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Ben Chananja · 1862-04-25 · 17 (25.4.1862) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
17 (25.4.1862)
Date
1862-04-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Azegedin, de» 85. April Ar. 17. 1862.!er. <f hananja. scheNhlK'ZV f»r jttische Theslsgi§» fünfter IMiHimg. Deraisgefier unii XctaUenc: L. Löw, Üficmilifiiucr z» Sjegebin. Jeden Frritacr erscheint ein gcuizer Bogen. Prilnliiiirratioiigprris: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 fr., viercljährig 2 fl. östcrr. Währ. Man abonnirt bei alle» Postämtern und Buch- Handlungen des In- und Auslandes. Miuiiisliriptc sind an die Redaktion zu senden.! Inftrnle sind an die Redaktion in Szcgcdin! oder an Hrn. Franz Wagner in Leipzig > zu senden. Die zweispaltige Pekitzeile wird | mit 10 Nkr. 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Rcflerionen eines Ungenannten. — Die Wichtigkeit der arab. Tcrte und jüd. Literatur. B. A. Neubauer. — Zur EidcSfcage. Bon Oberrabb. Faffcl. — Eine handschr. Gutachtensamml. a. d. 16. Jhnd. B. Obcrrabb. Steinhardt. — Pariser Miktheilungcn. — Korrespondenz. Paris. — Literärische Anzeigen. Schoschanim. B. Dr. Graetz. Bespr. v. Dr. Jemand. — Bemerkungen. ZiesleMK» emes Hugenannk’u. 1. Defensio orthodox® fidei .. . ., ubi ostenditur h®retic08 jure gladii 60ercendos esse. Dieser Titel einer Schrift von Calvin ist gewiß ein schrecklicher und schauerlicher, und kein Jude würde ihn in unserer Zeit zu dem seinigen machen. Ist aber nicht die böse Zunge 0לשון הת) das jus gladii vieler unserer Orthodoren? Wehe dem, der von ihrem vermeintlichen wahren Glauben abweicht! Sie schwingen ihre Zungen, und herzlos versetzen sie ihm die tiefsten Wunden. Er ist ein ״Kofer," ein ״Min," ein ״Apikores," will das Judenthum entwurzeln, die Religion vernichten; denn er behauptet, man brauche nicht auf jedes Wort im Talmud zu schwören, jede Zeit habe das Recht, die Liturgie nach ihrem Bedürfnisse einzurichten, und es sei besser und schöner, in den Synagogen anständig zu singen, als zu lärmen und zu schreien. Das jus gladii unserer Orthodoren hat wahrlich vielen Rabbinen und Gemeinden Kummer und Trauer gebracht! II. Quelles que soient vos intentions, vos esperances, ne croyez pas qu’une vielle religion, meme caduque, disparaisse de la scöne par l’action seule du temps ou par 16 travail latent de 1' esprit huinain. Edgar Quinet. Wären diese Worte des berühmten französischen Schriftstellers wahr, so würde dies ein trauriges Zeugniß für die Gesetze des Fortschrittes sein; aber trauriger noch, daß sie zum Theil wahr sind! Ein Blick ans die jüdischen Gemeinden bestätiget sie. Trotz allen Abhandlungen, welche über die Zulässigkeit des Chores, der Orgel u. s. w. geschrieben wurden, stünde unser Gottesdienst heute «och auf dem alten Standpunkte, hätten nicht Männer der That, oder vielleicht der Gewalt, ihn rücksichtslos umgestaltet und verbessert. Hö- Heren Geistern genügen die Resultate wissenschaftlicher Forschungen; Massen werden nur durch die Energie der Thatkraft überzeugt oder geleitet. Ehre den Männern in Israel, die ohne wissenschaftlichen Apparat, bloß von einem inneren Triebe angespornt, die Erscheinung des Judenthums veredelten I III. ״Blaue Zettel." Welcher österreichische Jude kennt nicht die blauen Zettel in Oestreich's Hauptstadt? Auch sie hatten, wie alles in der Geschichte, ihre guten Wirkungen. Sie schufen näm-!ich eine kleine Anzahl privilegirter Juden in Wien, denen es möglich wurde, ohne Streit und Zwiespalt im Innern, einen Gottesdienst einzuführen, der im Laufe der Zeit mustergiltig auch außerhalb des österr. Kaiserstaates wurde. Wäre im Jahre 1826 eine jüdische Gemeinde innerhalb der Mauern Wiens gewesen ähnlich der heutigen, so würde ein Tempelverein, wie etwa in Prag, aber keine Tempelgemeinde entstanden sein. In der That scheint auch jetzt die religiöse Initiative aus der jüdischen Gemeinde Wiens geschwunden zu sein.

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