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Ben Chananja · 1862-07-25 · 30 (25.7.1862) · p. Seite 260

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
30 (25.7.1862)
Date
1862-07-25
Page
Seite 260 (sequence 8)
Language
German
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260 gen strebte. Wenn hie und da in zivilrechtlichen und rituellen Fragen der Grundsatz ausgesprochen wird, daß die Gelehrten ihre Jnstitutionen eben so, oder gar noch mehr befestiget haben, als die der Thora, — nach Anderen: mehr als die Thora die ihrigen befestiget hat,') — so hängt dies gerade mit der geringen! Autorität der rabbinischen Satzungcn zusammen, wodurch sie der befestigenden Nachhilfe bedürftig erschienen. UcbrigcnS ist nicht diese, sondern die Marime herrschend geworden, daß für rabbinische Satzungen keine Präventivverschärfungen angeordnct werden dürfen.'") Wie kommt cs nun aber, könnte man fragen, daß der ordinirte Richter, der den Soferim opponirt, als widerspenstig (זקן ממרא) behandelt wird, nicht aber der, der den Worten der Thora widerspricht? ") Dies kömmt daher, weil der Widerspruch gegen das klare Wort des Gesetzes für so null und nichtig angesehen wird, daß er nicht Gegenstand der Anklage werden kann.") Dr. Znnz hat dies nicht erwogen; auch legte er einigen haggadischen Lobpreisungen ein Gewicht bei,'") welches sie der gcsammtcn thalmudischen Halacha gegenüber nicht haben können. Auf halachischcm Standpunkte werden selbst profetische Institutionen, in so ferne sic nicht im Gesetze verzeichnet sind, für rabbinisch gehalten.") Diese Andeutungen, deren spccicllcre AnSführnng hier zu weit führen würde, genügen wol, darzuthun, daß die Unterscheidung zwischen Gottes Wort und Menschciisatzniig durchaus keine Nachäfferei der christlichen Reformatoren ist. Dafür hätte sie schon der Hr. Vrs. in Rücksicht auf die karäische Spaltung nicht erklären sollen. Wir haben aber gesehen, daß dieselbe auch der vorkaräischcn Zeit vollkommen geläusig war. Denen, die, wie der Hr. Vrs., keine andere Entwickelung des JudenthnmS kennen, alö eine silo so fische, ist diese Erkcnntniß ans leicht cinzuschcnden Gründen ungelegen. Um so wichtiger und fruchtbarer ist sic für die theologische Fortbildung, deren Aufgabe eö ist, die Anwendung, welche MaimonidcS von der besprochenen Unterschcidnng ans die thalmudische Schriftanslegung machte, weiter zu entwickeln, und die neue Gestaltung des Judenthums auf das durch Vcr- Mittelung der Wissenschaft immer klarer verstandene Wort Gottes zu gründen. Daran haben viele edle jüdische Geister auch in den vergangcncn Jahrhunderten gearbeitet; der Gegenwart liegt es ob, ihr Werk mit unausgesetztem Fleiße zu ergänzen und der Vollendung cntgcgenzuführen, dabei aber den geschichtlichen Verlauf jedes einzelnen Punktes mit treuer Genauigkeit nachzuweisen. Die theologisch basirte Wiedergcburt dcö Judcnthumn kann weder der Konformining der Lehre mit dem Leben, noch dem ״Zeitbewußtsein," sondern einzig und allein der Rückkehr zu dem gcoffcnbarten Gotteöworte ihre» Ursprunp verdauken. In Deutschland kau! man merkwürdiger Weise noch nicht so weit, die theologische Reform von der silo so fischen zu unterscheiden! Nach dem Hrn. Vrs. steht dem Jndenthnmc noch eine dritte Epoche der Gesetzgebung bevor: ״nach der Erlösung aus dem dritten Eril (54)." Diese Illusion hängt mit den Illusionen zusammen, weiche sich Hr. H. von der jüd. Nationalität macht. In und nach dem babilonisehen Erile pulsirten die Adern des nationalen Lebens noch in aller Kraft. Die Nationalsprache lebte im Munde von Proseten und Dichtern, welche nicht tauben Ohren predigten und sangen. Noch die haSmonäische Zeit begeisterte Dichter und — schreibende