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Ben Chananja · 1862-09-19 · 38 (19.9.1862) · p. Seite 318

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
38 (19.9.1862)
Date
1862-09-19
Page
Seite 318 (sequence 2)
Language
German
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318 Wie lomtte diese Erläuterung des Wortes ירוה übersehen werden? — Von אהיה, dem Fntnrnm des Zeitworts Sein in der ersten Person, wird יהרה , das Fntnrnm desselbem Zeitworts in der dritten Person abgeleitet; denn הוד"׳ ist die ältere Form von היה, wie הוה von — .היה יהוה bedeutet: Cr )vird sein. —Und was wird der Allmächtige sein? — Auch hierüber erklärt die Bibel nninittelbar vorher unzweideutig: 11, 12: ״Und Mose sprach zum Allmächtigen: wer bin ich, das; ich zu Pharao gehen soll, und wie kann ich die Kinder Israels ans Egypten ziehen? — Da sprach Cr: Denn Ich werde sein, היה^, mit dir, und das sei dir daS Zeichen" n. s. w. Jetzt haben wir also die volle Bedeutung von ׳הוה. Wie ans der egyptischen, so wird Cr aus jeder zukünftigcn sozialen (materiellen und geistigen, physischen und moralischen) Knechtschaft der Befreier sein. .*"''י Der jüöifdjcu jn .Kojctein in Mljten. Bon N cl׳ ciniaü Brüll, Nat'biinils-Kaiididatc». Die hist. Kunde von den Juden in Mähren, deren erste Ansiedelung und allmälige Verbreitung, ihre gesellschaftliche Stellung und ihre jeweilige Bedeutung für das Gesammtjudenthum, ist bis jetzt noch immer sehr dunkel, weil einerseits handschriftliche Denkmäler, welche authentische Nachrichten hierüber liefern könnten, in Archiven verschlossen, noch immer der erlösenden Hand harren, die sie ans ihren Gräbern hervorzöge und dem nach Material suchenden Geschichtsforscher anheimstellte, und anderseits der auf den mähr. Juden noch bis in die Mitte des 19. Jahr- Hunderts lastende, erst durch Franz Josef I. gebrochene Druck den Sinn für Erhaltung und Pflege der heimischen Geschichte nicht aufkommen ließ, so daß die älteren ohnehin! sehr dürftigen Aufzeichnungen vom Zahne der Zeit zernagt, oder von verheerenden Elementen zerstört wurden, und daS zur Basis für geschichtliche Untersuchungen dienende Material sich zumeist ans d. im Munde d. Volkes lebenden, zmn großen Theile sagenhaft entstellten Traditionen beschränkt. Zudein sind die in verschiedenen jüd. Schriftwerken versprengten Notizen, welche uns einen Einblick in die Geiftesthäligkeit u. das Culturleben der Juden in Mähren verschaffen sollten, von der Art , das; sie nur e n sehr spärliliches Licht verbreiten. ') Um so nothwendiger ist eS, die etwa vorhandenen mündlichen'oder schriftlichen Nachrichten der Oeffentlichieil zu übergeben und so die Bausteine zusammenzutragen, die durch einen architektorischen Geist behauen, geordnet und gefügt, einst eine Geschichte der Inden in Mähren reproduziren könnten. Der Einsender dieser Zeilen freut sich, dem Wunsche der geehrten Redaktion auf daS bereitwilligste nachzukommen und in Folgendem die Geschichte der Judengemeinde in Kojctein zu liefern. Die erste Ansiedelung von Inden in dieser Stadt geschah, sowie die im ganzen Kronlande, schon vor einer sehr langen Zeit; sie zu bestimmen oder nur zu vermuten, ist bei dem Mangel irgend welcher Andeutungen kaum möglich. Nur so viel läßt sich mit Sicherheit behaupten, daß die,״ wie aus dem unverhältuißmässig großen Friedhose und der sehr geräumigen Synagoge zu schließen ist, — einst bedeutende Gemeinde später vermindert, in der 2-ten Hälfte des 17-ten JhdtS einen bedentenden Zuwachs erhalten hat. Damals, als der Kosakenhetman Chmel mit seinen zügellosen Horden raubend und mordend Polen durchzog und namentlich unter den wehrlosen Juden ein fürchterliches Blutbad angerichtet hatte (1650) 2), flüchteten sich viele derselben in die benachbarten Länder Oesterreichs, wo sie den Grund zur Bildung neuer Gemeinden legten, allenfalls viele der bereits bestehenden beträchtlich vergrößerten. Damals fand sicherlich auch ein Häuflein der dem Mordbeule entronnenen Flüchtlinge bei seinen Glaubensgenossen in Kojetein ein willkommenes Asyl und führte in der dortigen Synagoge den daselbst bis jetzt herkömmlichen polnischen Gebetritus ein. Kojetein gehörte zu jener Zeit zu den Gü tern des Prager Erzstiftes, und die Kojeteiner Juden erfreuten sich nicht geringer Begünstigungen. Ihre Gasse, in der Mitte des Ortes gelegen, war stets eine ziemlich breite, saubere Strasse, nicht ghettomäßig abgeschlossen, die Synagoge stand, wie noch jetzt, auf einem allerseits freien, erhöhten Platze; zu jedem Hause gehörte in der Zeit, als man sich von Besitzfähigkeit der Juden noch gar nichts träumen lassen konnte, eine Wiese; als noch der Jude, von allen ehr- und fruchtbaren Nahrungszweigen ausgeschlossen, seine ganze Hoffnung auf den Hausierpack setzte,! war hier schon Viehzucht und Wiesenbau die gewönliche Beschäftigung s), und von einer Niedermetzelung oder Aus- Plünderung der Judenhänser weiß selbst die geschwätzige Sage nicht erzählen. Bald nach der Ankunft der Fremden soll die Judengaffe von einer verheerenden Feuersbrunst hart mitgenommen worden sein, wobei auch die Synagoge ihres Daches beraubt wurde, und da die Gemeinde die Geldmittel zur Herstellung eines solchen nicht aufbringen konnte, blieb die Synagoge ein halbes Jhdt unbedeckt. Der Anblick des verfallenden Gotteshauses mußte jedoch auf die Gemüther sehr niederschlagend eingewirkt haben; der Wiederaufbau desselben war eine unabweichliche Notwendigkeit geworden. Schon hatte der OberlandeSrabbiner von Ungarn, N. Samson Wertheim (geb. 1658, 45^2 D-8D

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