Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 11 (14.3.1862)
- Date
- 1862-03-14
- Page
- Seite 92 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2542917-2542971-2542983--2519-2546307- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
92 8. März in den Räumen des Vereins statt und war höchst interessant. Nachdem der Vortragende in populärer Weise drei Elemente erörterte, auf den Unterschied hinwies wie dieselben von alten Zeiten und heute aufgefaßt wurden, machte er einige chemische Experimente mittelst eines Gasometers, welche von den anwesenden Hörern (unter den wir den hochverehrten Präses unserer Gem. Herrn Dr. Hischler bemerkten), mit lautem Beifall angesehen wurden, ein Beweis, wie sehr das Volk für die Natur und ihre Kräfte, wenn sie ihm verständlich gemacht wird, ein willfähriges Ohr hat. Wir können dem Verein zu einer solchen Acquisition, wie sie in Hr. Professor Großmann gesunden ist, nur Glück wünschen, und wir wollen hoffen, daß er keine Opfer scheuen wird, Hr. Großmann dahin zu bestimmen, uns recht oft angenehm lehrreiche Abende zu bereiten. Als treuer Berichterstatter kann ich den traurigen Unfall, der die Gemüther wie »ichr minder gewisse Zungen gleichmäßig beschäftigt, nicht nnerwähnr lassen. Zch meine die Handgreifliche Beleidigung des allgemein geachteten ObcrkantorS Friedman» gegen einen Eoncurcnten der vacant gewordenen zweiten Cantorstclle. Wer die Vergangenheit dieses als jüd. Cantor wahrhaft ausgezeichnetcn Menschen kennt, wer da weiß , daß wir es mit einen Mann von Bildüng und Geist zu thuu haben, wird gewiß nicht, ohne von dem Factum genau unterrichtet zu sein, über denselben den Stab brechen. Wie wir nun aus einem ״Eingesendel" in den Wiener ״Neuesten Nachrichten" entnehmen, waren die Motive dieses traurigen Falles edler Natur. Hr. Friedmanu erklärt in demselben, wie dieß der h. hochw. Oberrabbincr als Augenzeuge bestättigt, daß die Herausforderung des Competcntcn, ihm und die Würde seines Berufes derart verletzte, das er nicht Meister seiner selbst zu diesem Schritte sich hingedrängt fühlte. Aus dieser Erklärung entnehmen wir, daß dieser Fall nach Vollendung des GotlcSdieusteö, bei allmähliger Entfernung des Volkes vor sich ging. Noch ist die Sache nicht völlig bcigelegt und cs läßt sich hoffen, daß unser hnmancr Vorstand, auch hierin wie bis allher, gewiß klug zu Werke gehen wird. Zum Schlüße noch die frohe Nachricht. daß unsere dentschen und ungarischen Schul-Lesebücher einer Metamorphose entgegensehen. Der hochw. städtische Schul-Director He. Josef Kricgler hat im Auftrage der hohen Regierung eine Commission bestehend ans Fachmänuer» ernannt, welche die Umarbeitung unserer gegenwärtigen Lesebücher übernommen haben. Hievon nächstens mehr. Y Csakowa, (Tciucser Kom.), 9. März. Heute wurde der Vorsteherder hies. kleinen jüd. Gem., Jsak Spitzer, zu Grabe gestattet. Der Verblichene war wegen seiner Rechtschaffenheit und seiner Wohlthätigkcit so beliebt, baß die ganze Bevölkerung — auch die christliche Geistlichkeit — seiner Bahre folgte. Der hiehcr berufene Rabb. Löw hielt die Trauerrede. Gelegentlich füge ich die Notiz hiezu, daß die Inden in dem hiesigen Marktflecken bei der Wahl des OrtSbeamten stets mitwirktcn: bei der Wahl des Depntirten