Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 26 (27.6.1862)
- Date
- 1862-06-27
- Page
- Seite 226 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2542917-2542971-2542998--2668-2546471- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
226 gewöhnlichrs Aufsehen machen, und unsere Leser werden eö uns Dank wissen, daß wir gleich nach dessen Erscheinen ihre Aufmerksamkeit darauf gelenkt haben. Den Inhalt desselben bildet nichts Geringeres, als die Wiederherstellung d e S jüdischen Reiches im heiligen Lande der Väter. Der Verfasser ist seit nahe an dreißig Jahren als geistreicher Schriftsteller bekannt, der sich bisher nicht auf dem Gebiete der Theologie, sondern auf dem der Filososie, der Publizistik und der Naturwissenschaften bewegt hat. Seine Darstellung ist lebendig, oft hinreißend, und es wäre kein Wunder, wenn sic die Herzen der jüngeren Leser und Leserinnen für die neue M e ssi a S lc h r e gewinnen würde. Denn neu ist diese messianische Doktrin trotz ihrer Palästincnsischeu Restauration. Dessen ist sich auch der Verf. bewußt, indem er zu wiederholten Malen von seiner eigenen Heterodorie spricht, und die Waffen seiner unerbittlichen Polemik wie gegen die Reform, so auch gegen die Orthodoric richtet. Glcichwol scheint er sich gerade in Betreff des wesentlichsten Punktes seiner Schrift, der uationellen Wiederherstellung Jsrael'S nämlich, seinen Gegensatz zu der orthodorcn Anschauung nicht genug klar gemacht zu haben, weil er sonst zu der Einsicht gelangt wäre, daß diese Anschauung im Verhältnisse zu der seinigen entschieden im Vortheile ist. Die orthodore Aiischauung erwartet die nationellc Ncsianration Jsrael'S von einem Sprößlinge aus David'ö Haus. Nach dem Zeugnisse der Geschichte sind alle großen Ereignisse aus dem Gebiete der Kultur, der Politik und der Religion durch den Geist und die Kraft, den Muth und die Ausdauer eminenter Persönlichkeiten hcrbeigeführt worden, wenn auch verschiedene, theils der Vergangenheit, theils der jeweiligen Gegenwart angchörendcu Elemente die Verwirklichung jener Ereignisse begünstiget haben. Indem also die Orthodoric die Besricdigung ihrer Sehnsucht an die Erscheinung und Wirksamkeit einer gewissen Persönlichkeit knüpft, ist sic in Uebercinstimmung mit einem welthistorischen Gesetze, dessen Giltigkeit der aufmerksame Beobachter auch in der Gegenwart bestätiget findet. Kann sich die modern Patriotische Messiaslehre des Hru Vrs. eines gleichen Vorzuges rühmen? Nach der orthodoren Anschauung ist der Erfolg des erwarteten Messias ein Werk göttlicher Allmacht, dessen Herbeiführung Israel nur durch Buße und Gebet fördern kann. Der Hr. Verslegt Gewicht daraus, daß der orthodore R. Kalischer aus Thore in seinem Werke Emuna Jeschara, — um dessen freundliche Zusendung wir den geehrten Rabbi ergebenst bitten. — die Kolonisation des h. Landes durch Juden befürwortet hat. Wir fügen hinzu, daß schon im Jahre 1848 der noch lebende Chacham zu Semlin, R. Jchuda b. Salomo Alkalai, ein solches Projekt sehr angelegentlich empfahl, und zum Be- Hufe der Realisirung desselben nicht nur zwei Druckschriften, — Kol Kore, und Pethach ke — Chuda schel Machat, — herausgab, sondern auch eine Reise nach London machte, nm Sir Moses Montefiore für seinen Plan zu gewinnen. Eine poetisch erregte Betrachtung politischer Verwickelungen und geschichtlicher Ereignisse wird cs vielleicht bedeutsam finden, daß d. jüd. Kolonisationsprojekt zuerst gegenüber von Belgrad gemacht wurde, wo gerade in diesem Augenblicke Viele einen wichtigen Knotenpunkt der