Proseten. Aus welcher Quelle soll aber die Zukunft schöpfen, welche der Hr. Vrs. erwartet? — ״Das jüdische Volk muß in Allem, was die politisch-soziale Wiedergeburt der Völker und seine eigne Anscrstehung! als selbstständige Nation betrifft, sich an Frankreich anschließen, wie in Allem, waö auf das geistige Leben Bezug hat, zu Deutschland halten (S. 18l)." Dies ist das politische Programm des Vrf'S. Daß wir dieses Programm für ein leeres Fantom halte», brauchen wir wol nicht erst zu sagen. Aber der Vrs., der sich dazu bekennet, hätte sich vergegenwärtigen sollen, daß ans der Mischung von germanischen und gallischen Ingredienzen keine jüdische Na tionalität im Sinne des Hrn. Vrs. erzeugt werden kann. Eine tiefere Forschung in den Quellen und eine genauere Kcnntniß von den jüd. Zuständen der Gegenwart auch außerhalb Deutschlands werden den hochbegabten Vrs. von seinen erzentrischen Anschauungen zurückführcn, und ihn Vieles widerrufen, berichtigen und Modifiziren lehren. was er in der vorl. Buche als apodiktisch hingestellt hat. Anmerkungen. ') Gottcöd. Vortr. S. 45. ׳ ף Etos. Eduj. Abscha I.: דבר מדברי תורה הולכי׳ אחר המחמיר מדברי סופרי׳ הולכי׳ אהר המי קל Die unicrsch. Matth. 15, 3. ist aus den Schulen der jüd. Schriftgelchrtcn.iu d. christl. Begründnngsschriften übcrgcgangen. 1 ר. Ernb. 3.4.:!ספק דבר תורה להתמיד ספק רבדיה להקל b. Sabb. 34, a. Ernb. 5, b. Beza 3. a. ') Tnmath Meth!), 12. Kilaj. 10, 27. Jssure Bia 18, 17. '׳) Mcbo Ha-Tbalnind 102 , b. d. FolioauSgabcn. ״) Ernb. 67, b.: בר^ורייתא מור־זבינן תיובח^ והדר עבדינן מעשה, בדרבנן עברינן מעשה והדר מותבינןתיובחא. 7) Rösch Ha-Schana 29, b. כבר נשמעה קרן ביבנה ואין ל Sabb. 23, a. , .משיבין לאהד מעשה ף Zebach. 101, וחכמים עשו הזוק לדבריהם יותר :.״ משל חורה. n»d Ralchi das.: ממה שעשתה תורה לרבדיה Jebam. 36 , b. und die das. vcrz. Parallelst. די Ehul. 104, a. דלא גורינן גזרה לגורה.dass. a. a. St. ") M. Sanh. 11, 3. ״) Raschi Sanh. 88.6.:.דאין זו הוראה רוילקרי בי רב הוא ") Hieher gehört auch der hyperbolische Spruch: וכל העובר על רברי חכמים הייב מיתה• Vcrach. 4, &. 11, «. Ernh. 21, b. Raschi und Tos. das. Vergl. Main,. Mischnakomm. Sanh. 7, 3.: .והאריכו לשין לאיים ולהפהיר ״) Schon N. Chanancl lehrt:!:ודע כי כל רבר שאינו פרעו בקראי ואע״פ שהוא מתקנת נביאים דרבנן מהקרי Ha-Masteach Ernbin Ans. _ Ueber Dlücher's ״Marplie lesclion aramith.“ Mit Oiücksicht ans Prof. Delitzsch'ö Aufforderung an Blücher ertaube ich mir die Bemerkung: der H. Vers, möge bei diesem Unternehmen auch ans christliche Gelehrte, die sich seiner Gramm, bedienen wollen, Rücksicht nehmen: daß für solche eine hebr. geschriebene Sprachlehre wenig taugt, dürfte kaum bezweifelt werden, wenn man bedenkt daß so craete Hebraisten, die daö Hebräische vom Blatte weg lesen können, unter den Ehristen doch noch Raritäten sind. Namentlich müßte die deutsche oder lateinische Sprache unbedingt an genommen werden, wenn die kais. Akademie der Wissenschaften diesem llntcriiehmen eine angemessene Unterstützung zu Thcil werden ließe. Was die an das Werk anznknüpfende Ehrcstomothic betrifft, so dürfte dieselbe eben in der Weise wir Fürst'S vortreffliche ״Pcrlenschnüre" mit Eommentar und Glossar angelegt werden. Sollte die Akademie diesem Unternehmen keine Unterstützung zu thcil werden fassen, so dürste die Eröffnung einer Pränumeration d. H. Vrs. am besten zu empfehlen sein. Gewiß aber wird jeder Fachmann das Werk in seiner neuen, von mir angedcnteten Gestalt als einen sehr brancharen Theil seines wissenschaftlichen Arbeitszeuges begrüßen. Dr. Alois Müller. Szegedin, Zclbstvcrlag der Kcdaklion. Leipzig, Lonunisstons-Verlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szcgedi».

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