zum leztc» Reichstage haben ebenfalls die gnalifizirtcn Juden mitgewirkt. Die kleine Gemeinde besitzt eine niedliche Synagoge. N e p l i k. Die erste Bemerkung Nro 9. d. Bl., daß ich alle Metaphisika, Deductionen 1c. aus der Liturgie auSlaffen will, (S. 28) nachdem ich früher (S. 2) behauptete, auf dem Standpunkte der reinen Orthodoxie zn stehe», fände seine vollkommene Rechtfertigung, wenn ich nicht auf derselben Seite (28) den Zusatz gemacht hätte, ״und wird dem höbern jüdischen Schulunterrichte überwiesen." In der uralten Zeit war Unterricht und Gottesdienst in eins verschmolzen, darum hieß das Gottes- Hans ״Synagoge", heute zu Tage aber ist beides gesondert. Mit diesem Nachsatze ist die Orthodoxie wohl hinlänglich gewahrt, denn die obbcrührten Objecte werden keinesfalls negirt oder aufgehoben. Auf die Bemerkung, daS ich im Regulativ erhebliche liturgische Neuerungen, wie: Weglassung des ולמלשינים und 3-jährigen Cyclus mir unbedeutenden Propositionen wie Naumbiirgischen Compositionen zusammengeworfen, muß ich depreciren, daß die gottesdienstlichen Gesänge auch unter die Liturgie gehören, und ich (S. 29) einen eigeneu Paragraph 8 ausgestellt habe, demgemäß daö Sulzerischc Gesangsbuch als Unterlage zu dienen habe, wenn auch zeitweise andere Gesang- Piecen einstudirt werden können, wie Naumburg re. Den Fehler daß (S. 11) der מהו־של und רשל als 2 Pcrscneu angeführt werden, muß ich leider zugestehen, aber es ist nicht unser Verschulden, sondern des Setzers. — Diese und noch andere sich eingeschlichene Druckfehler, werden wir mit nächstem rectifiziren- Ob die Orthodoxie mich als Verkünder ihrer Prinzipien anerkennen, oder die Tempelbesncher meinen Reformen znstimmcn werden, kann ich so wenig mit einem bestimmten ״Ja" als ein Andrer mit einem bestimmlen ״Nein" Voraussagen. ES ist genug, wenn wir hier sagen, daß über die Ersprießlichkeit der in unsrer Eingabe so oft berührten 2 rituellen Objekte, unser Anfsatz vom Jahre 1859 erschöpfend sich ausspricht. und über deren Gesetzmäßigkeit der Koder טא״ח unserer Meinnng gerade nicht ungünstig ist. Alles Uebrige ist unwesentlich und nur Nebensache. Von Ihrer Humanität und Rechtsliebe hoffend, daß sie diese meine Erklärung in ihrem geschätzten ״Ben Chananja" in der nächsten Nummer gef. bringen werden, zeichnet mit ausgezeichneter Hochachtung Pest, den 5. März 1882. Ew. Hochwürden ergebenster Leon P o l l a k. Berichtigungen. In dem Allss. des Herrn Dukes vor. Nro S. 79. Z, 22. p. nnten ist das Wort ״seien" zu streichen. S. 83. Z. 12 v. ». ist מעשה הוררום zu lese». Konkurs. 0 Pest, 11. März. Zwei hoffnungsvolle und strebsame hörer der Rechte, Hr. Isidor Rosenberg und Hr. Karl Goldsahn, arbeiten an einer ungarischen Nebersetznng des historischen Werkes ״vom lüd. Kriege" v. Josefnö Flavins. Ein sehr lobenswerthes Unternehmen! An der hiesigen isr. Hauptschule sind zwei Lehrerstellen zn besetzen. JahreSgehalt 500 fl. ö. W. — Bewerber haben ihr Nationale, so wie ihre eigenhändig geschriebenen Gesuche vor Ende April an den gef. Vorstand portofrei einznscnden. Szcgedin, 11. März. Der Vorstand der isr. KnitnSgemeinde. Szegedin, Arllistvrrlag der ficönlUioit. Leipzig, Üonimlsfions-Vcrlag von Lranz tvaLner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.