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Ben Chananja · 1862-05-30 · 22 (30.5.1862) · p. Seite 193

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
22 (30.5.1862)
Date
1862-05-30
Page
Seite 193 (sequence 7)
Language
German
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193 bene unterrichtete über 25 Jahre im hiesigen Orte, welche Ziffer der untrüglichste Beweis ist, daß er den Weinberg des Herrn werkthätigst bestellen half. Nun der bernfs- und pflichttreue, greise Jugcndlehrer der hieniden wie selten einer um seine Subsistenz ringen und mit Nahrnngssorgen kämpfen mußte, dem Winke von oben in das bessere jenseitigc Leben gefolgt, hat er den scinigen zum Tröste und sich zum blcibenden Nachruhme ein gesegnetes Andenken und thcuere liebe Erinnernngen zurückgelasscn. Sein Leichenbegängnis war feierlich u. ehrenvoll. Der Bahre folgteil d. LchrcrSwittwe u. drei ihres Batcrs würdige Kinder, im stillweincndcn Schmerz versnnkeii, die fänimtlichen Freunde und Verwandten, Schüler und Berchrcr des Verblichenen. Auch der hochwürdige Herr OrtSpfarrcr und die katholischen Herren Lehrer gaben dem Biedermanne das Ehrengeleit. Am Grabe sprach unser verehrtcfter Rabbiner, Sr. Hochwürden Herr Dr. Fcilbogen Worte tiefer Empfindung, die ihren Eindruck auf die Menge der von Nah und Fern herbcigecilten Zuhörer nicht verfehlten. In jedem Auge glänzten Thränen der herzlichsten Wchmnth und Rührung, und die allgemeine Theilnahme und das warme Mitgefühl unserer wackcrn Gemeinde für die Hinterbliebene kranke Mittwe bekundete sich ans die schönste und ehrenhafteste Weise. Es wurde nämlich derselben eine jährliche Pension stipulicrt, und außerdem eine namhafte Geldsninme als Ergebnis einer von humanen Mannern veranstalteten Kollekte übergeben. Er, dessen Gerichte nncrforschlich, doch aber gerecht sind, verleihe ihm jenen Lohn, aus welchen der Lehrer nur zu oft verwiesen wird, und lasse ihn ruhen in Frieden. "ושכבה וערבה שנתיך־" I. Jahoda, Hauptschullehrer. L'iteriirische Äiyeige». Moses Mendelssohn. Sein Leben und seine Werke. Bon Dr. M. Kayserling. B.'sprochen von Hermann Brill, Lehrer an der isr. Schule zu Gr.-Bccskerck. Zn den interessantesten Werken, mit welchen uns das Institut zur Förderung isracliticher Litteratur erfreute, gehört unstreitig Dr. Kayserling's. Es hat nur zu lange an einer ausführlichen Lebensgeschichte des unvergeßlichen Weltweisen gefehlt, obgleich wir manche schätzenswerthe Arbeiten über die verschiedensten Seiten seines mächtigen Einflusses aus unsere Kulturgeschichte besitzen. Der Verfasser der vorliegenden Schrift hat sich zur dankbaren Aufgabe gestellt, mit Tiefe und Gründlichkeit die Werke Mendelssohn's aus seinem Leben, seinem Charakter und seinen Verhältnissen organisch, im Zusammenhänge, zu entwickeln. In der That kann man nur sagen, daß der geehrte Verfaffer. den wir bereits auf verwandten Gebieten, namentlich in den ״Sephardim" und in der mit seltenem Flciße und glänzender Dic.tion geschriebenen ״Geschichte der Juden in Spanien und Portugal״ kennen und achten lernten. den gewaltigen Stoff auf's Beste bezwungen und verarbeitet hat; sein Werk läßt uns nirgends die Mühe und Arbeit Mitempfinden, welche es kosten mußte, dieser weitverzweigter und mit der ganzen damaligen Literatur-Epoche eng verflochtenen Biographie Herr zu werden. Verdienstlich ist ebenfalls die Art und Weise, wie die philosophischen Werke MendelSsohn's in Verbindung gesetzt werden mit der Eigenthümlichkeit des deutschen Volksgeistes, dessen Blüten und Früchte sie ja lediglich sind. Diese Parthie unseres Buches ist denn auch wohl insbesondere diejenige, welche sie vor früheren Versuchen, dieselbe Aufgabe zu lösen, auszeichnet. Man kennt ja das schnöde, wegwerfende Urtheil Hegel'S, der die jüdische Filosofie in den ״Schmutz und Eigendünkel der Nation״ zu verweisen ') sich nicht entblödet nnd bei