orientalischen Frage zn erblicken geneigt sind. Auch daran dürfte vielleicht mit einer gewissen Besriedigung erinnert werden, daß die Kolonisationsidee innerhalb eines kurzen Zeitraumes von einem Sefardi — Alkalai — und einem Aschkenafl — Kalischer — angeregt wurde. Allein abgesehen davon, daß weder Alkalai bei d. Sesardim noch Kalischer bei d. Aschkenafim Anklang gefunden hat, konnten auch diese beiden Wortführer nach vrthod. Grundsätzen in ihrem Projekte nur eine» schwachen Anfang d. Mcssianischen RcicheS erblicken, dessen wirkl. Realisirung über alle materielle menschliche Mitwirkung erhaben ist. Dieser Hoffnung«. Erwartung gegenüber verschwindet jeder Einwurf, er möge aus d. Beschaffenhcit d. jüd. Volkes, anö der Weltlage, oder aus d. Schwierigfeiten hergcnommen sein. welche sich d. Reaktivirung d. alten Gesetzes cntgcgenstellen. ״Ist denn d. Hand d. Ewigen verkürzet (4 M. 11,23)?" — ״Ich erkenne, daß du Alles vermagst, nnd unzugänglich ist dir kein Beginnen (Job 42, 2)." Unser Gott ist im Himmel; Alles, was er will, thut er (Ps. 115, 3)." Diese und äbnliche Sprüche schlagen jede» Bedenken nieder. Ganz anders steht es mit der RestanrationSthcorie unseres Vcrf'ö; diese muß sich einer nüchternen Analyse unterzicheu, wobei die reale Wirklichkeit, nicht die, — übrigens wirklich großartige, — ideale historische Konzeption des Hrn Verf.'S maßgebend sein kann. Denn so viel Wahres auch in dieser Konzeption liegen möge, so kann doch deren Anwendung auf spezielle Nationalitäten und Zustände leicht ans Irrwege führen. Wir heben nur folgende Punkte hervor. 1. Der jüdische Patriotismus. Der Vers, sagt hierüber: ״Der jüdische Patriotismus ist kein germanischer Nebel, der sich in Sein und Schein, in Realismus nnd Idealismus scheiden läßt; er ist naturwahrcs Gefühl, das in seiner Ursprünglichkeit und Einfachheit weder dcmonstrirt z>t werden braucht, noch wcgdcmonstrirt werden kann. Mein Großvater zeigte mir einst Oliven nnd Datteln : ״Diese Früchte," belehrte er mich mit leuchtenden Blicken, ״wachsen in Lr«z Jizroel" (in Palästina). Alles, was an Palästina crrinnert, wird mit demselben Gefühl d. Liebe u. Verehrung, gleich einer uralten Erinnerung d. väterlichen Hauses von den sronimcn Juden angeschaut. Bekannt ist, daß jedem (?) im Eril gestorbenen Juden ein wenig Erde ans dem Lande dcö Vaters in'S Grab mitgcgcben wird, da der Todte sonst, wie es heißt, sich unter der Erde bis zum heiligen Lande fortwälzen müßte, um zur Ruhe nnd dereinstigen Auferstehung zu gelangen. Diesein, so wie dem gottesdienstlichen Gebrauche der Paradiesäpfel und Palmzweige, die gleich jener Erde, mit vielen Kosten aus dem Süden und dem Orient beschrieben werden, liegt niehr als ein religiöses Gebot oder gar nur Aberglaube zu Grunde. Alle Freuden und Trauerfeste der Juden, ihre Pietät für ihre Traditionen, welche sich bis zur Apotheose des Hebräischen erstreckt, der ganze jüdische Cultus und sein durchgreifender Einfluß auf das häusliche Leben der Juden, sie haben ihre Beweggründe in Patriotismus des jüd. Volkes (S. 17. 18)." (Fortsetzung folgt.) Bemerkungen. H. H. Rabb. F. K. u. D. — Ich danke; erscheint nächstens. Hrn. Rabb. U. in I. —Ich bitte die Replik kurz zu'fassen; dieselbe wird abgedruckt werden. Hrn. L. D. in L. Erst nach einigen Wochen werde ich die Ehre haben, die verlangte Auskunft zu geben. Ans Mangel an Raum mußten mehrere Korresp. für d. u. N. zurückgelegt werden. Szegedin, Selbstverlag der Nedaktiou. Leipzig, Lommisfions-Vrrlag von Frau; Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.