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Ben Chananja · 1862-09-05 · 36 (5.9.1862) · p. Seite 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
36 (5.9.1862)
Date
1862-09-05
Page
Seite 307 (sequence 7)
Language
German
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307 Hosmnster 1t. Gouvernannten. Die erledigte Rabbinenstelle wird mit fei* nem Chaßidäer besetzt werden, wiewol d. ganze Gei», dem Paniere des Chaßidäismus folgt. Woher dies komme? Aus folgendem Grunde. Jedes Mitglied der hiesigen Gemeinde hat schon seinen chaßidäischen Rabbi, welchem mindestens ein Besuch im Jahre gewidmet wird. Ziditschow, Komarno, Sandez, dies sind die gallizischen Orte, nach wclchen die hiesigen Chaßidäer wallfahrte». Wenn wir hier, sagen sie, einen Chaßidäer anstellen, so könnte derselbe leicht mit der Prätension auftrcten, selber ein Chaßidäerhaupt zn werden, und uns unseren bishcrigcn Rabbi'S abwendig zn machen: davor möge uns, aber Gott bewahren! Eben weil wir treue Chaßidäer sind, und von unseren bishcrigcn Leibrabbi's nicht lassen, daher dürfen wir keinen Chaßidäer zu unserem Rabbiner wählen. Von Rischns hört man hier nur selten. Doch hat im vor. Jahre ein armer rnthenischer Barbir uachdrüeklich gegen die beabsichtigte Zulassung der Inden zur Stadtrepräseutauz protestirt. Die Kenntniß der ung. Sprache ist unter den Juden sehr verbreitet: es gibt auch Familien, in deren Mitte ausschließlich ungarisch gesprochen wird. n. TemeSvar, 27. Aug. Gestern wurde dem Schulcndirektor A. Kohn folgende Dankadresse zngesendct: ״Mit Vergnügen ergreift der gefertigte Vorstand auch zu Ende dieses Schuljahres die Gelegenheit, Ihnen für die ausgezeichnete Leitung sowohl der seit fünf Jahren Ihnen unterstellten isr. Mnsterhanptschule, als auch der Ihrer Direktion im Verlause des verflossenen Schuljahres von Seiten des hochlöbl. k. ungarischen StatthaltereiratheS anvcrtraueten Knaben und Mädchenschule in der Vorstadt Fabriquc im Namen der hiesigen isracl. Kultusgemeinde, und vorzüglich im Namen der Eltern, deren Kinderder Wohlthat des Unterrichtes an beiden Anstalten thcilhaftig sind, den wärmsten Dank und die innigste Anerkennnng auszusprechen, und bittet derselbe^ diesen Dank und diese Anerkennung auch sämmtlichen Leh« rern der isr. Musterhauptschulc für ihren lobcnöwerthcu Eifer und ausdauernden Fleiß an den Tag zu legen, indem er fest überzeugt ist, daß sowohl die Direktion, als jeder der Herren Lehrer auch fernerhin in diesem Sinne und in diesem Geiste zu wirken fortfahrcu werden. — Temesvar, den 25. August 1862. — Hochachtungsvoll der Vorstand der Temesvarer israel. Kultusgemeinde. Samuel Schar mann ni. p. Fnnfkircheu, 26. August. Ihr geehrter T Korrespondent aus Pest berichtet in Nro 34 des ״B- CH.," daß der dortige Gemeindevorstand über Aufforderung der Statthaltcrei ein Gutachten wegen der definitiven Anstellung der Musterhauptschullehrer abzugeben, sich dahin äußerte, daß hierüber^ nur die Repräsentanz aller u ngarischen Juden, welchen der Schulfond seinen Ursprung verdankt e i uz uv er ne hin cn seien." ״Geschehene Dinge lassen sich einmal nicht ändern," doch können wir in dieser gewiß wohlmeiiieildeu, die Autonomie der Gesammtheir wahrenden Antwort nichts anderes als eine Verwirrung der Begriffe oder eine Verkennung der Gesichtspunkte bemerken. Weil der ung. isr. Schulfond sein Entstehen den ung. Juden verdankt, kann die Pester Gemeindevorstehung sich nicht äußern, ob sie die Leistungeu der Musterhauptschule anerkannt und ihre Lehrer definitiv angestellt haben will! Wie vermag denn die Repräseutanz der sämmtlichen ung. Juden eine Meinung abzugeben über die definitive Anstellung von Lehrindividucu, die ihr persönlich fremd sind und von deren Wirken sie gar keine Kunde hat? Wenn nicht die Rücksicht, daß die