilgerschaft", daß ihm durch das allerhöchste Hofdekret vom 1-1. April. 1785, Nr. 11759, die Censur aller hebräischen und jüdischen Bücher für Galizien übertragen worden ist, und fährt daun fort: Au» 13. Mai 1787 kam Kaiser 3osef nach Lemberg. Am 15. hatte ich Audienz. Der Kaiser kam und redete mich an: Ich habe Sie zum Eensor aller Bücher der 3udeu im Lande ernannt, nimmt dieses Volk auch in der Cultur eint- ^ermaßen zu? 120 Vielleicht könnte ich etwas dazu beitrage», wen» <Lrv. Majestät meine Censur-Defugniffe zu erweitern geruhte». Wie so? Sie drucken unter ihre Thora einen chaldäischen Com« mentar, Nascht genannt, welchen der gemeine 3ude nicht versteht, der Rabbiner zur Hineintragung mancherlei Irrthümer und Aberglauben mißbraucht. Wie, wenn ich ihnen diesen Raschi streichen und sie anhalten dürfte, anstatt deSselben MoseS MenbelsohnS Uebersetzung beizudrocken? ״DaS geht »»icht an" antwortete der Monarch: ״Mendelsohn war ein Naturalist, und ich »vill nicht, daß meine Juden Naturalisten werden." — Dagegen sagt Johann Da, vid Michaelis in Bezug aus die bekannte, die DeiveiSkraft der Wunder in Abrede stellende Aeußerung Mendelssohn'- in Jerusalem, »vie folgt: ״Man würde sehr Unrecht thun, wenn »nan Herrn M. beschuldigte, er rede hier die Sprache der Widersacher der göttlichen Offenbarung, und sei, »vider alles sein Vorgeben, im Herzen kein Jude. Fast vermuthe ich, einige den vorigen gleiche Gegner »verdea dies sagen; dann thäten sie ihm aber Unrecht, über daS und über ihre Unlviffenheit er sich laut beklagen könnte. Er redet hier recht eigentlich als Jude (Orient. Bibl. 22, 74)." Michaelis erzählt ferner, daß man in Gesellschaften der Gelehrten oft die Frage aufgeworfen hat, ״ob Mendelssohn ein Jude, oder ein bloßer Naturalist »väre." Michaelis gibt folgendes Urtheil ab: ״Mendelsohn ist in seiner Lehre ein wahrer Jude, noch dazu Rabbanite, und gerade an den Orten, wo ich nicht verhehlen konnte, daß ich so sehr anders denke, war »nein Widerspruch nicht sowohl gegen MoseS Mendels« sohn, als gegen den Nabbaniten, der die Lehren der Nab« binen neben der Bibel annahm, und ihnen das gefallendste filosofische Gewand anzog, daS sie bisher bekommen haben. Er glaubt, daß MoseS von Gott gesandt ist, glaubt die Wunder, die er und andere Propheten gethan haben sollen, nur haben diese nicht eigentlich eine geoffenbarte Religion bestätigen sollen, sondern diejenigen alten Geschichten vom Bunde GotteS n»it seinem Volk, auf die sich daS Recht Gottes, Israel Gesetze zu geben, gründete, und eigentlich als Gesetzgeber war MoseS bloS für Israel von Gott gesandt, und durch daS Wunder begkaubigt. Aber diese Gesetze enthielten den Keim einer Religion, dir durch mündlich fortgepflanzten Unterricht der Rad. binen entwickelt werden sott (das. S. 96 ff.)" Diese beide» Urcheile über M., welche mir zufällig zu gleicher Zelt zu Gesichte kamen, haben wohl noch immer Interesse genag, um von den Lesern deS ״B. CH." zur Kenntuiß genommen zu werden. Druck von Sigmund Burg,» in Szrgrdi».