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Ben Chananja · 1862-12-12 · 48 (12.12.1862) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
48 (12.12.1862)
Date
1862-12-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage znm ״Ben Chananja" Nr. 48 Die Tcmpelgcmeinde ist vorläufig nicht zahlreich, aber dennoch bictei sic 100,000 S. R. für einen Bauplatz zum Aufbau eines neuen würdigen GoltcshauscS. Ich kenne keine Gemeinde, d. mit solcher Mnnifizeuz für ihre Beamten sorgt, und ich kann kaum begreifen, wie H. De. Jastrow anstehen kann, zu einer solchen Gemeinde, die ihm mit aller Hingebung zugcrhan ist, zurückznkehren, weil seine Freunde behaupreu ״Warschau ist unterminirt" — ich fände es gloreicher mit einer solchen Gemeinde unterzugchen (?) als mit einer andern zn leben. Hr. Rabbiner Mciscls ist voll Vertrauen zu seiner Gemeinde zurückgekebrt, und lebt glücklich und verehrt von allen Partheien. Auch er hat Hr. Dr. Jastrow schriftlich anfgcfordert zur Rückkunft, die er so sehnlich wünscht. Auch ein seltnes Beispiel, daß Rabbiner und Prediger so freundschaftlich bei einander bestehen sollten, welches beiden daö Zengniß der Ehrenhaftigkeit gibt. Mir wollte man nur in polnischer Sprache einen Vortrag im Tempel gestatten; die deutsche Sprache ist von Kanzel und Schule verbannt, und cS ist dies, wie ich mich später überzeugte, durch die Umstände und Verhältnisse geboten; aber da darf man nicht die Hände in den Schooß legen, da darf kein Opfer, keine Mühe gescheut werden, um eine polnisch-jüdische Literatur zu schaffen; denn der künftigen Generatiou wird mit einem Male alles, was deutscher Fleiß seit Mendelssohn bis auf den heutigen Tag Erhebliches und Großes auf diesem Felde für das Zudenthnm geschaffen, entzogen. Und heißt das nicht die Jugend dem ObskurantiSnins oder dem Nihilismus in die Arme führcn? Das mnß sich furchtbar rächen, wenn nicht ungesäumt Hand ans Werk gelegt wird. Die Bibel muß von jüdischen Autoren übersetzt polnisch-hebräische Wörterbücher und Grammatiken müssen angefertiget werden. RcligionSbücher und biblische und jüdische Geschichte müssen übersetzt oder neu entworfen werden, es mnß überhaupt jedem Streben aus diesem Gebiete unter die Arme gegriffen werden. Aber vorläufig ist noch alles brach; die Jutrzenka von H. Neuseid rcdigirt hält sich kaum; die Herausgabe seiner Übersetzung des Penkateuchs findet nicht die gehörige Unterstützung, und da ist doch Warschau zunächst berufen den andern Gemeinden voranzngehen, und grade ist eö in Warschau , wo ein Lehrer ה* צבאות ins Polnische mit BOg zolniezzöw Gott der Soldaten übersetzte. Indessen bin ich festen Vertrauens, daß diese edle Gemeinde nicht unterlassen wird Verabsäumtes nachzuholen, möge Gottes Segen ihre Unternehmungen begleiten daß ihr Streben für die jüdische Bevölkerung Polens ein heilsames und gedeihliches werde. ע Frankfurt, im Dez. Die Wiederbetzung des hies. Rabbinats wird nunmehr ernstlich in Angriff genommen. Mehrere junge Kräfte haben sich zur Annahme gemeldet, und bekannte Namen sollen noch im Hintergrund stehen. Aber doch nur Zelebritäten von bedeutender wissenschaftlicher Befähigung könnten sich Liebe u. Achtung hier erwerben, die erste Aufgabe eines Rabbiners in einer so zerspaltenen u. zerküfteten Gemeinde, wie es die hiesige ist. Ka nzelberedsamkeijt u. Pastoralklugheit allein können aber die Gegensätze der rel. Ansichten, die bis zn den höchsten Spitzen der zahlreich vertretenen Intelligenz hinaufreichcn, nicht ansgleichen. Das hiesige Rabbinat ist ein fruchtbarer Boden für den Träger u. Pfleger der Wissenschaft, aber eine öde Klippe für den Schönredner u. Phrasenmacher. An dem Gestade, wo ein Stein sich zertrümmert, kann ein biegsames Rohr sich wol erhalten, wird aber niemals Wurzel schlagen u. gedeihe». Mögen so manche Aspiranten diese wahre u. treue Schilderung wol beherzigen u. dem Schatten eines Glückes ihren ruhigen