Erwähnung des Jakobi'schen Streites über die Lehre des Spinoza nichts anderes zu sagen weiß, als daß diejenigen, welche sich für Männer vom Fach der Weltweisheit nnd vom Monopol der Freundschaft Leffing'S hielten, wie z. B. Mendelssohn, nichts vom SpinozismuS wußten, und nicht bloS Flachheit, sondern sogar ״Unwissenheit"^) zeigten. Diesem cynische» Standpuncte gegenüber, der glücklicherweise längst überwunden ist, ist es besonders wohlthnend, belehrend und anregend, wie Hr. K. die ästhetischfilosofischen Abhandlungen Mendelssohns mit Schärfe nnd Klarheit analysirt, und auf die bedeutenden Lcistungen hinwcist, welche M. auch auf diesem Felde errungen hat. Für die Freunde der Musik dürfte es nicht uninteressant sein zu erfahren, daß Mendelssohn sich längere Zeit mit Eulcr'S großem Werke, einer neuen Theorie der Musik, beschäftigte und dadurch auf den Gedanken kam, sich diese Kunst praktisch anzucigncn. Ein gewisser Kirnberger ertheilte ihm Unterricht und so sehen wir denn nnsern Moses, den Großvater des vorzüglichsten Künstlers unseres Jahrhunderts — Fclir Mendelssohn — Barthvldy — am Klavier sitzen und eine Menuette spielen; ergötzlich ist es, den Streit des Schülers mit seinem Meister über den Unterschied zwischen 3/4 ״״b 78 Takt zu lesen — hier gericth der eracte Mathematiker mit dem mnsikalischen Gehör so oft in Kollision, daß er schon nach Verlauf von wenigen Monaten den Unterricht cinstellte. Doch wir haben es in diesen Blättern mit der in den Annalen der Geschichte einzig dastehenden Reformation zu thnn, welche Mendelösohn auf dem Gebiete der Synagoge in'S Werk setzte, deren eisige Rinde vor einem Jahrhunderte ״durch sein befruchtendes Wort schmolz; wo der dritte Moseö — gleich dem Ersten ein וכבר לשון HD בכבד) — die Morgcnröthc eines schöneren Tages hcrvorrief; und hier bietet uns das reichhatligc Buch eine unendliche Menge neuer Apergus, wodurch uns die cigenlhümlichc Eharactergrößc, Weltanschannng nnd speciclle Einwirkung Meubelssohn's aus den geistigen Entwickclungsprozeß unserer Glaubensbrüder hell und deutlich in seiner Lichtgestall hervortritt. Eigentlich waren eö die Lavater'schen Bckehrnngsversnche, welche ihn veranlaßte» , seiner schrismclterischcn Thätigkeit eine andere Wendling zu geben. Gewissensbisse folterten ihn, daß er in den bis dahin veröffentlichten Schriften seiner Religion auch mit ״keiner Silbe" erwähnt hatte; er klagte sich ob dieses Schweigens eines Vergehens gegen das Jndenthiim und die Juden an. Ja, der Zürcher Pastor ״mit großer Najc" und Angen. die etwas Jesuitisches hatten, ') hätte ״vielleicht" eine solche Zninulhung — meint Hr. Dr. Kayserling — gar nicht gewagt, wenn M. nicht von ״jeher versäumt hätte" seine nnverbrüchliche Treue, seine innige Anhänglichkeit an seine Religion öffentlich an den Tag zu legen. Nun aber möchten wir fragen: was ist denn eigentlich der Grund, daß dem — dato sed non concesso — also war? Hr. Dr. K. bleibt die Antwort schuldig. Wir wollen aber zeigen daß dieser harte Vorwurf höchst unstatthaft ist. Als nämlich der Göttinger Professor der Theologie, Ritter MichaeliS, in den ״Gelehrten Anzeigen" gegen das Lessing'sche Drama: ״Die Juden" das Anathema schleuderte, weil es ״allzu" unwahrscheinlich sei, daß solch ein edles Gemüth, wie der Jude in dem Stücke zeigt, sich unter einem Volke, wie daö jüdische, bilden könne, da erhob der damals vierundzwanzig jährige Jüngling Moses aus Dessau muthig und kühn seine Stimme gegen eine solche Verkennung und ließ eine Ehrenrettung seines Volkes drucken, die wir noch heut zu Tage als ein Meisterstück bewundern dürfen. Eine Stelle wie diese: ״Das gemeine Volk der Christen hat niiü von jeher als den Auöwnrf ״der Natur angesehen. Allein von gelehrten Leuten erwartete ich jeder ״Zeit eine billige nnd gerechte Beurtheilung. Wie sehr habe ich mich

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