Musterhauptschullehrer des vaterländischen Idioms nicht kundig sind, waltet, hätte die Gemeindevorstehung, der doch während des mehrjährigen Bestandes der Musterhauptschulc Gelegenheit genug geboten war, die Leistungen der über genug verschrienen Anstalt und den Karakter ihrer Lehrer zu erforschen, mit Vergnügen bereit sein sollen. Wenn eine so bervorragende bedeutende Jntelligenzvertretung den Lehrern ihrer Kinder Schwierigkeiten in den Weg legt, was werden bei ähnlichen Anlässen Landgemeinden thun? und wie können wir es dem armen Dr. L. aus B. verargen, wenn er sich bei der 1-teu Landes - Lehrer - Konferenz zu der Behauptung verflieg, daß der definitiv angestellte Lehrer träge und lässig wird! Die Kündigung muß also als eine Rute, als ein Damoklesschwert über dem Haupte des Armen schweben, soll er nicht erschlaffen? Das Lehramt gehört noch immer nicht zu den fetten Pfründen des Lebens, in deren Besitz sich schwelgen lässt und wem cS um das wahre Gedeihen des Schulwesens nicht nur mit dem Munde, sondern vom Herzen zu thun ist, der sollte angelegentlichst sich bemühen, dem Lehrer nach Ablauf seiner Probezeit, wenn gegen ihn nichts einzuwcnden, seine sichere, definitive Anstellung, dem Verdienste die Krone zu verleihen. Träge und lässig wird der definitiv angestellte Lehrer nicht, aber weniger ScrvilismuS und Sklavcnfinu sind bei ihm anzutreffe». Auf sicherer Grundlage beruhend, wird seine Liebe zum Berufe, zu seiner Gemciudc wachsen. Der Sorge um die Zukunft entheben, wird er der Gegenwart und ihrer Stimme leben; nnd nur ein freier Mann kann die Jugend zu einer freien, karakterfesten Generatiou heranbilden. Gutmann. LiterSrische Änzeigen. Predigten von Dr. Ad. Jellinek. I. Th. 1. Lief. S. 263., 2. Lief. 140. Wien. Carl Gerolds Sohn. 1862. Besprochen von Dr. M. Du schal. Im Allgemeinen haben wir in d. Bl. auf die vorliegenden gediegenen Predigte» bereits aufmerksam gemacht. Es sei uns nun gestattet, über Einzelnes Folgendes zu bemerken. Die erste Predigt, Rut übcrschrieben, macht sich die Frage zum Vorwurf: Was soll das kleine Buch Nut an uuscrm Feste der Weltgesctzgcbnng? Was sollen Aehrenfelder und Siechclklaug, da wo Berge zittern, Blitze leuchten. Donner rollen, Cedern zertrümmert werden? Es ist aber, das ist die Beantwortung der Frage, das .Buch Rut ein uraltes Denkmal l. jüdischer Duldsamkeit. Denn zwar offenbart sich d. höchste religiöse Liebe darin, wenn wir jene Güter, d. köstlicher denn Gold sind, mit Anderen theilen wollen, — u. hiebei benutzt d. Redner eine Midrasch-Stelle, in welcher das heilsame Walten einer edlen Hausfrau illnstrirt wird für seinen Zweck, indem er ihr das Gepräge der Allgemeinheit aufbrückt, — so stimmten doch d. Priester d. Judenthums kein Hodu an, wenn die Ungläubigen vernichtet wurden, die beiden Tafeln verbreiten Wohlgeruch nicht Tod nnd Verderben. Eine Mechilta wird allegirt, und mit poetischen Reizen oratorisch ausgeschmückt, und dann auf Naomi hiugewiesen, welche ihren beiden Schnüren 3 Mal zuruft ״Kehret" um, wie es das jüdische Gesetz verlangt, daher wir an dem Feste der Gesetzgebung das Buch Rut lesen. II. Lesen wir das Buch Rut nach den Worten des R. Tobia aus Mainz deswcgeu au unserm Feste, weit es ein Denkmal thatenreicher Liebe und Treue ist, denn der Israelit muß engeigeschmückt sein mit der Krone der That und mit der Krone der Idee. Nicht so Elimelech. ״Meine Wohnung wird!etzt belagert werden von lauter Dürftigen, ich will lieber nach Moab, zu dem hartherzigsten Volke gehen." Das Gegentheil ist Rut-רעות «ud Boas ״Welch ein Ehepaar, welche Herzen, welche Liebe, welche Treue, aber auch welcher Gotteslohn, welcher Gottessegen!"—die zweite und dritte Predigt find die schon bekannten Schir Haschirim und Kohelet, die ihrer Zeit

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