Sitz nicht opfern. Herr Rabb. Ckann auch aus dem Thatsächlichen entnehmen, daß die hies. Trauben dem nur sauer scheinen, der sic nicht pflücke» kau» 11. daß alle jene kleinen nur im Sumpfe leuchtenden Irrwische mit ihrem täuschenden Lichtschciuc keine» Hellsehendcn in die Irre führen. Inland. X. Pest, an! l-tcn Dezember. Wie ich ans zuverlässiger Quelle erfahren habe, wird im Schoße unseres Gemcindcvorstandcs ein ausführlichcr und in die kleinsten Details eingehender Bericht über dessen AmtSgebahrung vorbereitet. Derselbe soll in Brochürform gedruckt und einige Tage vor der Generalversammlung den Repräsentanten zur Einsicht zngeschickt werden. Ein recht erfreulicher Beleg, wie sehr unfern Gemcindcvorstand die Ueberzengung beseelt, daß vollständige und nngcschmälerte Ocffentlichkeit eine conditio sine qua non des Repräsentativsystems ist. Anderen Theils ist's ein nicht minder erfreuliches Zeichen selbstbewußter und keine Kritik scheuender AmtpflichtScrsüllnng. Machen Eventualitäten, die außer unserem Gcrichtskrcise stehen, keinen Strich durch die schon abgeschlossene Rechnung, so wird die Generalvcrsammlung am 22. d. M. abgehalten werden. Als zweite Nachricht ans unserem Gcmeindelebeu!heile ich Ihnen mit, daß vor eini« gen Tagen 170 arme Schulkinder ans Gcmcindekostcii mit den für den Winter nothwendigen Kleidungsstücken versehen wurden. Die am Izraelita-magyar egylet samstäglich arangirten Vorlesungen erfreuen sich seit einigen Wochen eines recht lebhaften Zuspruches. ES ist dicß eine ganz natürliche Folge des Umstandes, daß bas Vorlesungskomitü in letzterer Zeit mit mehr Eifer Hand ans Werk gelegt hat, als früher. Bost tot discrimina rerum wird in nächster Woche auch das vom Egylet herausgegebene, und von einem aus vier Mitgliedern bestehenden RedaktionSkomitö zusammcngestellte literärische Jahrbuch erscheinen. Es eüthält außer einer Geschichte des Vereines mehre werthvolle Beiträge vowSteinhardt, Rüzai, Mezei, Deutsch u a. m. An dem auf Kosten d. Egylet ertheilten Gratisunterrichte in der ungarischen Sprache betheiligen sich gegeuwäriig 84 Schüler. Beim Abschluß des früher» UnterrichtS-Semcsters hatte die Zahl der Schüler die nicht unerhebliche Höhe von 120 erreicht. In Kreisen, deren Ueberzengung mit dem Umschwung der politischen Dinge nicht ebenfalls Kehrum gemacht, hegt man die Ansicht, der Hinweis auf die Dienste des Egylet, die er sich bloß durch eine derartige Verbreitung unserer Muttersprache errungen, sei allein schon hinreichend, um die gegen ihn hie und da laut werdende Beschuldigung einer gänzlichen Thatlosigkeit als jeder Begründung ent« behrend, zu Nichte zu machen. Bekanntlich fuugirt am Egylet als Lehrer der ungarischen Sprache Herr Paul Tenzer, derselbe Herr Tenzer, der sich — wie wir aus der letzten Nummer Ihres Blattes ersehen — durch die Bekehrung unseres Herrn Oberrabbiuers zur ungarischen Literatnr auch im Gedächtniß der deutschen Lesewell die dankbarste Erinne« rung erworben. Der ungarische Abklatsch des ״Wiener Kirchensreundes״ ,״Idök Tanuja“, bringt in einer seiner vorwöchemlichen Nummern eine Entgegenung auf einen emanzipationsfreundliche» Artikel der ״Magyar Sajtö“, die ihres possierlichen Inhalts wegen den Verdacht in nns rege gemacht, der fragliche Artikel sei eigentlich gar nicht für rin ernstes, politisches Tageblatt, sondern für eines unserer Witzblätter geschrieben, die sich hie und da den Spaß machen, unsere Judenfresser durch das Eingehen auf ihre Gründe und indem sie sich als die wärmsten Vertheidiger ihrer verschimmelten Theorieen geriren, ad absurdum zn führen. Unter Anderen wird in diesem Artikel auch die schon etwas erblaßte Mähre in's Wiedertreffen geführt, im ganzen Judenthumc sei eine fürchterliche Verschwöruug verzweigt, die sich keine andere Aufgabe gestellt, als das Christenthum zu unterminiren und auf dessen Trüm«

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