Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 7 (11.2.1863)
- Date
- 1863-02-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Wsilssge znm ״Ben Nr. X Vor Kurzem schritten die hiesigen Gemeindeglieder in dichten Reihen hinter einem Trauerwagen einher, der einen Mann zu Grabe trug, welcher ein halbes Jahrhundert lang den jüdischen, wie auch nichtjüdischen Bewohnern Fünfkir, chenö eine sehr werthe, liebe Persönlichkeit gewesen ist, so daß daS Gefühl der Rührung ein allgemeines war, dessen Undulationen an den konfessionellen.Grenzen keinen Damm fanden. Herr Jakob Stern — so hieß der Dahingeschicdene — war ein schlichter, redlicher, ein nach alter Weise golleöfürchtiger Mann, der aber, ohne cS zn wissen und zu wollen, durch eine Eigenschaft glanzte, die die Quelle eines echt israelitischen Lebenswandels ist. Ich meine daS יב מוב deö Herzens sittliche Güte und edlcS Wohlw)llcn, welches der weise Lehrer und Regenerator deS JndenthumS als daö Prinzip der Moral, auö dem alle übrigen sittlichen Ziel, und Strebepunkle sich von selbst ergeben, bezcichnele (Abvlh II. 9.). Wer erinnert sich bei Ausstellung dieses Moralprinzipö deö Wohlwollens nicht an die Systeme der englischen Mo. ralfilosvfie im 17. und 18. Jahrhundert? Und ich möchte selbst im Vorübergehen die Bemerkung nicht unterdrücken, daß R. Jochanan ben Sakkai anderthalb Jahrtausende früher einen ethischen Grundsatz ausgesprochen, der um so viel später edlen Denkern, wie Eumbcrland und Hutcheson, den Beifall ihres und der folgenden Zeitalter gewann. Dieser ethische Grundsatz war bei Stern glückliche Naturanlage. Sein ganzes Wesen war Wohlwollen. Er athmele Liebe zu Gott und seinen Nebenmenschen. Sein Wahlspruch: ״ich lebe in Liebe!" war für ihn eine VannungSsormel, durch die er die bösen Geister, die Menschen von Menschen trennen, Haß, Neid, Mißgunst u. s. w., so sie ihm nahen wollten, von sich fern hielt. Jakob Stern gehörte zu den seltenen Naturen, bei denen der Sinn für werkthätige Meiischenlicbe in so hohem Grade vorrherrschend ist, daß ihnen Wohlthun ein Bedürf. niß, und so übte er die Werke der Menschenliebe mit einem Eifer, mit einer Unermüdlichkeit und Stättigkeit, wie mau nur die eigene Angelegenheit zu betreiben pflegt. Wohl war Stern kein reicher Mann. Kaum wohlha« bend war er zu nennen. Aber das ist eben daS Merkmal und der Werth eines wahrhaft edlen Herzens, daß eS, auch unbegünstigt von den äußern Bedingungen, instinktiv sich eine Nahrung sucht uud und sie findet, wie jede innere Urkraft über die äußern Hindernisse den Sieg davon trägt. Stern wartete nie, bis daS Elend hilfeflehenv an ihn her« antrat; hilfebringend suchte er eS auf. Er hatte eine eigene Büchse mit der ihre Bestimmung geungsam verrathenden Aufschrift דבר טיב uud war eS für ihn zur Selbstermahnung weniger nothwendig, das עשר תעשר , als das המבזבז אל יבובו יותר מן החומש darunter zu setzen. Eingedenk deS AuösprucheS unserer Alten גדולה ג״ה יותר מן הצדקה war es eiu von ihm ganz besonders kultivirter Zweig der Wohlthätigkeit, Handels- und GewerbS- Utitc von schwachen materiellen Kräften durch unverzinsliche allmällig rückzahlbare Darlehen zu unterstützen. Und wo hierin seine eigenen Kräfte nicht ausreichten, wußte er Andcre, unter seiner Bürgschaftsleistung, für solches Werk der Nächstenliebe zu bestimmen. Wie oft besprach er nicht mit mir — dem er, zu meiner wehmüthig-angcnehmen Erinnerung herzlich nahe stand — den Plan zur Gründung eines Vereines zu eben diesem Zwecke! ES wäre ein solcher Ver, ein mit zweckentsprechenden Statuten in der That eine der wohlthätigsten Institutionen. In S zenitz, dem Orte meiner früheren RabbinatSverwaltnng, ist mir die Gründung einesolchen Vereines unter dem Namen משכיל אל רל gelungen, und war derselbe, wenigstens während meiner Anwesenheit, von gutem Erfolge. In früherer Zeit, da cö hier noch keine» הברא קדישא und noch keinen Krankenverein gab — Fünfkirchen ist bekanutlich eine rasch angcwachsene und aufblühende Gemeinde — war Stern bei KrankheitSwie Sterbefällen, in Geldopfern, wie in persönlicher Mühewaltung, so hingebungsvoll, daß dies noch jetzt in gutem rühmlichem Angedenken ist. Und als im Jahre תר die hiesige הברא קדישא ihre Entstehnng feierte, wem dankte sie dieselbe? wem sonst, als dem wohlthätig gesinnten und bestrebten Stern! In seinem, deö unbenlittelteu Mannes Hause, versammelte sich Reich und Arm zur Eutwersung der Statuten und Gründung diese- Vereines, wie zu der ebenfalls von ihm angeregten Umfrie, düng deS GotteSackerS. Nachdem ich aber hier von seinen Tugenden gesprochen, kann ich den Lohn derselben nicht verschweigen, um so we- Niger, als dieser selbst hohe Tugend ist. Stern gehörte za den so seltenen Sterblichen, die glücklich leben. ״Der alte Stern" galt alö daS Prototyp einestets heitern fröhltchen GemütheS, und dies bewahrte er bis in sein späteste- Greisenalter, ja bis zur letzten Stunde seines Leben-. Diese dunkle Stunde hteuiedeu — wer möchte eS glauben? —